Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -4 ° Sprühregen

Navigation:
„Kein Trikotwechsel“

Neuer Name für Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg „Kein Trikotwechsel“

Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg: 55 Jahren ist das der Name der Schule gewesen, in der alle Heeresflieger das Fliegen gelernt haben. Am 1. Juli ist dieser Name Geschichte. Dann wird die Schule im Zuge der Bundeswehr-Strukturreform umbenannt: in Internationales Hubschrauberausbildungszentrum.

Voriger Artikel
Zug um Zug zum Sieg
Nächster Artikel
Warum ist Vater schon im Garten?

Oberst Uwe Klein: Ab dem 1. Juli wird er Kommandeur des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums sein.

Quelle: tol

Bückeburg. „Kein Trikotwechsel“, betont der Noch-Waffenschul-Kommandeur und General der Heeresflieger, Oberst Uwe Klein, aber: „Wir treten in eine neue Phase ein. Die Umbenennung ist eine Neuaufstellung, ein altes Team mit einer neuen Philosophie und Ausrichtung.“

 In den vergangenen Monaten und Jahren ist intern bereits einiges verändert und umgestrickt worden, was im Zuge der Bundeswehrreform beschlossen worden ist. Von einst mehr als 1600 Soldaten ist das militärische Personal auf etwa 1150 Dienststellen zurückgefahren worden, von den zivilen Mitarbeitern sind in den beiden Kasernen noch rund 350 geblieben. Der Transporthubschrauber CH-53 – „unser Arbeitspferd“ – wurde zur Luftwaffe transferiert. Die Gesamtzahl der Soldaten der Heeresfliegertruppe wurde und wird von zirka 10500 auf 3500 Soldaten reduziert, komplette Standorte wie Rheine oder Roth werden geschlossen, an anderen Standorten Staffeln aufgelöst. Insofern ist Bückeburg mit der Schäferkaserne in Achum und der Jägerkaserne in der Innenstadt glimpflich davon gekommen, auch wenn die Jägerkaserne 2019 geschlossen wird, sobald in Achum die Infrastruktur gebaut worden ist, um die Lehrgruppe B verlegen zu können.

 Insgesamt bezeichnete Oberst Klein die Reform und die Überführung in das Internationale Ausbildungszentrum als gut: Fliegerische und technische Ausbildung und Schulung seien jetzt an einem Standort und in der Hand des Ausbildungszentrums vereint. „Die beiden großen Säulen Flug und Technik sind in einem Haus. So muss es sein. Das ist Optimierung.“

 Die nötigen Anpassungen und Umsetzungen seien auf allen Ebenen und mit allen Beteiligten besprochen worden. Wo immer es möglich gewesen sei, sei das Personal behalten worden: „Das sind qualifizierte Leute, und die brauchen wir auch.“ Es sei darauf geachtet worden, gewachsene Einheiten nicht auseinanderzureißen, auch wenn kleinere Veränderungen und Anpassungen notwendig gewesen seien. Die Zukunft werde zeigen, ob alles passt und wo noch Veränderungen notwendig sind.

 Außer dem nach außen sichtbaren Transfer der CH-53 mit einem betroffenen Personal von rund 150 Soldaten und zivilen Mitarbeitern ist vor allem intern umstrukturiert worden. Einige Beispiele: Die Luftfahrzeugtechnische Abteilung wird bis zum Jahresende aufgelöst. Was übrig bleibt, ist eine Staffel, die für den NH90 zuständig ist, von dem derzeit – laut Handbuch – 19 in Bückeburg stationiert sind, 15 sind es in der Realität. Die Betreuung, Wartung, Instandhaltung und Bereitstellung des Schulungshubschraubers EC-135 liegt ohnehin seit Jahren in der privaten Hand von Airbus Helicopters, deren Vertrag erst kürzlich für weitere sieben Jahre verlängert worden ist. Vergrößert wurde und wird der Unterstützungsbereich für das Betreiben des Flugplatzes, das sogenannte „Hausmeisterbataillon“, aber auch die Flugbetriebsstaffel. In Celle wird die Lehrgruppe C aufgelöst und in das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit überführt, nicht mehr unter der Regie der Heeresflieger. Eine deutliche Stärkung erfährt Bückeburg dadurch, dass von der Luftwaffe die Luftfahrttechnische Ausbildung aus Faßberg übernommen wird. „Technik- und Pilotenausbildung für den NH90 und den Kampfhubschrauber Tiger sind unter einem Dach“, freut sich Klein. Alles getreu der neuen Philosophie: „Grundschulung, keine Schulung auf Waffensystemen.“

 In den vergangenen zehn Jahren hatte die Heeresfliegerwaffenschule ihr weltweit einzigartiges Schulungskonzept entwickelt und umgesetzt. Inzwischen ist Achum ein Hightech-Zentrum. Zur Infrastruktur gehören 14 Full-Flight-Mission-Simulatoren: acht für den Schulungshubschrauber EC-135, vier für die CH-53, die nicht verlegt werden, und zwei für den NH90. Dort lernen die Flugschüler im integrierten Ausbildungskonzept das Fliegen, bevor sie in die Luft gehen, 60 Prozent der Flugstunden werden im Simulator geflogen. „Umweltschonend, belastbar und seit einem Jahrzehnt erprobt“, wie es der Kommandeur umriss, eine Verknüpfung von Theorie, computergestütztem Lernen, Simulator und Realflug bis zum „Combat-ready-Level“. „Das Modernste in Europa, wenn nicht weltweit, was in der Hubschrauberausbildung zu finden ist.“ So modern, dass die Simulatoren in Le Luc, dem deutsch-französischen Tiger-Ausbildungszentrum, in Celle und Bückeburg so miteinander vernetzt werden können, dass an drei unterschiedlichen Standorten in einem Schwarm geflogen werden kann und Einsatzsituationen trainiert werden.

 Aus diesem „High-Level“ zieht der Kommandeur den Optimismus, dass sich Bückeburg tatsächlich zum Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum entwickeln wird. Wenn es das nicht schon ist. Denn außer der Hubschraubergrundausbildung für Luftwaffe und Marine gibt es bereits seit Jahren zwei schwedische Hörsäle. Länder wie die Niederlande, Österreich, Italien, Spanien, Australien, Neuseeland und Norwegen bildeten oder bilden in Bückeburg aus. Erst kürzlich wurde für das belgische Heer auf NH90 geschult. Im März waren 45 Militärattachés in Bückeburg, um sich von der Hubschrauberausbildung der europäischen Spitzenklasse zu überzeugen. Auch Militärfachleute aus Israel und dem Oman schauten vorbei. rc

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg