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Hochachtung und Freundschaft

Ausstellung im Landesarchiv Bückeburg Hochachtung und Freundschaft

250 Jahre nach seinem Tod steht Thomas Abbt gemeinsam mit dem Osnabrücker Politiker, Publizisten und Historiker Justus Möser (1720 bis 1794) im Mittelpunkt einer Ausstellung des Bückeburger Standortes des Niedersächsischen Landesarchivs. Die bis Dienstag, 10. Januar, laufende Ausstellung kann kostenlos besucht werden.

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Während Martin Siemsen im Erdgeschoss (unten links) Details der Ausstellung erläutert, beantwortet Stefan Brüdermann auf der Treppe (oben rechts) Fragen eines Besuchers.

Quelle: bus

BÜCKEBURG. „Mein Land und ich sind nur ein Jahr mit dem Wohlseligen beglückt gewesen und die erfreulichen Hoffnungen, welche ich für mich und die Meinigen auf dessen Hierseyn gründete, sind in einer traurigen Stunde erloschen.“ Das ließ Graf Wilhelm den Vater von Thomas Abbt in einem eigenhändig verfassten Brief wissen, nachdem dieser am 3. November 1766 auf Schloss Bückeburg das Zeitliche gesegnet hatte. Der Verstorbene werde Deutschland als ein Schriftsteller, der den Deutschen Ehre macht, unvergesslich bleiben. „In meinem Gemüth aber werden außerdem Hochachtung, Freundschaft und Erkenntlichkeit dessen Andenken nicht vergehen lassen“, ergänzte der Adelige.

Die von Kurator Martin Siemsen als Wanderausstellung konzipierte Schau führt Leben und Wirken der Geistesgrößen auf großformatigen, grafisch anspruchsvoll gestalteten Tafeln vor Augen. Das Archiv zeigt in einer Vitrine Archivalien zu Abbt aus seinem eigenen Bestand.

Während der Ausstellungseröffnung würdigten die Präsidentin des Landesarchivs, Christine van den Heuvel, und Bückeburgs Archivleiter Stefan Brüdermann Leben und Wirken der beiden eng miteinander befreundeten Männer.

„Abbt und Möser“, legte Heuvel dar, „waren Angehörige einer kleinen, sich aus der absolutistischen Gesellschaftsform lösenden, geistig selbstständig werdenden bürgerlichen Schicht, die sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zur sogenannten Aufklärungsgesellschaft wandelte.“ Beide verkörperten in nicht unerheblichem Maß den Sozialtypus des bürgerlichen Gelehrten. Und beide seien mehr oder weniger stark vom neuen sozialen Bild des gebildeten Menschen geprägt gewesen, das Bedingung wie auch Folge des Strukturwandels der Aufklärung war.

Auditorium hörtgespannt zu

Brüdermann, der seinem Vortrag „Der Aufklärungsphilosoph Thomas Abbt in Rinteln und Bückeburg“ als Thema vorangestellt hatte, betrachtete den 1738 in Ulm als einziges Kind eines Perückenmachers und einer Pfarrerstochter Geborenen unter den Aspekten: „Welche Bedeutung hatte Abbt in seiner Zeit?“, „Welche Bedeutung hat er für die Regionalgeschichte Schaumburgs?“ und „Kann er uns heute noch etwas sagen?“

Das Auditorium hörte stets besonders aufmerksam zu, wenn der Archivleiter Abbt in persönlichen Anmerkungen zu Wort kommen ließ. Etwa, was er im November 1761 im Anschluss an seine Ankunft in Rinteln formulierte: „Rinteln ist ein Ort, der drey lange und ziemlich breite Straßen hat; alle Querstraßen aber sind sehr enge. Die Anzahl der Studirenden beläuft sich ohngefähr auf hundert und zwanzig; ihre Aufführung ist stille und gesittet, und auch ihr Fleiß scheint ganz gut zu seyn. Ich habe selbst in einer meiner Stunden über dreissig Zuhörer. Den Frieden habe ich auch hier nicht gefunden. Der Umstand, daß ich anstatt 400 Rthlr wie ich vermuthet hatte, 533 Rthlr ausgezahlt kriege, erleichtert aber manches.“

Über Graf Wilhelm hielt Abbt fest: „Der Graf von Bückeburg ist mir ein rechtes Fest gewesen; nicht weil er Graf ist, sondern weil er ein Mann ist, der die Welt auf sich aufmerksam gemacht hat und gewiß noch, wenn die Gelegenheit nicht fehlt, mehr machen wird. Ich halte ihn nicht für einen von den lebhaften Geistern, denen die Einfälle mit den Wachskerzen bey Tische kommen und die manchmal so was Glückliches sagen, daß sie sich fast selbst Verstand zutrauen.“

Überlegungen vonzeitloser Aktualität

„In Bückeburg“, führte Brüdermann aus, „konnten außer Graf Wilhelm wohl schon zu seinen Lebzeiten nur wenige etwas mit Abbt anfangen.“ Bezeichnend sei die Trauerode des Konrektors der Bückeburger Schule, Johann Christian Wolbrecht, die nach einigen holprigen und konventionellen Versen nichts Konkretes über seine Person und seine Leistungen aussage. In einer Fußnote schreibe der Autor: „Hier müßte ich des verstorbenen Mannes Charakter und Verdienste schildern, allein ich füle mich zu schwach dazu. Ich will ihn nicht loben, sondern seine betrübten Freunde trösten.“

Abbt ist der Auffassung des Archivleiters gemäß „gewiss kein Schriftsteller, der heute zu den Klassikern der Aufklärung zählt oder zählen könnte“. Aber mit seinem im Buch „Tod für das Vaterland“ entworfenen und im Werk „Vom Verdienste“ vertieften Konzept des Gesetzespatriotismus habe er Überlegungen eingeführt, die uns heute in den Diskussionen über „Verfassungspatriotismus“ und über das Wesen der Staatsbürgerschaft wieder begegneten und die von zeitloser Aktualität seien.

Graf Wilhelm ließ Abbt – als Einzigen außerhalb der Familie – in der Schlosskapelle beisetzen und entwarf persönlich die Grabinschrift für seinen verstorbenen Freund und Beamten. bus

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