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Kippt Gericht das Spectaculum?

Anwohner droht mit Eilantrag Kippt Gericht das Spectaculum?

Wie Veranstalter Gisbert Hiller bekannt gegeben hat, will ein Anwohner der Mausoleumswiese das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) in Bückeburg per Eilantrag gerichtlich unterbinden lassen. Die Politik sowie die Hofkammer haben Hiller bei einem Ortstermin nun Rückendeckung gegeben.

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Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Bückeburg wird jedes Jahr von vielen Tausend Gästen besucht. 

Quelle: jp

BÜCKEBURG. „Ein einzelner Nachbar des Geländes möchte das MPS Bückeburg unbedingt verhindern und verbieten lassen“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite und setzte damit eine Welle in dem sozialen Netzwerk in Gang, die selbst den Aufruhr des „Bückeburger Lärmstreits“ vor einem Jahr bereits nach wenigen Stunden in den Schatten stellte. Mittwochvormittag stand ein Ortstermin an.

Forderung: Keine Musik auf der Mausoleumswiese

Wie Recherchen dieser Zeitung ergaben, hatte sich der Anwohner im Vorfeld mehrmals sowohl an das Ordnungsamt des Landkreises Schaumburg als auch an die Hofkammer als zuständige Vermieterin mit dem Anliegen gewandt, die Beeinträchtigungen der Anlieger des Veranstaltungsgeländes noch weiter als bisher zu reduzieren. Seine Kernforderung lautete dabei, sämtliche Musikdarbietungen auf der Mausoleumswiese zu unterbinden und alle Bühnen ausnahmslos auf der westlich des Mausoleumswäldchens gelegenen Seite des Veranstaltungsgeländes (in Richtung B 83) zu verlagern.

Gegenüber der Hofkammer kündigte er dann am 1. Juni schriftlich an, es bleibe ihm „nichts anderes übrig, als selbst tätig zu werden, also die Veranstaltung gerichtlich zu stoppen“, da man mit den Kernforderungen beim Landkreis nicht durchdringe und sich die Hofkammer als Vermieterin für nicht zuständig erkläre. Ob ein entsprechendes Verfahren inzwischen tatsächlich anhängig ist, ist derzeit jedoch weder beim Landkreis noch bei der Fürstlichen Hofkammer oder der Stadt Bückeburg bekannt.

Appell an Fans und die Politik

Als Reaktion auf die Nachricht Hillers schnellte die Zahl der Unterstützer der vor einem Jahr von dem Bückeburger Uwe Grabsch ins Leben gerufenen Facebook-Gruppe „Pro MPS Bückeburg“ von rund 3500 binnen weniger Stunden auf mehr als 8700 empor. In einem öffentlichen Beitrag, der inzwischen über 57 700-mal gelesen wurde, appellierte die Gruppe an alle Fans und Besucher des Spectaculums, für möglichst viel Öffentlichkeit zu sorgen und den Fall bei Politikern, Behörden und ganz allgemein in der Bevölkerung publik zu machen. Vor allem die Bückeburger Parteien stünden jetzt in der Pflicht, zu ihrem Wort zu stehen, da sie sich ohne Ausnahme kurz vor der Kommunalwahl im September vergangenen Jahres für die Unterstützung des MPS ausgesprochen hatten.

Reaktionen darauf erfolgten bereits von mehreren Seiten. „Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) ist eine tolle Veranstaltung, die wir in Bückeburg auf jeden Fall halten und unterstützen wollen!“, schrieb die CDU Bückeburg auf ihrer Facebook-Seite. „Die CDU Bückeburg und der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Axel Wohlgemuth, haben sich recht schnell und aktiv dafür eingesetzt, dass das Spectaculum stattfinden kann“, hieß es in einer Mitteilung von CDU-Pressesprecher Michael Aldick.

Runder Tisch zur Klärung der Probleme

„Wir bleiben am Ball und unterstützen mit allen politischen Möglichkeiten das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“, so die Stellungnahme der Bückeburger Sozialdemokraten.
Ratsherr Andreas Paul Schöniger von WIR für Bückeburg erneuerte in einer Pressemitteilung die von seiner Gruppe erhobene Forderung nach einem runden Tisch mit Veranstalter, Anwohnern und Fans des Spectaculums. Den hatte WIR im Juli 2016 bei Stadt und Landkreis beantragt, um den sich bereits damals abzeichnenden Rechtsstreit zu verhindern: „Aussitzen kann nicht das Ziel, der Dialog könnte eine Lösung sein.“

Bei einem Ortstermin auf der Mausoleumswiese mit dem Veranstalter, den Ordnungsämtern des Landkreises und der Stadt Bückeburg, der Fürstlichen Hofkammer sowie Vertretern von Polizei und Feuerwehr zeigten sich alle Beteiligten einig darin, dass Mittelalterlich Phantasie Spectaculum unter Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheits- und Emissionsbestimmungen auf jeden Fall stattfinden zu lassen. „Es geht uns entschieden darum, das MPS auch weiterhin hier zu haben“, erklärte Bürgermeister Reiner Brombach. Die Stadt erhalte inzwischen Zuschriften aus ganz Deutschland, die sich für den Fortbestand der Großveranstaltung einsetzten. Gleichlautend die Ansicht von Hofkammerdirektor Christian Weber, der das MPS als „wichtigen kulturellen und touristischen Faktor“ für Bückeburg betrachtet.

