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Bückeburg

Krummes Gebälk erzählt die Geschichte des Waldes

Auf unerwartet großes Interesse ist zum gestrigen Auftakt die dreitägige Historikertagung „Schaumburg im Mittelalter“ gestoßen. Mehr als 100 Zuhörer füllten den Vortragssaal des Staatsarchivs bis auf den buchstäblich allerletzten Platz. Sie erlebten sechs hochrangige Fachleute mit ihren spannenden Vorträgen.

Der Kreuzhof des Stifts Obernkirchen soll umgestaltet werden. Weil dadurch Bodendenkmale knapp unter der Oberfläche in Mitleidenschaft gezogen werden könnten, hat die Kommunalarchäologie Schaumburger Landschaft das Areal untersucht. Das Bild zeigt Rolf Bernd de Groot in einer Grube beim Freilegen von Bodenspuren. In einer solchen Grube wurden auch die Überreste eines Verstorbenen gefunden – ein 40 bis 60 Jahre alter Mann von gehobener Stellung, der etwa im 14. Jahrhundert beigesetzt worden ist. Kommunalarchäologie

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Bückeburg. Die Reihe der Redner eröffnete Prof. Dr. Hansjörg Küster von der Universität Hannover. Der Geologe brachte, wenn man so will, Steine zum Reden. Lebendig und kenntnisreich befasste er sich mit dem Entstehen der Schaumburger Landschaft. Deren Wesensmerkmal brachte er auf einen griffigen, scherzhaft gemeinten Slogan: „Mitteleuropa im Kleinen“. Was Mitteleuropa kennzeichne – Meer und flaches Küstenland im Norden, dann eine breite Mittelgebirgszone und im Süden das Hochgebirge – finde man auch hier: das Steinhuder Meer, das Hügelland und schließlich – als Alpen-Gegenstück – den Hohenstein. Die Lacher im Publikum wichen Erstaunen. Der Hohenstein sei der am nördlichsten gelegene Verbreitungspunkt von Blausgras oder Brillenschötchen – beides typische Alpenpflanzen.
Geprägt worden ist unser Landschaftsbild von Eiszeitgletschern. Die transportierten Steine aus Skandinavien in Massen hierher – Baumaterial in späteren Zeiten. Als das Eis zurückwich, transportierte ein stetig wehender Wind Staub herbei. Dieser lagerte sich an den Nordhängen der Hügel und zwischen diesen ab – fruchtbarer Lössboden.
Küster geht von großen, aber keineswegs dichten Wäldern aus, die fast bis in unsere Tage die Landschaft prägten. Den sagenumwobenen Dülwald stellt er sich als halb offenen Wald vor, mit einzeln stehenden Bäumen und Wiesenland dazwischen. „Den alten Fachwerkgebäuden kann man das heute noch ansehen“, sagte der Gelehrte. Im Fachwerk finde sich oftmals krumm gewachsenes Gebälk. „Die Eiche braucht viel Platz, wenn sie knorrig werden soll. Dicht an dicht stehende Bäume haben einen geraden Wuchs.“
Von dieser Landschaft ergriff der Mensch Besitz, wie Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold in seinem Parforceritt durch 400 000 Jahre Menschheitsgeschichte bis zur Zeit um Christi Geburt aufzeigte. Ab der mittleren Altsteinzeit haben Menschen hier Spuren hinterlassen: Waffen, Werkzeuge, Geschirr, Gräber. Im heutigen Landkreis gibt es 1143 archäologische Fundstellen. Insofern ist die Lage laut Berthold „sehr gut“. Andererseits ist sie zugleich auch „sehr schlecht“. Ein Drittel aller Fundorte ist unbekannt. Oftmals sind die Fundzusammenhänge, die tiefere Erkenntnisse ermöglicht hätten, von den Findern nicht aufgezeichnet worden. Und die wenigsten Funde wurden mit den Methoden der modernen Archäologie ausgegraben.
Auf dieses Problem ging auch Dr. Tobias Gärtner von der Universität Göttingen ein. Sein Thema war die Archäologie von der Spätantike bis zum Ende des Mittelalters. Gerade aus den ersten fünf, sechs Jahrhunderten nach der Zeitenwende gibt es kaum Funde. Und wenn es sie gibt, dann sind es aufgelesene Einzelfunde. Fundplätze sind selten – vieles ist längst überbaut oder zerstört. Erst um das Jahr 1000 herum verbessert sich das Bild allmählich. Gärtner fragt deshalb, ob die intensive Besiedelung des Schaumburger Landes nicht erst im 13. Jahrhundert, wie bisher angenommen wird, sondern bereits 100 Jahre früher begonnen hat. Erkenntnisgewinn verspricht er sich von der erneuten Auswertung der Keramikfunde der fraglichen Zeit, deren Herstellungsdaten sich inzwischen sehr genau datieren lassen.
Als Burgen-Experte erster Güte erwies sich Dr. Hans-Wilhelm Heine von der Universität Hannover. Er gab einen Überblick über den Stand zur Erforschung der mittelalterlichen Burgen unserer Region. Zum Beispiel findet man ihre Überreste heute – „acht wie an einer Perlenschnur aufgereiht“ – auf Bergspornen entlang der Mittelgebirgskette, die Schaumburg ist eine von ihnen. Außerdem gibt es im Flachland Niederungsburgen und einige Wasserburgen.
Und zu guter Letzt ist da noch das Kuriosum der Kranenburg im Steinhuder Meer. Richtig: nicht am, sondern im Steinhuder Meer. Ihre Überreste liegen etwas nördlich des Steinhuder Bootsanlegers so knapp unter der Wasseroberfläche, dass manch ein Freizeitkapitän mit seiner Jolle schon mal drübergeschrappt ist. Wie Keramikfunde andeuten, stammt sie wohl aus dem 12. Jahrhundert. Die Umrisse des sie umgebenden Ringwalls sind inzwischen ebenso bekannt wie der viereckige Grundriss eines Gebäudes, das einst mitten auf dem Burgplatz stand. thm


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