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Kampf gegen Schmierereien

Senioren-Union informiert sich über Bahnhofsunterführung Kampf gegen Schmierereien

Über diese Verwechslung schmunzelt Siegfried Wache noch immer: Als er vor einigen Wochen unerwünschte Schmierereien in der Bahnhofunterführung übertünchte, wurde er von einer erzürnten Reisenden „angemacht“, was er denn da wohl tue.

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 Siegfried Wache (Zweiter von rechts) kümmert sich ehrenamtlich um die bunten Bilder in der Bahnhofsunterführung. Dort hat es in letzter Zeit häufiger Schmierereien gegeben

Quelle: kk

Bückeburg. Die Frau war nicht wenig erstaunt, als Wache klarstellte, dass er nicht der Schmutzfink sei, sondern derjenige, der sich ehrenamtlich um Pflege und Erhalt der Kunstwerke in der Unterführung kümmere. Und damit hat er in letzter Zeit immer häufiger zu tun, wie er jetzt Mitgliedern der Senioren-Union (SU) erklärte, die sich bei ihm für sein Engagement bedankten.

 Hintergrund: Die SU hatte sich immer mit dafür eingesetzt, dass der Graffiti-Künstler BeNer1 die öde Unterführung mit seinen großformatigen bunten Bildern zum Thema Mobilität ausgestaltet (wir berichteten). Als sich jetzt Meldungen über Schmierereien an und sogar auf den Bildern häuften, beschloss die Senioren-Union, sich vor Ort über das Problem zu informieren. SU-Vorsitzender Friedel Pörtner nutzte die Gelegenheit, sich bei Wache für dessen Engagement zu bedanken. Dieser schaut mindestens einmal in der Woche in der Unterführung nach dem rechten, bemüht sich, Schmierereien zügig zu beseitigen.

 Das sei jedoch häufiger einfacher gesagt als getan, berichtet Wache dieser Zeitung. Unterschieden werden müsse nämlich zunächst erst einmal zwischen Schmierereien neben und solchen auf den Bildern. Auf den grauen Wänden, auf denen die Bildplatten montiert sind, waren schon häufiger Kritzeleien zu finden. Derzeit weisen vermeintlich politische Parolen auf ein „Massaker an den Kurden“ hin. Solche Verunreinigungen übertüncht Wache, nachdem er die Flächen zuvor grundiert hat. Ärgerlich findet er nur, dass die Bahn ihm dafür nur alte, zähflüssige Farbe und einen eingetrockneten Pinsel zur Verfügung gestellt habe.

 Doch etwas diffiziler wird es, wenn die Bilder selbst betroffen sind. Derzeit sind einige schwarze Striche und die kleine Parole „No.Nazis“ draufgemalt. Die Kunstwerke sind mit einer speziellen Beschichtung versehen, die es ermöglichen soll, solche Schmierereien rückstandfrei wieder zu entfernen. Soweit die Theorie. Ein Versuch vor Ort zeigt: Der Teufel steckt im Detail. Tatsächlich kann Wache die Striche problemlos wieder abwischen, nachdem er sie mit einer Speziallösung vorbehandelt hat. Weniger Erfolg hat er bei der Anti-Nazi-Parole. Diese widersetzt sich standhaft allen Reinigungsversuchen. „Ein ganz spezieller Stift“, diagnostiziert der Ehrenamtliche enttäuscht. Die Parole fällt übrigens auf den ersten Blick kaum auf, könnte fast für ein Detail des Bildes gehalten werden. Um sicherzugehen, was Kunst und was Schmiererei ist, hat Wache vorsichtshalber Fotos der Originalbilder dabei.

 Eigentlich war gehofft worden, dass die Bilder in dem öffentlichen Durchgang von Zerstörungswut verschont bleiben. Zumindest unter Graffiti-Künstler gibt es so etwas wie einen Ehrenkodex: Kein Künstler verunstaltet das Werk eines anderen. In der Tat ist das bisher auch noch nicht passiert: weder am Bahnhof noch an der Parkpalette oder am Durchgang zum Dr.-Witte-Platz, wo ebenfalls Bilder von BeNer1 öde graue Wände verschönern. Es wird nämlich eher davon ausgegangen, dass am Bahnhof keine Sprayer am Werk waren, sondern politische Aktivisten oder schlicht angetrunkene Schmierfinken – so jedenfalls der Eindruck der SU-Mitglieder.

 Gerade die politischen Extremisten von rechts und links haben übrigens noch andere Tricks auf Lager: Sie arbeiten gerne mit sogenannten „Spuckis“, kleinen Aufklebern, die mit ihren Parolen bedruckt sind. Auch solche hat Wache schon von den Kunstwerken entfernt. Ohne größere Probleme übrigens, doch auch mit einer bösen Überraschung: Mit dem Kleber der „Spuckis“ löst sich auch der Schutzlack – die Bilder sind an diesen Stellen nun besonders anfällig gegen Verschmutzung. kk 

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