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In schmuddeliger Eintracht

Museum In schmuddeliger Eintracht

Ein Besuch im Museum hat gestern den Auftakt einer Aktion der Stadtkirchengemeinde gebildet, mit der Mädchen und Jungen das Leben im 17. Jahrhundert näher gebracht werden soll.

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Erwartungsvoll: Etwa 20 Kinder marschieren ins Museum, um etwas über das Leben im 17. Jahrhundert zu lernen.

Quelle: bus

Bückeburg. Hintergrund des von Pastor Rainer Diekmann und dessen Frau Sonja betreuten Projekts ist der 400. Geburtstag der Bückeburger Stadtkirche. Die Errichtung des Gebäudes in den Jahren 1611 bis 1615 soll im Mai mit einem großen Fest gefeiert werden.

Wer sich vor vier Jahrhunderten im seinerzeit recht überschaubaren Bückeburg bewegte – das wurde den rund 20 vier- bis zehnjährigen Kindern während der Stippvisite schnell klar – tat gut daran, festes Schuhwerk anzuziehen. Es gab nur ein paar unbefestigte Straßen, die aber nach jedem Regen aufgeweicht waren und die nicht besonders angenehm rochen. Überall um die einfachen Lehmfachwerk-Hütten lag Abfall herum. Menschen und Tiere lebten unter den mit Stroh gedeckten Dächern in schmuddeliger Eintracht. Wasser musste in Eimern von Brunnen geholt werden. Kanalisation oder Straßenbeleuchtung suchte man vergeblich. Nachts war es stockdunkel, da liefen nur noch die Ratten draußen herum.

„Es gab auch keine Badezimmer und keine Toiletten“, verdeutlichte Museumspädagogin Christiane Papassimos. Die „Geschäfte“ wurden in einem Topf gesammelt und dessen Inhalte aus dem Fenster gekippt. „Vorsicht Unrat“, hätten die Entsorger dann gerufen. „Die Leute auf den Straßen mussten also aufpassen, hier war es damals ganz schön schmutzig.“

Außer um die Hygiene war es zudem um viele andere heutzutage als selbstverständlich betrachtete Gegebenheiten schlecht bestellt. „Heizung und Kühlschrank etwa, waren ebenfalls unbekannt“, erläuterte die Expertin. Und an eine abwechslungsreiche Ernährung sei schon gar nicht zu denken gewesen. Häufig hätten kriegerische Auseinandersetzungen die Ernten vernichtet, die Leute oft Kohldampf geschoben. Papassimos: „Meist kam scharf gewürzte Hafergrütze mit Graubrot auf den Tisch.“

Während eines Rundgangs durch das Museumsgebäude zeigte die Pädagogin den Gästen etliche Details der weit zurückliegenden Zeiten auf. Wie etwa die Regelung, dass in dem früheren Burgmannshof die Hausherrin als einzige ein durch die Kaminnähe einigermaßen beheiztes Zimmer bewohnte. „Die anderen bekamen im Winter kalte Füße“, legte die Gastgeberin dar.

Darüber hinaus konnten die Mädchen und Jungen Teile der Dauerausstellungen und die aktuelle Sonderschau über die Musikkapelle „Bückeburger Jäger“ in Augenschein nehmen. Abschließend stand eine Bastelaktion auf dem Programm, die sich der Bekleidung der damaligen Zeit widmete. Dabei stachen den Kindern an den Modellen als erstes die Frisurvorlieben ins Auge – dereinst trugen auch die Männer durchweg lange Haare.

Das Projekt soll Anfang Februar mit dem Besuch einer Spezialistin für liturgische Bekleidung fortgesetzt werden. Für Ende März ist ein zweiter Besuch im Museum vorgesehen, in dessen Mittelpunkt sakrale Gegenstände stehen werden. „Wir wollen auch die jungen Mitglieder unserer Kirchengemeinde mit auf den Weg zum Jubiläum nehmen“, merkte Pastor Diekmann an. bus

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