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Jahrelang schikaniert von der Stasi

Buchvorstellung in Bückeburg Jahrelang schikaniert von der Stasi

Wenn Cornelia Zoels bezogen auf ihre Jugend abfällig von den „Hunden“ spricht, dann meint sie nicht etwa die auf vier Pfoten freundlich schwanzwedelnd daherkommenden, redensartlich besten Freunde des Menschen. Sondern sie meint die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, in der sie seinerzeit mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern gelebt hat.

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In der Hofbuchhandlung Frommhold präsentierte Cornelia Zoels ihre Autobiografie „Hinter der bunten Mauer“. wk

Bückeburg. Von der „Stasi“ wurde ihre Familie nämlich jahrelang überwacht und schikaniert, weil ihre mit den Lebensverhältnissen in dem Arbeiter- und Bauernstaat nicht einverstandenen Eltern einen Antrag auf Ausreise in den Westen gestellt hatten. Die Drangsalierungen gingen dabei so weit, dass ihre Eltern im Jahr 1980 eben wegen deren Auswanderungsbestrebungen als Staatsfeinde ins Gefängnis mussten, während sie selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren in ein Kinderheim gesteckt wurde.

Über diese Erfahrung, die Vorgeschichte und das, was sie nach der Wende erlebt hat, berichtet Zoels in ihrem autobiografischen Buch „Hinter der bunten Mauer“, das sie im Rahmen einer Lesung in der Hofbuchhandlung Frommhold vorgestellt hat. Verpackt in kleine Episoden, die einen immer wieder Schmunzeln ließen, obwohl die Umstände doch alles andere als zum Lachen waren.

 So erzählte die heutige Wahl-Obernkirchenerin, dass die Pubertät natürlich auch vor Ostteenies nicht haltgemacht hatte. Das habe zur Folge gehabt, dass sie es sich als Schülerin nicht nehmen ließ, ihre Lehrer regelmäßig auf irgendeine Art und Weise zu provozieren. Dadurch sei den Lehrkräften wiederum schnell klar geworden, dass sie von ihren Eltern „nicht sozialistisch erzogen“ wurde. Beispielsweise hatte sie im Unterricht als Reaktion auf eine seitens ihres Lehrers gerittene verbale Attacke gegen den DDR-Klassenfeind USA und dessen Textilindustrie nüchtern auf eine seinerzeit im Westfernsehen über die Mattscheibe geflimmerte ZDF-Sendung „Auslandsjournal“ verwiesen, in der kritisch über jene Arbeitsbedingungen berichtet worden sei, unter denen die DDR Jeanshosen in Asien habe produzieren lassen.

 Den schulischen Wehrdienst-Unterricht indes habe sie „boykottiert“, indem sie auf die Frage eines Lehrers, was sie denn tun würde, wenn sie ihre Eltern bei dem Versuch erwischen würde, die DDR zu verlassen, antwortete, dass sie ihre Eltern dann erschießen würde. „Warum?“, wollte der Pädagoge wissen, worauf hin sie dann erwidert habe: „Na, weil sie mich nicht mitgenommen haben!“

 Spitzer Humor, der Eindruck drängte sich schnell auf, war offenbar auch bei ihr eine gern genutzte Form des persönlichen Widerstandes gegen den Unterdrückungsstaat. Und auch ein Weg damit klarzukommen, dass sie ihren Wunschberuf Lehrerin in der DDR nicht ergreifen und im Handballsport keine Karriere machen durfte und dass sie auch sonst mit allerlei Hemmnissen leben musste.

 Ihre jahrelang inhaftierten Eltern, die 1986 schließlich von der Bundesrepublik Deutschland „freigekauft“ wurden und daraufhin endlich gemeinsam mit ihrem jüngeren (behinderten) Bruder in den Westen ausreisen durften, hatte sie übrigens erst nach rund 20 Jahren – also nach dem Mauerfall – wiedergesehen, verriet Zoels, die ihre spannende Lesung erst nach einer von einem Zuhörer geforderten Zugabe beendete. wk

Fakten

 Das von Cornelia Zoels geschriebene Buch „Hinter der bunten Mauer“ (ISBN: 978-3-9816026-4-7) ist im Mönchengladbacher BlueStar Verlag erschienen und kostet 11,99 Euro. Erhältlich ist es unter anderem in der in der Hofbuchhandlung Frommhold in Bückeburg.

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