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Kultur von Anfang an dabei

Bückeburg Kultur von Anfang an dabei

Das Müsinger Dorfgemeinschaftshaus ist in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden. Der langjährige Bundestagsabgeordnete Ernst Kastning hat den runden Geburtstag zum Anlass genommen, das damalige Geschehen zusammenzufassen. Wir veröffentlichen die Dokumentationen in zwei Teilen.

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Kulturelle Darbietungen zählen seit den Anfangsjahren zu den Angeboten im Dorfgemeinschaftshaus. Unser Bild zeigt ein Gastspiel der Plattdeutschen Bühne Ilvese.

Quelle: bus

Bückeburg. Teil 2: Architekt Heino Büscher übernahm Planung und Bauleitung. Er entwarf die zweckmäßige, für manche Einwohner damals etwas gewöhnungsbedürftige, Bauform. Mit Büscher hatte man einen sehr kooperativen Partner gefunden, der es verstand, in Absprache mit der Gemeinde freiwillige Arbeit von Bürgern je nach deren Qualifizierung oder Leistungsvermögen passend im Bauverlauf einzusetzen, wie etwa bei Erd- und Betonarbeiten, Anfuhr von Baumaterial und Malerarbeiten. Ein ganz erheblicher Teil der Finanzierungskosten wurde durch diese „Hand- und Spanndienste“ aufgefangen.

 Schon in der Ratssitzung am 10. Mai 1963 konnte der Bürgermeister die von der Bezirksregierung genehmigten Zeichnungen und einen ausführlichen Bericht zum Fortgang der Entwicklung vorlegen. Ein Jahr darauf, Anfang Mai 1964, wurde bereits das Richtfest im ,,kleinen Rahmen“ (so der Ratsbeschluss) begangen.

 Zwischenzeitlich war der Gemeinderat nicht untätig geblieben, denn der Start des Hauses sollte auf jeden Fall gelingen. Ein Jahr vor der Einweihung, am 6. September 1963, wurde im Rat aus viervorliegenden Bewerbungen der künftige Hausmeister, Herr Pankritz, ausgewählt. Während der Rohbauphase waren schon 62 Anmeldungen für die geplanten Gefrierfächer bei der Gemeinde eingegangen, sodass sich der Rat am 20. März 1964 entschloss, eine weitere Schrankanlage mit 42 Gefrierfächern anzuschaffen.

 Zur Eröffnung des Hauses am Sonnabend, 19. September 1964, gab es einen Festakt mit Schlüsselübergabe an Bürgermeister Ernst Struckmeier, Grußworten von Gästen und anschließendem Festessen. Besondere Ehrengäste waren der niedersächsische Sozialminister Kurt Partzsch und Schaumburg-Lippes Landrat Herbert Saß.

 Im Verlauf der Feier kam ein jüngerer Vertreter der Müsinger Bürger zu Wort, der in seiner Rede allen fleißigen Händen dankte und abschließend bemerkte: ,,Mir scheint, dass es manchmal weniger am Geld liegt, ob eine Idee verwirklicht wird, als vielmehr an der Initiative. Diese Initiative hat unser Rat erfreulicherweise zur rechten Zeit ergriffen.“ Am Abend feierten alle Bewohner des Dorfes ein fröhliches Fest mit Musik und Tanz im Saal des neuen Hauses. Und bereits am Sonnabend nach der Einweihung wurde die erste Grüne Hochzeit gefeiert. Am Tag darauf, am 27. September 1964, war der Neubau Wahllokal zur Kommunalwahl.

 Außer zum Kreistag wurde für Müsingen ein neuer Gemeinderat gewählt: Ernst Struckmeier (Bürgermeister, SPD), Ernst Kastning (stellvertretender Bürgermeister, SPD), Heinz Mihm (SPD), Paul Grabowski (SPD), Fritz Schramme (CDU), Heinz Everding (Freie Wählergemeinschaft), Friedrich Pörtner (Freie Wählergemeinschaft). Der neue Rat hatte fortan noch mehrere Angelegenheiten zur Nutzung und Bewirtschaftung zu regeln.

