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Kerniger Rock und kratzige Stimme

Musik Kerniger Rock und kratzige Stimme

Was sagt der Erhaltungszustand einer recht betagten und augenscheinlich intensiv genutzten E-Gitarre vom Typ Fender Stratocaster über den Gesang des Gitarristen aus? Eigentlich nichts. Im Fall von Thomas Korff stand dessen arg ramponierte Stromgitarre bei der jüngsten Jam-Session im „Känguruh“ allerdings sinnbildlich in gewisser Weise für die reichlich lädierte Stimme, mit der der aus Minden angereiste Musiker seinen Gig in der rappelvollen Szenekneipe bestritt.

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Bei der Jam-Session legt sich Thomas Korff mit seiner Fender Stratocaster mächtig ins Zeug.

Quelle: wk

Bückeburg. Angesichts der starken Erkältung, von der er seit einer Woche geplagt werde, gehöre er an sich zwar ins Bett, „andererseits habe ich den schon vor längerer Zeit geplanten Auftritt im ‚Känguruh‘ aber auch nicht absagen wollen“, erklärte der 53-Jährige. Insofern solle man also ein bisschen nachsichtig mit ihm sein.
Hintergrund des Gigs war, dass Salvatore Di Bella, der als Drummer zu den Stammmusikern der allmonatlichen Jam-Sessions gehört, den gelegentlich mitmischenden Korff dazu animiert hatte, dort mal einige der von dem Gitarrenvirtuosen selbst geschriebenen Songs zum Besten zu geben. Korff dagegen hätte zwar lieber bekannte Stücke wie etwa den Eric Clapton-Klassiker „Crossroads“, das Volkslied „Whisky in the Jar“ der irischen Band „The Dubliners“ und auch noch ein paar zünftige Bluesstücke diverser anderer Interpreten gecovert, doch Di Bella war insbesondere vom Blues-Gedanken gar nicht zu begeistern. Und so kam es, dass Korff , begleitet von Di Bella am Schlagzeug, Martin „Wunz“ Hohmeier am Bass und Jürgen „Joe“ Weidlich am Keyboard, eine Handvoll eigener Rocknummern präsentierte. Alles sehr kernige Arrangements, die stilistisch aber durchaus breit gefächert waren. Das von Korff als Reaktion auf eine von ihm empfundene, große Ungerechtigkeit geschriebene „Twisted in your Brain“ beispielsweise erwies sich als ein enorm druckvolles, treibendes Stück, während er in „Didn’t I say“ nicht nur eine verflossene Liebe verarbeitet, sondern auch funkige Elemente eingebaut hatte. So oder so lebte das Ganze freilich insbesondere durch die strammen Soli des Stromgitarristen, dessen Finger nur so über die Saiten flogen, um ein tonales Feuerwerk zu entfachen.
Die englischsprachigen Texte habe er im Rahmen der jeweils behandelten Themen übrigens eher allgemein gehalten, damit sie interpretierbar bleiben, verriet der Mindener, der mit seinen rockigen Kompositionen sonst für den Großteil des Repertoires seiner eigentlichen Band („Burnin’ Fuel“) verantwortlich zeichnet.
Noch einmal zu Korffs Gesangsstimme: Die war bei der Jam-Session im „Känguruh“ tatsächlich reichlich angeschlagen. Ebenso wie der Lack seiner Stratocaster. „Bitte bewerft mich nicht mit Katzenscheiße“, wandte er sich daher nach Ende seines fünf Songs umfassenden, kleinen Gigs scherzend an das sich in der Kneipe drängende Publikum. Nicht ohne sich auch noch einmal ernsthaft für den einen oder anderen von ihm nicht ganz getroffenen Ton zu entschuldigen.
Letztlich kam es darauf aber gar nicht an, denn das von ihm und seinen drei temporären Mitstreitern gebotene Gesamtpaket stimmte. Wie überhaupt es bei den jeden ersten Montagabend im Monat in der Kneipe über die Bühne gespielten Jam-Sessions primär um den Spaß an handgemachter Livemusik geht: sowohl seitens der in immer wieder wechselnden Besetzungen auf der Bühne agierenden Musiker, als auch seitens des treuen Publikums. Und wenn sich einer trotz starker Erkältung zusammenreißt, seine Gitarre schnappt und mit gereizten Stimmbändern seine eigenen Songs ins Auditorium schmettert, ist allein das schon einen kräftigen Beifall wert. Und wenn es obendrein, wie im Fall der Korff’schen Kompositionen, ungeachtet des gesundheitlichen Problems des Hauptakteurs auch noch gefiel, dann erst recht.

Von Michael Werk

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