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Justizhauptwachtmeister feiert Dienstjubiläum

40 Jahre im Amt Justizhauptwachtmeister feiert Dienstjubiläum

Wer seit 40 Jahren bei der Justiz ist, hat viel erlebt. Rüdiger Grote (60) aus Evesen, erster Justizhauptwachtmeister in Bückeburg, konnte dieses Dienstjubiläum jetzt feiern.

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Die Telefonstimme der Justiz: Rüdiger Grote nimmt im Service-Point am Eingang Anrufe entgegen.

Quelle: ly

Von Stefan Lyrath Bückeburg. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Fall aus einem Rintelner Ortsteil: Im Jahr 2007 verurteilte das Bückeburger Schwurgericht einen Familienvater (damals 54), der seine Frau mit 22 Axthieben erschlagen hatte, zu 14 Jahren Haft wegen Totschlags. Zwei Kinder des Paares waren aus einem Nebenraum zu Augenzeugen der Schläge geworden. Am nächsten Tag musste die Tochter (11) ihrem Vater helfen, den Leichnam in ein Wäldchen zu schleifen, der Sohn (7) Laub und Zweige sammeln. Vor Gericht erklärte der Täter, er fühle sich „nicht nur als Verbrecher, sondern als Erbsünder“.

 Was ist das für ein Mann, der so etwas tut? Grote hatte den Angeklagten damals zur Verhandlung vorgeführt. Sein Eindruck von dem Mann: „Ganz ruhig und friedlich.“ Ähnlich erging es ihm vor Jahrzehnten, als er beim Landgericht in Hannover war, mit einem Anwalt, der seiner Frau die Kehle durchgeschnitten hatte. Nach außen ihn habe der Angeklagte „nett und höflich“ gewirkt.

 Grote schließt daraus, dass theoretisch jeder zum Mörder werden kann. „Der Mensch ist sehr emotionsvoll“, erklärt er. „Jeder hat zwei Seiten. Es steht keinem vor den Kopf geschrieben. Man kann leicht einer Fehleinschätzung unterliegen.“

 Im Lauf seines Berufslebens hat Grote mit vielen Schwerverbrechern zu tun gehabt, zum Beispiel beim Zellendienst in Hannover. Passiert ist ihm nie etwas, nicht einmal Drohungen. „Vielleicht habe ich immer ein bisschen Glück gehabt“, sagt der Beamte. Grote war allerdings auch vorsichtig und ist „immer auf Abstand“ geblieben. Hinzu kommt: „Angeklagte habe ich stets mit Respekt und als unschuldig behandelt.“ In Deutschland gilt die Unschuldsvermutung, solange die Schuld eines Delinquenten nicht nachgewiesen ist.

 Einmal, es war um das Jahr 1980 in Hannover, entstanden im Prozess um eine Großfamilie Tumulte, in die auch Grote geriet, ohne jedoch körperliche Blessuren davonzutragen. Angst hatte er trotzdem nie. „Dann hätte ich den Job nicht machen dürfen.“

 Angeklagte führt Grote nicht mehr vor, seitdem er bei zwei Unfällen 2010 und 2011 Verletzungen erlitten hat. Seitdem ist der 60-Jährige vom Sicherheitsdienst ausgeschlossen. Das Verletzungsrisiko wäre zu groß. Besuchern der Justiz ist der Beamte aus dem Service-Point am Eingang bekannt, wo er auch Telefondienst macht.

 Seine Ausbildung zum Justizassistenten hatte Rüdiger Grote 1974 begonnen. Das wären bis heute 41 Jahre, nicht 40. „Als ich beim Landgericht Hannover war, habe ich mich ein Jahr beurlauben lassen, um in Stadthagen das Fachabitur Wirtschaft nachzumachen“, klärt er auf. Nach zehn Jahren beim Landgericht Hannover war Grote 20 Jahre am Amtsgericht Hameln, bevor er 2005 nach Bückeburg kam, zuständig für Amtsgericht und Landgericht. Grote ist verheiratet und hat einen Sohn (33). In seiner Freizeit spielt er Boule in der Siedlergemeinschaft Röcke und Umgebung, feuert den SV Werder Bremen an, hört gern Pop-Schlager oder geht Gassi mit Border-Collie-Hündin „Beauty“. Und er fährt gern Cabrio. ly

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