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In Partyszene bekannt „wie ein bunter Hund“

Bückeburg/Minden / Ermittlungen In Partyszene bekannt „wie ein bunter Hund“

Die Raub- und Brandserie ist aufgeklärt, die Ermittlungen gehen weiter. Nach der Festnahme einer 31-jährigen Frau und eines 17-jährigen Schülers aus Bad Oeynhausen kommen immer mehr Details an die Öffentlichkeit.

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Beim Fasching in Bückeburg verkleidete sie sich als lustige Boxerin, bei ihren Überfällen war sie mit einer Sturmhaube maskiert: Der 31-jährigen Bad Oeynhausenerin wirft die Staatsanwaltschaft mindestens 29 Raubüberfälle und 39 Brandstiftungen vor. © jp

Bückeburg/Minden (kk/mt). Wie berichtet wird das ungleiche Paar von der Mindener Polizei und der Staatsanwaltschaft Bielefeld für zahleiche Überfälle auf Supermärkte und Tankstellen auch im Schaumburger Land oder direkt an der Landesgrenze verantwortlich gemacht.

Außerdem stecken die beiden nach eigenem Eingeständnis hinter einer Serie von Brandstiftungen, die gerade in Porta Westfalica für Angst und Schrecken sorgte. Besonders die Persönlichkeit der Frau gibt Rätsel auf: Die 31-Jährige war erfolgreiche Sportlerin und auch in der Bückeburger Partyszene gern gesehener Gast.

Meist hatte sie ihre Kamera dabei, um Bilder für ein Szenemagazin zu „schießen“. Die vertauschte sie bei den Überfällen gegen eine (Spielzeug)-Pistole, mit der sie in der Regel kurz vor Geschäftsschluss Kassiererinnen in Angst und Schrecken versetze, um die Herausgabe der Einnahmen zu erzwingen. Dabei wurde sie in den meisten Fällen von ihrem 17-jährigen Komplizen unterstützt.

Das ungleiche Paar sorgte bereits auf der Pressekonferenz, auf der die Polizei ihren spektakulären Ermittlungserfolg präsentierte, für viele Spekulationen. Kennengelernt hatten sich die beiden nach Polizeiangaben, als die junge Frau in der Nachbarschaft des 17-Jährigen einzog. Beide wohnten in unauffälligen Verhältnissen bei ihren Eltern.

Der Junge, der zu Hause familiäre Schwierigkeiten gehabt haben soll, fasste schnell Vertrauen zu der selbstbewusst und freundlich auftretenden Frau. Es scheint sich ein Abhängigkeitsverhältnis entwickelt zu haben, in dem die 31-Jährige den Ton angab und die Spielregeln vorgab. Ein Liebespaar sollen die beiden aber nicht gewesen sein.

Zunächst begleitete der junge Mann die Frau auf ihren Fototouren, fotografierte auch selbst, fühlte sich scheinbar bestätigt und akzeptiert. Was dann allerdings den Anstoß zu einer langen Serie von Straftaten gab, die in dieser Form in der Region ohne Vorbild ist, ist noch nicht klar. Als Motiv kommt nach Einschätzung der Ermittler eine Gemengelage aus Abenteuerlust, Geldnot, Frust und Langeweile infrage.

Bei der Oeynhausenerin kommt scheinbar noch eine gehörige Portion Geltungsbedürfnis hinzu. Auch in Bückeburg sei sie „bekannt gewesen, wie ein bunter Hund“, berichten Partygänger. Und habe dabei immer freundlich, aber auch ein wenig naiv und gleichzeitig draufgängerisch gewirkt. Ob Funky-Castle oder Abtanzen zur Rosenmontagsparty im Rathaussaal: Bettina S. war mit von der Partie. Zum Fasching erschien sie in Bückeburg im schrillen Boxer-Outfit.

Die Verkleidung ist nicht einmal weit hergeholt. In der Kickboxszene ist sie als talentierte Sportlerin bekannt, die bereits erfolgreich an internationalen Meisterschaften teilnahm. Mit diesen Titeln schmückte sie sich aber auch gerne in der Öffentlichkeit – und trug manchmal etwas „zu dick“ auf. Besonders skurril: Für die Image- und Nachwuchswerbung hatte sich die Sportlerin auch der Bad Oeynhausener Polizei zur Verfügung gestellt. Dies ist aber schon einige Jahre her.

Vorläufig wird das Räuberpärchen aber nirgendwo öffentlich auftreten: Die Frau sitzt in der JVA Bielefeld in Untersuchungshaft, der junge Mann in der JVA Herford. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bielefeld wird es bis zum Prozess aber noch eine Weile dauern: Der Ermittlungsbedarf sei noch erblich. Insbesondere wird geprüft, ob das Räuberpärchen noch für weitere Straftaten – auch im Schaumburger Land – infrage kommt. Überfälle auf die Autobahnraststätte Auetal und eine Tankstelle in Eisbergen haben sie schon eingeräumt.

Besonders in Porta hat die Festnahme große Erleichterung ausgelöst. Die Serie von Brandstiftungen hatte nach Angaben aus Feuerwehrkreisen nicht nur für Verunsicherung, sondern regelrecht für Angst und Schrecken gesorgt. Wochenlang konnten die Brandschützer nicht mehr ruhig durchschlafen, Landwirte gingen nachts auf Patrouille, um Erntevorräte und Maschinen zu schützen. Ein Lkw-Fahrer hatte sich erst in letzter Sekunde vor den Flammen retten können, nachdem die beiden seinen Sattelzug angezündet hatten.

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