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Keine Jungen weit und breit

Bückeburg / Mädchentage Keine Jungen weit und breit

Wirklich hoch ist es nicht, etwa 40 Zentimeter hängt das Niedrigseil über dem Boden. Doch wer es betritt, braucht schon ein bisschen Mut, schließlich ist der Stand unsicher, alles wackelt und es ist schwer, die Balance zu wahren. Aber da sind ja noch die anderen: sie helfen. Von allen Seiten strecken sich Arme entgegen, man muss nur zugreifen.

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Beim Klettern geht es für die Mädchen hoch hinaus. © rnk

Bückeberg (rnk). „Es geht um Vertrauen, es geht um Kooperation“, erklärt die Erlebnispädagogin Meike Riedmüller. Hier lerne man, dass man sich in der Gruppe auf andere verlassen kann: Eine ist immer da, die einen auffängt.

Denn Jungen gibt es nicht, schließlich sind Mädchentage. Und nicht nur dies: es sind die Jubiläums-Mädchentage, sie werden zum zehnten Mal angeboten. Daher haben die Betreuer eine Auswahl aus den letzten Jahren getroffen und bieten dieses Mal sechs Workshops an, die entweder den Teilnehmern oder den Betreuern oder eben beiden Gruppen besonders gut gefallen haben.

Klettern etwa, denn am zweiten Tag geht Meike Riedmüller mit ihrem Team in die Luft: Die Bäume müssen erklommen werden. Der Körper geht an Grenzen, die Ängste müssen überwunden werden. Und wieder gibt es Unterstützung, vom Boden aus wird doppelt gesichert. Früher, so erklärt die Erlebnispädagogin, sei man ja selbst auf die Bäume geklettert. das sei heute anders: Heute würden Vorschriften Bäume auf Spielplätzen aus Sicherheitsgründen verbieten, die Folge: weniger Sport, weniger Bewegung, weniger Körpergefühl.

Keine Jungen weit und breit, da könnten sich die Mädchen gut ausprobieren. Und zwar, ohne gleich ausgelacht oder vorgeführt zu werden. Und nicht wenige Mädchen sind bei dieser zweitägigen Aktion das erste Mal über Nacht von Zuhause fort. Dass die Teilnehmerinnen von allen Schaumburger Schulformen kommen, stelle außerdem seinen ganz eigenen Reiz dar.

Denn ein Mädchen zu sein ist gar nicht so einfach in diesen Tagen. Die Betreuer haben in den letzten zehn Jahren durchaus einen Wandel feststellen müssen. „Es ist an mehr Attribute gekoppelt als noch zur Jahrtausendwende“, erklärt Iris Burkhardt-Pawlik vom Landkreis Schaumburg: „Mädchen müssen nett, ausgleichend und ruhig sein, stark und selbstbewusst.“ Das sei aber „nicht realistisch und nicht leistbar“, die Ansprüche, die von ihnen an sich selbst oder von außen angelegt würden, seien viel zu hoch, die Folge sei eine verkürzte Kindheit. Die Mädchentage würden einen Schonraum bieten, auch wenn sie natürlich nur zwei Tage andauern würden: „Aber die Mädchen wissen, dass sie sich hier geben können, wie sie sind.“

Und dürfen sogar den Clown in sich entdecken: Bei Dorit David wird im Workshop Stadthagens nächste Supernase gesucht, natürlich gibt es sofort einen heftigen Zickenkrieg, wer die denn wohl sei. Und als noch ein paar Schuhe im modischen Lila ins Spiel kommen, ist das clownische Chaos schnell perfekt.

In weiteren Workshops wurden Filme gedreht, WenDo kann ausprobiert werden – das ist der Weg der Frauen zu Selbstbehauptung und Selbstverteidigung –, in der Bildhauerei können mit Kreativität und Disziplin schnell Ergebnisse vorgewiesen werden, auch, weil sich der weiche Ytong-Stein unter der Anleitung der Künstlerin Bärbel Kramer vom Atelier „FarbTon“ so wunderbar behauen lässt, oder es wird ein Musical eingeübt: Hier waren die Teilnehmerinnen so begeistert, dass sie weit über das Ende des ersten Workshop-Tages hinaus noch ihre Texte auswendig gelernt haben.

Für die Workshops wurden professionelle Leiter engagiert, aber gute Leute kosten gutes Geld. Ein großer Teil der notwendigen Ausgaben wird daher über Sponsoren abgedeckt, für einige Mädchen ist der Preis von 30 Euro für die Aktionstage trotzdem noch ein hoher finanzieller Brocken. Aber dann, und das war schon immer so in den letzten zehn Jahren, wird hinter den berühmten Kulissen schon mal schnell und unbürokratisch geholfen.

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