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Hier gibt’s fast alles

Ende einer Tradition Hier gibt’s fast alles

Ein bisschen Wehmut schwingt schon mit, als Hans-Ulrich Später erzählt, dass er sein Fachgeschäft zum 1. Juni dieses Jahres schließen wird. Denn eigentlich hätte er den an der Langen Straße 1b in Bückeburg gelegenen, als „E. Brandt Inh. H.-U. Später e.K.“ firmierenden Eisenwaren-, Haushaltswaren- und Modelleisenbahn-Laden gerne noch länger geführt.

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Breites Sortiment, viel Teile auch einzeln erhältlich: Später weiß genau, was vorrätig hat.

Quelle: wk

Bückeburg. Aber weil es seiner Ehefrau gesundheitlich nicht gut geht, er selbst inzwischen 79 Jahre alt ist und auch nicht mehr so viele Kunden kommen wie früher, ist es halt an der Zeit, dieses Kapitel abzuschließen. Der Stadt geht damit ein Traditionsgeschäft verloren, dass es in dieser Art in der regionalen Einzelhandelslandschaft kein zweites Mal gibt. Klar, Schrauben, Nägel und Werkzeuge, Töpfe und Pfannen sowie Modelleisenbahnen nebst Zubehör bekommt man in Bückeburg auch anderswo, doch eben nicht alles bei einer Adresse.

Wasserkessel im „Oma“-Design

Zudem hat Späters Geschäft einen urigen Charme, der allein schon den Blick ins Schaufenster und Ladeninnere lohnt. Ein paar alte Nähmaschinen aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders finden sich genauso wie Wasserkessel im „Oma“-Design, Einkochautomaten, Camping-Essbestecke, Fliegengitter und Mausefallen. In einem mehrere Meter breiten, deckenhohen Schubladenschrank lagert außer den bereits erwähnten Schrauben und Nägeln auch noch eine Vielzahl an Dübeln, Magneten und Metallbeschlägen.

Und an einer anderen Stelle des Geschäftes stapeln sich in Regalen Kartons mit kleinen Lokomotiven und Waggons, Autos, Figuren und anderen Accessoires aus dem Bereich der Modelleisenbahnen, Spurweite HO. Und obwohl der Winter inzwischen vorbei ist, sind bei „E. Brandt Inh. H.-U. Später e.K.“ noch etliche neue Rodelschlitten vorrätig. Auch Gartengeräte und Vogelnistkästen gehören zum Sortiment, das damit allerdings noch lange nicht erschöpft ist. Fast möchte man meinen, dass es wohl nichts gibt, was es hier nicht gibt.

Zunehmende Konkurrenz durch Online-Shops

Von „Ladenhütern“ wolle er zwar nicht sprechen, aber die freilich ebenfalls erhältlichen Ofenrohre würden heutzutage nicht mehr so stark nachgefragt wie früher, berichtet Später. Gleiches gelte für die Teppichklopfer und die zum Einlegen von Sauerkraut gedachten speziellen „Steintöpfe mit Deckel und Wasserrand“. Wobei auch diese Dinge immer wieder mal gekauft werden. „Allerdings ist die zunehmende Konkurrenz durch Online-Shops mittlerweile schon spürbar“, so Später.

Seine Kunden kommen nicht nur aus Bückeburg, sondern auch aus Rinteln, Stadthagen und etwa Minden – junge Leute sind ebenso dabei wie ältere Menschen: Ein Grund dafür sei, dass sie bei ihm zudem eine „gute Beratung“ erhalten, erklärt der 79-Jährige.

Eröffnung im Jahr 1935

Eröffnet wurde das in Bückeburg auch als „Eisen Brandt“ bekannte Traditionsgeschäft im Jahr 1935 von Ernst Brandt. Standort war zunächst ein Gebäude an der Oberntorstraße. Wie es dann genau weiterging, weiß Später nicht im Detail. Allerdings kann er berichten, dass Ernst Brandt als Soldat im Zweiten Weltkrieg gefallen ist und dass das Geschäft danach von dessen Bruder Friedrich Brandt fortgeführt wurde. Er selbst fing 1953 als Lehrling für den Beruf des Einzelhandelskaufmanns in dem Laden an, so Später. Und er blieb dort nach erfolgreichem Abschluss seiner Ausbildung als Angestellter. Nach dem Tod von Friedrich Brandt übernahm er zum 1. Juni 1965 das Geschäft, um dies in eigener Regie zu betreiben.

Urlaub hat er sich seitdem nicht in großem Maße gegönnt – nur „eine Woche Urlaub pro Jahr“ sei drin gewesen. „Ich konnte den Laden ja nicht einfach für längere Zeit zumachen, nur um selbst mal ein paar Wochen frei zu haben“, so Später.

Tatkräftig unterstützt wurde er im Geschäft bis vor rund zehn Jahren von seiner Ehefrau Irmgard, bevor diese aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste und seine Tochter Claudia ersatzweise einsprang. Diese ist seitdem ebenfalls täglich als Verkäuferin während der Öffnungszeiten im Laden.

Trauer bei den Stammkunden

Übernehmen möchte die Tochter das Fachgeschäft indes nicht. Also wird es zum 1. Juni aufgegeben, wobei bis dahin aber noch das Warensortiment mit „entsprechenden Rabatten“ abverkauft werden soll. Viele Kunden sind traurig: „Sie können alles machen, nur nicht zumachen“, sei ihm von mehreren Stammkunden gesagt worden, verrät Hans-Ulrich Später. wk

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