 Am 4. April 1965 nahm er den Bericht des Rechnungsführers über die Endfinanzierung des Hauses zur Kenntnis: 475000 DM Gesamtkosten (veranschlagt waren ursprünglich 390000 DM). Die Mehrkosten in Höhe von 85000 DM wurden einstimmig in einen außerordentlichen Haushaltsplan übertragen.

 Bilanz nach einem Jahr laut Protokoll der Ratssitzung vom 8. September 1965: „Rechnungsführer Möller gibt einen ausführlichen Bericht, was in einem Jahr nach Einweihung des Hauses in diesem für Veranstaltungen stattgefunden haben. Es waren dies: 15 Hochzeiten, 2 Polterabende, 1 Feuerwehrfest, 1 Erntefest, 5 standesamtliche Trauungen sowie zahlreiche Tagungen, Besprechungen und sonstige Veranstaltungen von Verbänden und Vereinen. Er führt aus, daß die wirtschaftliche Lage zufriedenstellend ist. Es waren Einnahmen in Höhe von DM 11746 gegenüber Ausgaben in Höhe von DM 9306 zu verzeichnen,“

 In der Sitzung wurde außerdem angeregt, im Winterhalbjahr kulturelle Veranstaltungen anzubieten. Ratsherr Everding erklärte sich bereit, Verbindung mit der Laienspielgruppe Lauenhagen aufzunehmen, die damals das Stück „Wenn der Hahn kräht“ im Programm hatte. In der November-Ratssitzung wurde festgestellt, dass die Feuerwehr die Organisation übernehmen könne. So ist es mit nur wenigen Unterbrechungen bis in die heutige Zeit geschehen.

 Das Haus wurde nicht nur wegen der Gefrieranlage (es gab seinerzeit noch Hausschlachtungen) intensiv genutzt, sondern von den Einwohnern insgesamt tatsächlich gut und in vielfältiger Weise angenommen. Neider gab es allerdings schon bald seitens eines Teils der heimischen Gastronomie, die sich in der Lokalpresse und beim Landkreis über die zahlreichen Feiern beschwerte.

 In der vom Landkreis zu Beginn des Jahres 1970 geforderten Stellungnahme zu den Anwürfen des Dehoga-Kreisverbands wies Bürgermeister Struckmeier diese zurück. „Neben der ständigen Benutzung durch Vereinigungen der Gemeinde“, schrieb Struckmeier, „nehmen die Familienfeierlichkeiten einen breiten Raum im Terminkalender des Gemeinschaftshauses ein ... die Bewirtung obliegt in diesen Fällen ausschließlich den gastgebenden Familien. In diesem Zusammenhang ist es sicher interessant zu wissen, dass in der Liste der privaten Benutzer einige Gastwirte aus der näheren Umgebung Müsingens verzeichnet sind, die das Gemeinschaftshaus bei eigenen Familienfeierlichkeiten in Anspruch genommen haben, darunter auch der 1. Vorsitzende des Ortskartells Bückeburg des Hotel- und Gaststättenverbandes.“

 Wenige Jahre darauf zeichnete sich eine weit bedrohlichere Gefahr für die Existenz des Hauses ab. Die Planungen für den Bau der A30/Ortsumgehung Bückeburg sahen eine Trassenführung mitten durch den Ort Müsingen vor. Der Gemeinderat reagierte sofort auf die Bedrohung und setzte durch, dass im Gebietsänderungsvertrag mit der Stadt Bückeburg, der im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform die Eingliederung Müsingens nach Bückeburg zum Inhalt hatte und im Dezember 1973 unterzeichnet wurde, folgender Passus stand: „In der Gemeinde Müsingen ist ein neues Dorfgemeinschaftshaus zu errichten, wenn das bestehende dem Bau der Bundesautobahn weichen muss.“ r

 Zehn Jahre nach Eröffnung des Hauses musste der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Eingliederung nach Bückeburg noch eine grundsätzliche Entscheidung zu einer wesentlichen Nutzungsänderung treffen. Weil der Einsatz von Gefriertruhen in privaten Haushalten finanziell erschwinglich wurde und rapide zunahm, nahm im gleichen Tempo die Belegung der Gefrierfächer im Dorfgemeinschaftshaus ab.

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