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Kreuzgang erinnert an Terror, Brand und Kältetod

Bückeburg / Wanderung Kreuzgang erinnert an Terror, Brand und Kältetod

Rund dreißig Menschen haben am ersten ökumenischen Kreuzweg in Bückeburg teilgenommen. Mitglieder der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien, der Evangelisch-Lutherischen Stadtkirchengemeinde und der Evangelisch-Reformierten Gemeinde versammelten sich zunächst in der Schlosskirche, um von dort zu Fuß unterschiedliche ausgewählte Orte innerhalb der historischen Residenzstadt zu erreichen, Texte zu lesen sowie im Schweigen zu verharren.

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Das Kreuz vorweg, durchschreiten die Teilnehmer das Schlosstor.

Quelle: jp

Bückeburg (jp). Begrüßt wurden die Kreuzgänger in der Schlosskirche vom Evangelisch-Reformierten Pastor Thomas Krage. Weitere Teilnehmer des Kreuzwegs waren der katholische Pfarrgemeinderatsvorsitzende Johannes Kersting und Pastor i. R. Ingo Röder von der Stadtkirchengemeinde.

 „Orte des Leidens“ überschrieb Pastor Krage den Kreuzweg, mit dem bestimmte Orte oder Gebäude in Bückeburg angesteuert werden sollten, an denen das Thema Leiden eine besondere Bedeutung hat. „Das Leiden wird oft an den Rand gedrängt und verschwiegen, und oft fehlen uns Worte, wenn uns Leiden begegnet“, sagte Krage zum Auftakt. Leiden bedeute aber auch, Wege zu gehen. „Wir wollen nicht beim Leiden stehen bleiben, sondern Zeichen der Kraft, des Muts und der Hoffnung bekommen.“ Beendet wurde der Auftakt in der Schlosskirche mit Worten aus dem 69. Psalm der Bibel: „Gott, hilf mir; denn das Wasser gehet mir bis an die Seele. Ich versinke in tiefem Schlamm, da kein Grund ist; ich bin im tiefen Wasser, und die Flut will mich ersäufen.“

 Von der Schlosskirche durchschritten die Kreuzgänger den Marktplatz, vorbei an der Hofapotheke, dem Geburtshaus des Widerstandskämpfers Kurt von Plettenberg, der zum engeren Kreis des Widerstands vom 20. Juli 1944 zählte und der sich 1945 in der Haft selbst den Tod gab, um unter der Folter der Gestapo nicht die Namen anderer Widerstandskämpfer preiszugeben.

 Nächster Halt war dann das Gebäude der ehemaligen Synagoge in der Bahnhofstraße, welches während der Reichspogromnacht am 9. November 1938 in Brand gesteckt worden war, aber nicht völlig zerstört wurde. „Mit dem Brand der Synagoge im Jahr 1938 brannte mehr als nur ein Haus“, meinte Pastor Krage, der das Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wiederum mit einem Psalm-Text beschloss.

 Schweigend legten die Kreuzgänger ihren weiteren Weg bis zum Jetenburger Friedhof zurück. Dort gedachten sie der Opfer des sogenannten Bückeburger Todeszuges, der einen Tag vor Weihnachten 1946 mit über 1500 Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten, darunter viele Frauen, Kinder und alte Menschen, aus Breslau kommend in Bückeburg eintraf. Aufgrund der eisigen Kälte hatten mehr als 70 Menschen die Fahrt nicht überlebt; weitere starben, nachdem sie Bückeburg erreicht hatten. Sie wurden anschließend auf dem Jetenburger Friedhof beigesetzt.

 Letzte Station des Kreuzwegs war die Muckermann-Passage in der Langen Straße, die seit einigen Jahren an den katholischen Publizisten und Widerstandskämpfer Friedrich Muckermann erinnert. Der am 17. August 1883 in Bückeburg geborene Jesuit setzte sich vor allem als Journalist, Schriftsteller, Redner und Verleger zunächst in Deutschland, später in den Niederlanden, Frankreich und in der Schweiz gegen das NS-Regime ein.

 Den Abschluss begingen die Teilnehmer des Kreuzweges dann in der Katholischen Pfarrkirche St. Marien.

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