Schallmessungen während der Konzerte

„Auch wir möchten, dass das MPS weiterhin in Bückeburg stattfindet“, erklärte die für die Genehmigung zuständige Kreisdezernentin Andrea Stüdemann. Als sehr positiv nahm sie den Vorschlag von Veranstalter Hiller auf, gemeinsam an ausgewählten Messpunkten während der Musikdarbietungen Schallmessungen vorzunehmen. Genauso waren Veranstalter und Ordnungsämter an den MPS-Spielorten Rastede und Hohenweststedt vorgegangen und hatten belegen können, dass alle Grenzwerte eingehalten wurden.

Auch soll moderne Lautsprechertechnik dafür sorgen, dass der Schall der Musik ausschließlich in den beabsichtigten Publikumsbereich abgestrahlt wird.
Auch beim Sicherheitskonzept gebe es angesichts der politischen Rahmenbedingungen deutliche Veränderungen, kündigte Hiller an. So sei beispielsweise an allen drei Eingangsbereichen des Veranstaltungsgeländes ein unkontrolliertes Einfahren mit Fahrzeugen durch entsprechende technische Vorkehrungen unmöglich gemacht. jp

Mehr Rücksicht gefordert

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte der Anwohner des Veranstaltungsgeländes, mit einer entsprechenden Klageerhebung gedroht zu haben. „Wir mussten einmal schweres Geschütz auffahren, da man um die Probleme immer nur herumgeredet hat“, so der Sprecher der Bürgerinitiative Bückeburg. Zurzeit sei ein solches juristisches Verfahren aber noch nicht in Gang gesetzt, man warte vielmehr zunächst ab, wie sich der Landkreis Schaumburg verhalte und ob in der Genehmigung für das diesjährige MPS die Belange der Anlieger stärker als bisher berücksichtigt würden.

13 Stunden Musik sind den Anliegern zuviel

Im Kern gehe es ihm nicht nur um die Reduzierung der Lautstärke, sondern auch der Spielzeiten der Musik: „13 Stunden am Stück, das ist für uns Anlieger einfach nicht hinnehmbar.“ Zudem ziehe der Rauch der Lagerfeuer auf dem Veranstaltungsgelände in die Zimmer und stelle so eine gesundheitliche Beeinträchtigung dar, die nicht akzeptiert werden könne. „Wir können nicht auf dem Balkon sitzen und die Fenster nicht öffnen.“

Ausdrücklich betonte er, das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum als Ganzes nicht verhindern zu wollen. „Auch wir wollen, dass diese Veranstaltung bleibt, aber es muss endlich auf die Belange von uns Anwohnern mehr Rücksicht genommen werden.“ jp

Nur zwei Tage

Der Egoismus in dieser Gesellschaft und speziell auch in Bückeburg nimmt immer mehr überhand. Warum kann man es nicht zwei (!) Tage im Jahr ertragen, dass einem – zugegeben – laute Musik und dröhnende Trommeln in den Ohren liegen, und warum versucht man damit, Zehntausenden den Spaß zu verderben? Das Wochenende über einen Kurzurlaub machen, wie es der Veranstalter anbietet, Ohropax oder aber einfach mitfeiern, wären Lösungen. So aber soll ein Gericht angerufen werden, dass das Spectaculum komplett verbieten soll. Dabei haben die Mittelalterlichen alle Gesetzesvorschriften und Behördenauflagen eingehalten, wie Lärmmessungen und Kontrollen im vergangenen Jahr ergeben haben. Was will man mehr?

Weniger Egoismus würde allen guttun

Sollte das Spectaculum verboten werden, wäre es ein weiterer Imageschaden für die Stadt. Wieder eine Veranstaltung weniger, wieder weniger Besucher in der Stadt. Und auch viele Bückeburger hätten zu leiden. Denn auch in der Innenstadt hat die Stadt mit der Lärmproblematik zu kämpfen. Konzerte und Events können dort nur noch unter strikter Einhaltung der Auflagen gefeiert werden. Wehe, die Trompete ertönt eine Minute über der Zeit. Einige Partys werden schon gar nicht mehr organisiert. Nur ein Stichwort: Granitball. Diesbezüglich sind ebenfalls alle Bemühungen auf die sonst gar nicht so tauben Ohren gestoßen. Und auch hier gilt: Weniger Egoismus würde allen guttun.

Ein Kommentar von Raimund Cremers

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