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Bückeburg / Kastrationspflicht

Kommunen wollen das Elend nicht sehen


Seit mehr als zwei Jahren setzt sich der Tierschutzverein Bückeburg-Rinteln für die Einführung einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen ein. Grund ist die nach wie vor enorm hohe und stetig zunehmende Zahl sich unkontrolliert vermehrender Katzen – und das sowohl in freier Wildbahn als auch in privater Hand.

Ungewollt geborenen Katzenkindern drohen häufig Verwahrlosung, Krankheit und elendes Sterben. 

© jp

Bückeburg. Sie führt nach Ansicht nicht nur von Tierschützern, sondern auch von Veterinären, Wissenschaftlern und Jagdexperten zu horrenden Problemen, denen nur durch Einführung des sogenannten „Paderborner Modells“ abgeholfen werden kann. Der Name leitet sich daher ab, dass die nordrhein-westfälische Bischofsstadt eine der Ersten war, die ein derartiges Regelwerk in Kraft setzte.

Während jedoch viele umliegende Städte und Gemeinden eine solche Verordnung bereits realisiert haben, treten die Bemühungen im Zuständigkeitsbereich des Tierschutzvereins Bückeburg-Rinteln bislang auf der Stelle. Eine Kastrationspflicht für Katzen gibt es unter anderem bereits in Barntrup, Blomberg, Bünde, Enger, Herford, Lemgo, Löhne, Spenge, Porta Westfalica und Hildesheim, in Hannover steht eine Einführung bevor. In Bückeburg, Rinteln, Auetal, Obernkirchen und Bad Eilsen überwiegen derzeit jedoch trotz umfangreicher Informations- und Aufklärungsbemühungen seitens der Tierschützer noch Skepsis und Ablehnung.

Für eine verpflichtende Kastration freilaufender Katzen sprechen aus Sicht der Tierschützer sowohl wirtschaftliche als auch medizinische sowie ethisch-moralische Gründe. Wirtschaftliche, weil die rasante Vermehrung herrenloser Katzen in ganz Deutschland zu einer fatalen Überbelegung von Tierheimen führte und viele Tierschutzvereine in eklatante finanzielle Schieflage brachte. Nicht wenige Tierheime mussten in den vergangenen Jahren Konkurs anmelden und schließen, viele andere konnten sich nur durch große Spenden oder Erbschaften über Wasser halten. Medizinische, weil herrenlose und verwahrloste Katzen zu Überträgern von Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Katzen-AIDS oder Katzen-Herpes werden können, die dann wiederum Hauskatzen gefährden. Und ethisch-moralische, weil durch die Nicht-Kastration von Katzen indirekt die Verelendung vieler ungewollter Nachkommen in Kauf genommen wird.

Monika Hachmeister, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Bückeburg-Rinteln: „Laut Tierschutzgesetz darf niemand einem Tier unnötig Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Durch die massenhafte Vermehrung von Katzen nehmen wir Menschen jedoch billigend in Kauf, dass unzählige von ihnen in erbarmungswürdigen Zuständen dahinvegetieren und unter Qualen sterben.“ Dazu kommen die Folgen in der freien Natur: Wildernde Katzen töten Jungvögel und Kleintiere und werden dafür wiederum von Jägern abgeschossen – ein Teufelskreis.

Hachmeister nennt zwei besonders drastische Beispiele aus dem Zuständigkeitsbereich ihres Vereins: So gebe es in einem Bückeburger Ortsteil einen ehemaligen Bauernhof, auf dem regelmäßig Katzenbabys – zum Teil vor den Augen von Kindern – an Krankheit und Hunger verenden. Auf Versuche, den Besitzer von der Notwendigkeit der Katzenkastration zu überzeugen, bekamen die Tierschützer zur Antwort: „Das regelt bei mir die Straße.“ Ähnlich grauenhaft sieht es in einem Haushalt in einem Rintelner Ortsteil aus. Dort wird regelmäßig ungeplant geborenen Katzenwelpen von einem Bekannten des Besitzers das Genick gebrochen. „Ohne eine behördliche Verordnung, die die Halter zur Kastration ihrer Tiere zwingt, haben wir keine Handhabe, gegen derartige Zustände nachhaltig einzuschreiten“, klagt Hachmeister.

Rückendeckung bekommt die Vereinsvorsitzende von einem, der es wissen muss: Professor Hansjoachim Hackbarth, Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, plädiert ebenfalls ausdrücklich für die Einführung einer Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht. „Wenn wir in Deutschland ein Problem mit streunenden Tieren haben, dann sind das Katzen“, äußerte der Universitätsprofessor in einem Interview. Er sieht in deren zunehmender Zahl auch eine Gefahr für Autofahrer. Hackbarth: „Es gibt immer mehr Unfälle, die von über die Straße laufenden Katzen verursacht werden.“

Einer Kastrationspflicht für Katzen zeigt man hingegen im Zuständigkeitsgebiet des Tierschutzvereins Bückeburg-Rinteln (mit Ausnahme von Porta Westfalica) die kalte Schulter. Größter Bremsklotz aus Sicht von Monika Hachmeister ist die Stadt Rinteln, die zugleich jedoch ausgerechnet diejenige mit der höchsten Zahl herrenloser freilaufender Katzen ist. So wurden allein in den zurückliegenden Monaten im Bereich der Weserstadt weit mehr als 100 Katzen eingefangen und kastriert. Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz scheint sich jedoch für Zahlen nicht zu interessieren. Von ihm erhielt Hachmeister am 10. Juni 2011 ein Schreiben mit der wörtlichen Formulierung „. . . sehe ich aus hiesiger Sicht keinen Anhaltspunkt für ein Katzenproblem.“
Möglicherweise wird das Thema demnächst jedoch auf politisch höherer Ebene entschieden. So brachte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) vor wenigen Tagen eine landesweite Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen ins Gespräch.

Eine Initiative, die nicht nur die Bückeburger Tierschützer aufhorchen lässt, sondern auch bei bundesweit tätigen Tierschutzverbänden auf sehr positive Resonanz stieß: „Wir begrüßen den Vorstoß des Landwirtschaftsministers und hoffen, dass sich Niedersachsen zu diesem Schritt entschließen wird“, erklärte Charlotte Köhler von der Tierrechtsorganisation PETA. „Ein allgemeines Kastrationsgebot für alle Freigänger-Katzen ist die einzig zukunftsfähige Lösung, um die Population heimatloser Katzen und ihr Leiden nachhaltig einzudämmen.“ Hachmeister: „Für uns wäre eine solche landesweite Regelung ein Geschenk des Himmels.“

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