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Kein Widerstandskämpfer?

Zum Gedenken an Kurt Freiherr von Plettenberg Kein Widerstandskämpfer?

Zum Gedenken an Kurt Freiherr von Plettenberg legt die Stadt jedes Jahr am 20. Juli einen Kranz an der Hofapotheke nieder – dem Geburtshaus des ehemaligen Widerstandskämpfers.

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Kurt Freiherr von Plettenberg

Quelle: pr

BÜCKEBURG. Dem Bückeburger Hobby-Historiker Hans Ulrich G. ist das ein Dorn im Auge. Er bestreitet nicht nur die geschichtliche Rolle von Plettenbergs (1891-1945), sondern versucht gleich auch noch, die Stadt vor Gericht zu zerren.

Während namhafte Historiker keinen Zweifel daran haben, dass der ehemalige Hofkammerpräsident des Fürstenhauses dem militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler angehörte, hält Hans Ulrich G. vehement dagegen. Seine eigenen Recherchen hätten ergeben, dass das Unsinn sei, lässt er seit geraumer Zeit – bevorzugt via E-Mail – wissen. Wer die Erkenntnisse und Ansichten des streitbaren Hobby-Historikers nicht teilen mag oder gar anzweifelt, muss mit harschen, mitunter sogar persönlichen Attacken rechnen.

Einem rigorosen Belehrungsversuch sieht sich nun auch die Stadt Bückeburg ausgesetzt. Die Kommune solle verurteilt werden, „es bei Vermeidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung fälligen Ordnungsgeldes bis zu 50000 Euro zu unterlassen, schriftlich oder wörtlich zu behaupten, dass Kurt Freiherr von Plettenberg Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Opfer des Staatsstreichs vom 20. Juli 1944 war“, heißt es in einer von G. beim Verwaltungsgericht Hannover eingereichten Klageschrift. Außerdem solle der Stadt per Gerichtsentscheid auferlegt werden, die Abgabe des von ihr herausgegebenen Faltblatts „Bückeburg unterm Hakenkreuz“ unverzüglich einzustellen und die darin abgedruckte Behauptung, von Plettenberg sei „Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus gewesen und am 10. März 1945 in Berlin als Opfer des 29. Juli“ verstorben, „durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Kläger und durch erkennbar geeignete öffentliche Verbreitung zu widerrufen“.

Bürgermeister Reiner Brombach will sich dazu unter Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Zumal fraglich ist, ob das Gericht eine solche Klage überhaupt zulässt. Das wäre nur dann der Fall, wenn die Stadt mit ihrem „Gedenk-Verhalten“ Persönlichkeitsrechte von G. verletzt – juristisch indes kaum darzulegen.

In Fachkreisen zeigt man sich mit Blick auf das angestrengte Verfahren amüsiert bis empört. Der Historiker Eberhard Schmidt, Autor der vor zwei Jahren veröffentlichten, umfangreichsten Plettenberg-Biografie, hält gar den Straftatbestand der Verleumdung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener für erfüllt.

Hans Ulrich G. ficht all dies offenkundig nicht an. Im Gegenteil. Schon seit geraumer Zeit meldet er sich beinah täglich mit kritisch-vorwurfsvollen Beiträgen zu Wort – meist zu kommunalpolitischen Themen. Die Inhalte seiner in der Regel an Vertreter von Politik und Medien verschickten Briefe sind durchaus akribisch recherchiert, häufig auch von unbestrittener Sachkenntnis getragen. Gleichwohl ziehen es viele der Adressaten inzwischen vor, nicht mehr auf die Schreiben zu reagieren. ger, r

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