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Bückeburg Stadt Kirmestradition in der fünften Generation
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Kirmestradition in der fünften Generation
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00:16 30.10.2013
Rudolf Osthold (59) mit seiner Frau Veronika Osthold und Enkelin Justine Osthold an seinem Champignon-Stand. Quelle: jp
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Bückeburg

Dabei gehören die zahlreichen Buden nicht etwa zu einem einzelnen Familienimperium mit einem gemeinsamen Chef, Oberhaupt oder Inhaber: Vielmehr hat die Familie mittlerweile so viele männliche Mitglieder in dritter, vierter und fünfter Generation, die sich alle selbst mit einem Jahrmarktgeschäft selbstständig gemacht haben, dass der Name inzwischen auf den heimischen Märkten eine derartige Verbreitung hat.

Angefangen hat alles in den vierziger Jahren

 Angefangen hat alles mit Rudolf Osthold, den es während des Zweiten Weltkriegs aus Bonn an die heimischen Wesergestade verschlug und der in den vierziger Jahren mit seinem Kasperletheater auf Jahrmärkten in Minden und Bückeburg auftrat. Sein ältester Sohn, ebenfalls Rudolf mit Vornamen geheißen, tat es ihm nach und erweiterte das Kirmesgeschäft mit einer Schießbude und einem Imbissstand.

 Und vor genau 40 Jahren machte sich sein Enkel Rudolf Osthold (der dritte), damals gerade einmal 19 Jahre jung, mit eigenen Ständen selbstständig, an denen er zunächst gebrannte Mandeln und kandierte Früchte anbot. Vor 24 Jahren kamen dann die gebratenen Champignons hinzu, vor fünf Jahren dann noch einmal zusätzliche Imbissangebote. Doch auch die vierte und fünfte Generation der Ostholds steht an eigenen Ständen bereits ihren Mann: Der älteste Sohn von Rudolf Ostholds III., der 1972 das Licht der Welt erblickte und – welche Überraschung – ebenfalls Rudolf mit Vornamen heißt, verwöhnt die Gaumen der Herbstmarktbesucher schon seit vielen Jahren mit Laugen- und Käsebrezeln sowie Schmalzkuchen. Und Enkelsohn Adriano, 21 Jahre jung, bietet an seinem Stand die wohl klassischste Jahrmarktleckerei an: Zuckerwatte.

 Hinzu kommt eine große Zahl von Cousins in zweiter, dritter und vierter Generation, die mit ihren Ständen auf heimischen Jahrmärkten zu finden sind und alle den Namen Osthold tragen. „Der Name hat in dieser Region einfach einen guten Klang“, freut sich Rudolf Osthold der Dritte. „Das sieht man allein schon daran, wie viele Stammkunden zu uns kommen.“ Dabei seien Großvater Rudolf und die Anfänge der Familie bei vielen Bückeburgern unvergessen. Besonders von vielen älteren Jahrmarktbesuchern werde er beim Lesen des Namens Osthold an seinem Stand heute noch gefragt: „Hatten Sie nicht mal ein Kasperletheater?“

 Mit veritablem Schaudern erinnert sich Rudolf Osthold indes an seine ersten Jahre, als Herbst- und Frühjahrsmarkt noch an der Jetenburger Straße auf dem Gelände residierten, auf dem sich heute der Bauhof der Stadt Bückeburg erhebt: „Das war alles Wiese. Wenn’s da einmal regnete, sind wir mit unseren Ständen und Wagen komplett abgesoffen.“ In den achtziger Jahren fanden die Bückeburger Jahrmärkte dann auf dem Neumarktplatz statt. Als echten Glücksfall wertet Rudolf Osthold den in den Neunzigern erfolgten Umzug vom Unterwallweg in die Fußgängerzone: „Hier sind die Leute viel länger unterwegs. Auf dem Neumarktplatz war abends meistens schon um sieben oder halb acht Schluss. Die Innenstadt ist für eine Veranstaltung wie den Jahrmarkt einfach viel attraktiver.“

Gutes Einvernehmen mit den Marktmeistern

 So manchen geschmacklichen Trend hat der Enkel des Familiengründers in dieser Zeit kommen und gehen sehen: „In den sechziger Jahren hatte man zwei Sorten Mandeln, kandierte Früchte, und das war’s. Sonnenblumenkerne oder Cashewkerne kannte man genauso wenig wie Früchte in Schokolade.“

 Auch mit einem Kinderkarussell stand die Familie Osthold bereits mehrmals auf einem Bückeburger Jahrmarkt, und Rudolf Ostholds gebratene Champignons ließen sich auch schon die Besucher des Weihnachtszaubers auf Schloss Bückeburg schmecken.

 Vier Bückeburger Marktmeister hat er in dieser Zeit schon erlebt, angefangen von Friedrich Schwarze bis zu Natascha Vogt. Mit denen habe es – genauso wie in den Nachbarstädten Rinteln und Stadthagen – stets ein sehr gutes Einvernehmen gegeben, lobt Rudolf Osthold. Auf den heimischen Märkten bevorzugten die jeweils zuständigen Stadtverwaltungen nämlich langjährige Stammbeschicker: „Und das bringt einfach die Stammkundschaft auf die Straße und damit die Leute in die Stadt.“ jp

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