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Insolvenzen macht der Chef

Firmenpleiten weiter rückläufig Insolvenzen macht der Chef

Klaus Neubert, seit Mai neuer Direktor des Amtsgerichts Bückeburg, übernimmt die Insolvenz-Abteilung. Davon geht Richter Wolfgang Gloede aus, der zurzeit für diesen Bereich zuständig ist, sich zum Jahresende aber in den Ruhestand verabschiedet.

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 Exzessives Telefonieren mit dem Smartphone kann vor allem viele junge Menschen an den Rand der Verbraucherinsolvenz bringen. Dann führt der Weg zum Gericht.

Quelle: ly

Bückeburg (ly). „Wenn man das Wort Insolvenzen in Gegenwart von Herrn Neubert erwähnt, beginnen seine Augen zu leuchten“, hat Gloede beobachtet.

 Am Amtsgericht Hannover, wo der neue Direktor vor dem Wechsel nach Bückeburg 25 Jahre lang tätig war, hatte Neubert die Insolvenz-Abteilung mit aufgebaut und zuletzt auch geleitet. „Für Bückeburg wäre dies eine echte Bereicherung, weil er den ganzen Erfahrungsschatz aus Hannover mitbringt“, sagt Gloede, der die Besetzung des Postens offenbar für eine reine Formsache hält: „Wenn das Präsidium zustimmt, wird Herr Neubert ab Januar 2016 die Insolvenzen übernehmen – und davon ist auszugehen.“

 Das Präsidium des Amtsgerichts ist dessen Selbstverwaltung, bestehend aus allen Richtern. Neubert selbst hatte noch vor seiner offiziellen Amtseinführung als Direktor im Interview mit dieser Zeitung den Wunsch geäußert, die Abteilung für Insolvenzen, deren Zuständigkeitsbereich den gesamten Landkreis Schaumburg umfasst, auch in Bückeburg zu übernehmen. „Ich hoffe, dass das Präsidium dazu bereit ist“, sagte er damals. Darüber hinaus wird Neubert weiterhin auch andere Aufgaben haben, unter anderem im Bereich der Verwaltung.

 Anlass für Gloedes Ausblick war die statistische Auswertung der jüngsten Insolvenzverfahren. „Insgesamt sind die Zahlen rückläufig“, so der Insolvenzrichter. „Aus meiner Sicht hängt das damit zusammen, dass Geld im Moment billig ist und die Unternehmen mit dem billigen Geld am Laufen gehalten werden“, erklärt er. „Wenn die Zinsen steigen, brechen viele Finanzierungen zusammen“, fügt Rechtspfleger Horst Struckmann hinzu. „Früher gab es mehr Firmen mit persönlicher Haftung.“

 Gloede zufolge sind „die eröffneten Verfahren immer weniger werthaltig“. Soll heißen: Es ist keine oder kaum Masse vorhanden. Dies sei ein Zeichen dafür, dass Unternehmen mit billigem Geld bis zuletzt am Leben gehalten würden. „Und wenn nichts mehr da ist, geht man zum Insolvenzgericht.“

 Noch vor 20 Jahren hätten redliche Kaufleute dies rechtzeitig getan. Gloede: „Da waren die Verfahren dann auch massehaltiger, das Geld wurde unter den Gläubigern verteilt.“ Es müsse auch Geld in der Masse sein, um die Kosten des Verfahrens zu decken. „Die Insolvenz muss sich selbst finanzieren“, erklärt Rechtspflegerin Maren Burkhart.

 Allein von Januar bis Anfang August 2015 sind 16 Eröffnungen mangels Masse abgewiesen worden. Insgesamt haben in diesem Zeitraum 71 Schaumburger Unternehmen unterschiedlicher Größe Insolvenz angemeldet, 43 Verfahren wurden eröffnet. Im gesamten Jahr 2014 waren es 127 Anträge. Das sind 15 weniger als 2013 – und sogar 37 weniger als 2012.

 Auf einem gleichbleibend hohen Level von etwa 350 bis 360 Verfahren jährlich bewegen sich die Verbraucherinsolvenzen von Privatleuten. Im vergangenen Jahr gab es 373 Anträge (bei 366 Eröffnungen). Von Januar bis Anfang August 2015 waren es 201.

 Einige Tausend Euro Schulden können bereits zu viel sein. „Für Hartz-IV-Empfänger sind 3000 oder 4000 Euro eine Menge Geld“, gibt Rechtspfleger Struckmann zu bedenken. Unter den insolventen Privatleuten sind viele sehr junge Menschen und Verbindlichkeiten in vierstelliger Höhe keine Seltenheit - zum Beispiel bei Mobilfunkanbietern.

 Auch Altersarmut von Schaumburgern, die mit ihrer Rente nicht hinkommen, dürfte das Insolvenzgericht in Zukunft vermehrt beschäftigen. Dies, so Struckmann, sei zwar noch kein Trend, zeichne sich aber bereits ab.

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