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Kontrolle rund um die Uhr unmöglich

Bewährungshelfer können nicht überall gleichzeitig sein Kontrolle rund um die Uhr unmöglich

Obwohl der Täter die Weisung hatte, keinen Kontakt zu Kindern aufzunehmen, wäre der sexuelle Übergriff an den Fischteichen kaum zu verhindern gewesen. Zu diesem Schluss kommt Peter Rohde, Richter am Landgericht Bückeburg und seit 2009 Leiter der Stelle für Führungsaufsicht.

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Seit 2009 Leiter der Stelle für Führungsaufsicht: Peter Rohde, Richter am Landgericht.

Quelle: ly

BÜCKEBURG. Im Mai hatte ein einschlägig vorbestrafter Bückeburger (52), der unter Führungsaufsicht stand, einen Vierjährigen sexuell missbraucht. Zum Glück für den kleinen Jungen blieb es bei kurzen Berührungen (wir berichteten).

Entlassene Straftäter, für die Führungsaufsicht angeordnet wird, bekommen einen Bewährungshelfer und diverse Weisungen. Im Landkreis Schaumburg muss jeder Bewährungshelfer jedoch etwa 70 Probanden betreuen. „Da ist eine Überwachung rund um die Uhr gar nicht möglich“, erklärt Rohde. Abschreckend soll vor allem die Ankündigung wirken, dass bei jedem Verstoß gegen Weisungen sofort Strafantrag gestellt wird. „Und das tue ich auch“, betont der Richter.

Sexualstraftäter werden in drei Kategorien eingestuft, die gefährlichsten gelten als „akut rückfallgefährdet“. Der Bückeburger, der nach mehreren Jahren, in denen Ruhe war, an den Fischteichen rückfällig geworden ist, gehörte zur zweiten Gruppe. Er galt als „latent rückfallgefährdet“. In solchen Fällen statten Bewährungshelfer den jeweiligen Probanden alle zwei Wochen einen Besuch ab, in akuten Fällen wöchentlich. Das vier Jahre alte Opfer war damals mit einer Gruppe von Menschen zum Teich gekommen. Der Vater des Kindes und der Täter kannten sich. Zum Missbrauch war es in einem unbeobachteten Moment auf einem kurzen Spaziergang gekommen. Ein anderes Gericht hatte den Bückeburger bereits 2007 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in insgesamt 16 Fällen zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

„Besserung der Täter, Sicherung der Bevölkerung“

Im Schaumburger Land stehen knapp 50 entlassene Ex-Knackis mit negativer Sozialprognose unter Führungsaufsicht. Das sind alle Straftäter, die mindestens zwei Jahre Haft verbüßt haben. Im Fall von Sexualdelikten liegt die Grenze bereits bei einem Jahr. Normalerweise dauert Führungsaufsicht, die auch für entlassene Patienten aus Psychiatrien und Entziehungsanstalten gelten kann, höchstens fünf Jahre. In vier Schaumburger Fällen ist sie jedoch unbefristet angeordnet worden, weil diese Männer als besonders gefährlich gelten.

„Das Ziel liegt immer darin, die Begehung neuer Straftaten zu verhindern“, erklärt Richter Rohde. Das heißt: „Besserung der Täter, Sicherung der Bevölkerung.“ Zu den Weisungen können auch Platzverweise für bestimmte Orte, Urinkontrollen, Besuche bei Therapeuten, manchmal sogar Berufsverbote gehören. Zum Teil wird polizeiliche Beobachtung angeordnet, doch auch das ist nicht rund um die Uhr möglich. Sieben rückfallgefährdete Sextäter aus dem Landkreis sind im niedersächsischen Programm K.U.R.S, mit dem diese Gruppe verstärkt überwacht wird, unter anderem durch eine umfangreiche Datensammlung.

Freier Zugang zu Pornofilmen und -bildern bieten Rückfallgefahr

Speziell bei Sexualstraftätern sieht Rohde den Hauptgrund für Rückfälle darin, dass Pornofilme und -bilder vor allem im Internet frei zugänglich seien, teilweise auch im Fernsehen – ein Gefährdungspotenzial. Viele litten zudem an Sexsucht. Auch der Täter von den Fischteichen, verurteilt zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten, hatte auf seinem Rechner solche Dateien gespeichert.

„An den Fischteichen ließ dies seine sexuellen Phantasien wieder hochkommen“, glaubt Rohde. Das Dilemma: „Wir bekämpfen die Folgen. Die Wurzel liegt jedoch bei der Mehrzahl aller Täter in diesen Filmen.“ Einem Sexualdelikt gingen in der Regel sexuelle Phantasien voraus. Um diese auszulösen, könnten schon Bilder von halb nackten Frauen reichen, es müssten nicht immer Pornos sein.

Bei Führungsaufsicht können Alkoholiker die Weisung bekommen, Alkohol nicht anzurühren. Sexualtäter erhalten unter anderem die Weisung, sich sexuell nicht zu stimulieren, zum Beispiel durch den Besuch von Bordellen, keine Bücher oder Filme zu besitzen und sich anzuschauen. Wenn Alkoholiker wieder zur Flasche greifen, schaden sie in der Regel nur sich selbst. „Bei Sexsucht“, so Rohde, „sind dagegen Dritte gefährdet – Frauen und Kinder.“ ly

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