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Katzen-Elend am Hasengarten

Bückeburg Katzen-Elend am Hasengarten

Noch vor wenigen Monaten schien die Welt für den Tierschutzverein Bückeburg-Rinteln und Umgebung halbwegs in Ordnung. Nun hat sich die Situation derart zugespitzt, dass vielen Katzen sogar der Tod droht.

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Katze Mirabelle gehört zu den jüngst ins Tierheim gekommenen ausgewachsenen Fundtieren.

Quelle: jp

Bückeburg. Seit Jahresbeginn wurden fast 150 Katzen erfolgreich vermittelt – so viele, dass verglichen mit der Überbelegung früherer Jahre in einigen Bereichen des Tierheims am Hasengarten geradezu gähnende Leere herrschte. Und mit der Einigung mit den Vertragskommunen auf den erhöhten Betriebskostenzuschuss von 80 Cent pro Jahr und Einwohner schien die wichtigste Hürde zur Konsolidierung der desolaten Finanzlage genommen.

Dass diese zeitweilig so hoffnungsvolle Situation jetzt zu Beginn der Herbst- und Wintersaison wieder ins Gegenteil zu kippen droht, ist auf eine Entwicklung zurückzuführen, wie sie der Tierschutzverein in dieser Form noch nicht erlebt hat: „Statt wie sonst im Spätsommer mit Katzenbabys, werden wir seit einigen Wochen förmlich überschwemmt mit erwachsenen, zum Teil schon älteren Katzen“, beschreibt die Vereinsvorsitzende Monika Hachmeister die Situation.

Das Besondere daran: Ein Großteil von ihnen ist entweder krank oder – was mittlerweile sogar noch häufiger vorkomme – verletzt und bedarf aufwendiger tiermedizinischer Behandlung. Das lasse die Ausgaben des Tierschutzvereins wieder in völlig unkalkulierbare Höhen schießen. Nach der vorübergehenden Konsolidierung sind es derzeit wieder fast einhundert Katzen, die im Bückeburger Tierheim untergebracht sind – Tendenz ständig steigend.

„Allein vorigen Sonnabend kamen an einem Tag acht Tiere“, sagt Hachmeister. Allesamt Fundtiere aus dem Bereich der Vertragskommunen. Für die ist der Tierschutzverein zuständig. Abgabetiere werden bekanntermaßen schon seit mehr als einem Jahr aus Kostengründen nicht mehr aufgenommen.

Das lässt bei der Vorsitzenden des Tierschutzvereins nicht erst jetzt einen Verdacht aufkeimen: „Bei sehr vielen dieser angeblichen Fundkatzen haben wir das ganz starke Gefühl, dass sich in Wirklichkeit die eigenen Besitzer ihres Tieres entledigen wollen. Nur beweisen Sie das Mal jemanden, der ins Tierheim kommt und behauptet, die Katze irgendwo gefunden zu haben.“

Und wer nicht genug Mumm hat, im Tierheim über die tatsächliche Herkunft des angeblichen Fundtieres dreist zu lügen, der findet auch andere Wege: „Erst vor wenigen Tagen wurde eine Katze einfach bei uns vor dem Tor ausgesetzt.“

Angefangen habe diese Entwicklung bereits im Juni mit dem spektakulären Fall des herrenlosen Katers Bob, der wie berichtet in Steinbergen schwer verletzt durch einen Schuss mit einer Schrotladung aufgefunden wurde und nur durch eine aufwendige Operation gerettet werden konnte.

Auch Kater Karlchen ist ein solcher Fall. Er leidet aufgrund eines Unfalls an einer Hüftluxation. Allein die Operation würde mit mindestens 300 bis 400 Euro zu Buche schlagen. Monika Hachmeister: „Dieses Geld haben wir einfach nicht.“

Kater Olli leidet seit einem Unfall an einem gebrochenen Bein, Kater Kiro an einem angebrochenen Knie, Kater Rudolf an einem Knick der Luftröhre.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. „Bislang mussten wir noch nie ein Tier aus Kostengründen sterben lassen“, betont Hachmeister. „Aber in der jetzigen Situation können wir das nicht mehr länger garantieren. Solch hohe Tierarztkosten können wir auf Dauer unmöglich stemmen.“

Verschärft werde die Situation dadurch, dass sich all diese Katzen, aufgrund ihres Alters und ihrer Erkrankungen, deutlich schwerer vermitteln lassen als Jungschnurrer und daher der Kasse des Tierschutzvereins mit ihrer deutlich längeren Unterbringung viel stärker zur Last fallen. Als maßgeblich erachtet Hachmeister nach wie vor die Kastrationspflicht für freilaufende Katzen. Die gilt mittlerweile in vier Vertragskommunen, nur – es hält sich niemand daran.

„Jedes Mal, wenn wir Katzenbesitzer darauf ansprechen, fallen die aus allen Wolken und erklären uns, noch nie davon gehört zu haben.“ Statt um immer neue Spenden und höhere kommunale Zuschüsse zu sich die Vorsitzende des Tierschutzvereins daher viel mehr endlich eine echte und nachhaltige Veränderung in der Bevölkerung beim Umgang mit Tieren, insbesondere hinsichtlich ihrer Versorgung und der dringend erforderlichen Kastration – damit all dies schreckliche Katzenelend und die daraus resultierenden Kosten für den Tierschutzverein gar nicht erst entstehen. jp

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