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„Kriminelle ticken anders“

Prozess gegen Gewalttäter „Kriminelle ticken anders“

Wie gefährlich ist der Einbrecher von Rolfshagen? Fest steht: Gewalt ist dem Mann aus Gelsenkirchen, der eine Rolfshäger Wohnungsinhaberin mit zwei Axthieben auf den Kopf niedergeschlagen haben soll, nicht fremd.

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Rolfshagen/Bückeburg. Peter Rohde, einer von fünf Richtern der 1. Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht, hat am jüngsten Prozesstag ein weiteres Urteil von früher verlesen. Vor zehn Jahren war der Angeklagte in Gelsenkirchen zu 45 Monaten Jugendhaft verurteilt worden, unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung, Nötigung und Freiheitsberaubung. Als 17-Jähriger hatte er dort eine Tankstelle überfallen, 300 Euro erbeutet und die Angestellte gezwungen, mit in seine Wohnung zu kommen. Dort musste sich das Opfer nackt ausziehen. Als die Frau fragte, was der mit einem langen Messer bewaffnete Mann mit ihr vorhabe, antwortete dieser: „Du wirst etwas erleben, was Du so schnell nicht vergisst.“

 In einem unbeobachteten Moment gelang es dem Opfer, aus dem Fenster zu springen. Die Frau war danach fünf Wochen lang krankgeschrieben. Tagsüber konnte sie später wieder in der Tankstelle arbeiten, nachts nie mehr.

 Im April 2007 überfiel der Wiederholungstäter erneut eine Gelsenkirchener Tankstelle und nahm ebenfalls die Angestellte mit. Auf der Flucht drohte er, das Opfer zu erschießen. Im Gefängnis hat der brutale Mann einmal einen anderen Gefangenen verprügelt. Zur Erklärung sagte der Knacki, er habe dem Mithäftling „nur eine Ansage gemacht“.

 Im November 2013 hatte das Landgericht Dortmund Führungsaufsicht angeordnet. Das heißt, der 28-Jährige sollte nach der Haftentlassung besonders überwacht werden, um neue Taten zu verhindern. In einem Beschluss heißt es, der Mann habe „bei schwerwiegenden Überfällen auf Tankstellen ein beachtliches Gewaltpotenzial gezeigt“.

 Alkohol durfte der Arbeitslose (acht Vorstrafen) nach seiner jüngsten Haftentlassung im März 2014 eigentlich nicht trinken. Trotzdem soll er sich vor der Tat in Rolfshagen, passiert gegen 10.55 Uhr, mehrere Dosen Bier genehmigt haben. Als die Polizei den blutverschmierten Mann nach dem Einbruch etwa 500 Meter vom Tatort entfernt auf der Straße festnahm, hatte dieser eine Dose in der Hand.

 In Rolfshagen, wo er zu Besuch bei Bekannten war, hatte der Einbrecher am Vormittag des 7. Mai mit der stumpfen Seite einer Axt zugeschlagen. Im Haus war ihm die Wohnungsinhaberin begegnet, die nur kurz zur Toilette wollte. Nach dem ersten Hieb soll die 37-Jährige angeboten haben, mit dem Fremden zur Bank zu fahren. Bevor er darauf zum zweiten Mal zuschlug, soll der Eindringling gesagt haben: „Du hast mein Gesicht gesehen.“

 Mit Verdacht auf ein offenes Schädel-Hirn-Trauma, der sich jedoch nicht erhärtete, kam das Opfer ins Mindener Klinikum. An den seelischen Folgen des Überfalls leidet sie noch heute.

 In ersten Vernehmungen hatte ein Polizist den Einbrecher gefragt, warum dieser zugeschlagen habe, anstatt einfach wegzulaufen. Antwort: „Ein Krimineller tickt anders als ein Normaler.“

 Ein Gutachter sieht in dem 28-Jährigen eine Gefahr für die Allgemeinheit. Welche Schlüsse die Juristen daraus ziehen, zeigt sich am Freitag. Dann sollen Staatsanwalt André Lüth, Verteidiger Ralf Jordan und Opferanwalt Dietmar Weyland ihre Plädoyers halten.  ly

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