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„Jeder kommt ein Stück weit verändert zurück“

Vortrag zur Bundeswehr „Jeder kommt ein Stück weit verändert zurück“

Mit einem nachdrücklichen Plädoyer für eine ernsthaft geführte sicherheitspolitische Debatte und für eine umfassende internationale Zusammenarbeit hat Julia Weigelt den Beifall der Besucher einer Veranstaltung in der Achumer Schäfer-Kaserne gefunden.

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Journalistin Julia Weigelt referiert in der Schäfer-Kaserne.

Bückeburg. „Wir müssen mehr als bisher dafür tun, dass diese Themen verständlicher rübergebracht werden“, betonte die Journalistin.

 Weigelt referierte auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) über „Bewusstseinsänderung Bundeswehr – wie die Einsatzrealität die Armee verändert“. In der Bevölkerung müsse ein stärkeres Gefühl für die Relevanz dieses Themas entwickelt werden. Das betreffe die größten Teile der Bürger zwar nur mittelbar, „aber wenn etwas schief läuft, merkt man es sofort“, führte die Referentin aus. Was beispielsweise ein Blick auf die Zahl der Asylsuchenden belege: „Wir haben so viele Flüchtlinge wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg.“

 Dass der Problematik nur auf internationaler Ebene begegnet werden könne, stehe ihrer Meinung nach außer Frage. „Als Deutschland allein schaffen wir das absolut nicht und auch nicht als EU“, legte Weigelt dar. Trotz aller Schwierigkeiten, angesichts derer man mitunter die Geduld verlieren könne, bleibe die vernetzte internationale Zusammenarbeit essenziell. So wie bisher könne es nicht weitergehen. „Wir haben eine Finanz- und eine Wirtschaftskrise und weniger Geld, aber die Probleme steigen exponentiell.“

 Hinsichtlich der unter den Soldaten zu konstatierenden Bewusstseinsänderungen ließ die Fachjournalistin, die in Hamburg Mitglied des Büros „Sicherlich“ ist, vier zuvor interviewte Bundeswehr-Angehörige zu Wort kommen – einen 1973 in die Bundeswehr eingetretenen Generalmajor, einen Oberstleutnant (Eintritt 1981), einen Hauptmann (Eintritt 1997) und einen in der zivil-militärischen Zusammenarbeit engagierten Kapitänleutnant der Reserve.

 In den Äußerungen der allesamt über Einsatzerfahrung in Krisen- und Kriegsgebieten verfügenden Soldaten kam vor allen Dingen die hohe psychische Belastung zum Ausdruck. „Jeder kommt ein Stück weit verändert zurück. Ich finde auch zwei Jahre nach dem Einsatz keinen geregelten Schlafrhythmus“, gab etwa der Hauptmann zu Protokoll. Die Verantwortung der Vorgesetzten sei enorm gestiegen. „In Afghanistan herrscht rund um die Uhr eine harte Anspannung, das Umgehen mit der ständigen Einsatzbereitschaft ist nicht einfach“, so Weigelt. Zudem gebe es so gut wie keine Privatsphäre.

 Der aus dem Krieg zurückgekehrte Hauptmann führte die mehr als 100 Gäste zudem auf die Spur eines zwischen unterschiedlich eingesetzten Soldaten aufkeimenden Konflikts. „In der einen Welt sitzen die Lagersoldaten geschützt hinter hohen Mauern, in der anderen bewegen sich die Frauen und Männer der Kampfkompanie durch die feindliche Umgebung“, erläuterte die Referentin. Die Kluft sei auch vom Wehrbeauftragten bemerkt worden, der den Zusammenhalt ganzer Einsatzkontingente gefährdet gesehen habe.

 Weigelt plädierte – auch in Anbetracht von 104 toten deutschen Soldaten seit 1992 (davon 22 Selbstmorde) – für mehr Ehrlichkeit der Bundeswehrführung und der Politik. Darüber hinaus komme der Ethik und der Inneren Führung eine stets wachsende Bedeutung zu. Viele Untergebene trauten sich nicht, Kritik zu äußern, Meldungen nähmen auf dem Weg von unten nach oben immer rosigere Züge an.

 „Viele Frauen und Männer“, merkte ein aus Afghanistan zurückgekehrter Diskussionsteilnehmer an, „gehen jung und euphorisch in den Einsatz, dann findet ein Reifeprozess statt, und man kommt erwachsen zurück.“ Der eine sei ruhiger, der andere komme mehr aus sich heraus. „Aber keiner kommt so zurück, wie er in den Einsatz hineingegangen ist.“ bus

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