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Bückeburg Stadt Kein langes Quälen
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00:16 19.09.2016
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EVESEN

Wer von den 80 Zuhörern allerdings auf den einen universellen Tipp gehofft hat, ist leer ausgegangen.

 „Ich habe kein Allheilmittel – das gibt es nicht“, stellte Andreas Schnell, Lerncoach des Berliner Vereins LVB Lernen, klar. „Denn jedes Kind ist anders.“ Passend dazu hatte er eine grobe Unterteilung in vier Lerntypen parat, wobei er aber darauf hinwies, dass die Übergänge fließend sind und es Mischformen gibt.

 Dem sogenannten „logisch-abstrakten Lerntyp“ attestierte der Referent schnelle Auffassungsgabe, großen Ehrgeiz und strukturiertes Vorgehen. Folglich habe solch ein Kind keine Probleme, den Stoff zu lernen. Aber: „Wenn Sie so ein Kind quälen wollen, schicken Sie es auf eine Waldorfschule.“

  Demgegenüber sei das „sicherheitsliebende“ Kind still, nach innen gekehrt und ordentlich. Zudem brauche es Strukturen und liebe es, Regeln auswendig zu lernen – wenngleich dieser Typ oft Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung habe.

  Den „emotionalen Lerntyp“ beschrieb Schnell als langsamen Lerner, der Geborgenheit braucht und zu Selbstvorwürfen neigt. Ergo müsse man solch einem Kind viel Lob zukommen lassen, um es zu motivieren. Dezente Hintergrundmusik könne beim häuslichen Lernen einen positiven Effekt auf die Konzentrationsfähigkeit haben.

 Als vierte Kategorie nannte der Lerncoach das „kreativ-chaotische“ Kind: phantasievoll, oberflächlich und unordentlich, eine rege mündliche Beteiligung im Unterricht und ein „absoluter Termin-Verpeiler“. Diesen Kindern fällt oft erst am Abend ein, dass sie am nächsten Tag eine Arbeit schreiben. Insbesondere bei kreativ-chaotischen Schülern sei es daher wichtig, dass sie beim Lernen eine Struktur haben, anhand der sie sich den Unterrichtsstoff aneignen – so etwa, indem sie sich viele Notizen machen.

 Generell empfiehlt der Referent: Der Unterrichtsstoff sollte vom Kind laut ausgesprochen, in Reimform oder als Rap-Song aufbereitet werden. Zudem gelte es für die Eltern, stets positiv zu denken und die Stärken der Kinder zu betonen. Denn auf ihre Schwächen würden die Schüler ja schon durch die rot angestrichenen Fehler in den Klassenarbeiten hingewiesen.

 Zu den Lernvorgängen im menschlichen Gehirn erläuterte Schnell, dass drei Speicherorte zu differenzieren sind: das Ultrakurzzeitgedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis. Entscheidend dafür, dass eine Information im Langzeitgedächtnis abgelegt wird, sei deren Relevanz. So wisse sicher jeder Zuhörer im Saal noch genau, wo man am 11. September 2001 gewesen ist, während man diese Aussage für ein x-beliebiges anderes, lange zurückliegende Datum vermutlich nicht treffen könne.

 Üblicherweise ist es laut Schnell allerdings so, dass alles, was nicht wichtig ist, nach zirka 20 Sekunden aus dem Ultrakurzzeitgedächtnis gelöscht wird. „Unser Gehirn arbeitet ökonomisch: Alles, was es nicht braucht, fliegt raus.“ Jedoch dauere es rund 20 Minuten, bis eine relevante Information aus dem Ultrakurzzeitgedächtnis in das Kurzzeitgedächtnis gespeichert wird. Deshalb sollten Kinder nach einer Lerneinheit nicht gleich Computer spielen, da diese Reize das gerade erst Gelernte überdecken würden. Besser sei es dagegen, nach dem Lernen draußen zu spielen oder Sport zu machen.

 Außerdem riet der Lerncoach, Gelerntes regelmäßig zu wiederholen, um das im Gehirn Gespeicherte im Langzeitgedächtnis zu verankern. Aber: „Kein stundenlanges Quälen der Kinder, sondern nur ein paar knackige Minuten konzentrierten Wiederholens“ – anfangs fünf Minuten pro Tag, beispielsweise quizmäßig aufbereitet, später zehn Minuten. wk

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