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Lachen, weil der Tod verspielt hat

Ostergottesdienste Lachen, weil der Tod verspielt hat

Kirche und Humor, wie passt das zusammen? Dass in einer Kirche, noch dazu während des Gottesdienstes, lauthals gelacht würde, dürfte heutzutage von vielen als äußerst unangemessen, wenn nicht gar im hohen Maße störend empfunden werden.

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Bei der Osternacht in der Stadtkirche am frühen Morgen des Ostersonntags entzünden die angehenden Konfirmanden die Kerzen auf dem Altartisch und geben das Licht anschließend an die Gottesdienstbesucher weiter.

Quelle: jp

BÜCKEBURG/OBERNKIRCHEN. In früheren Jahrhunderten, insbesondere im Spätmittelalter, gehörte es jedoch vielfach zum festen kirchlichen Brauchtum, speziell während eines Ostergottesdienstes die Gemeinde während der Predigt zum Lachen zu bringen. Mit dem Osterlachen sollte die Fröhlichkeit darüber, dass Jesus Christus in der Auferstehung den Tod überwunden hatte, ausgedrückt und speziell der Tod ausgelacht werden. Erst im 18. und 19. Jahrhundert verschwand diese Tradition weitestgehend aus den Sakralbauten. Sowohl Pastor Jan-Uwe Zapke als auch Oberprediger Wieland Kastning von der Evangelisch-Lutherischen Stadtkirchengemeinde haben zu Ostern an diesen alten Brauch erinnert.

 „Wir lachen, weil der Tod verspielt hat und feiern die Möglichkeit des Unmöglichen“, sagte Pastor Zapke während der Feier der Osternacht am frühen Sonntagmorgen. Bereits um 5.30 Uhr hatten die Teilnehmer auf den Beinen sein müssen, um die Osternacht in der stockfinsteren Stadtkirche beginnen zu können. Seinen beeindruckendsten Moment fand der Gottesdienst, als die 16 angehenden Konfirmanden der Stadtkirchengemeinde die Kerzen auf dem festlich von Küster Gunnar Heine dekorierten Altartisch entzündeten und das Licht anschließend an die Besucher weitergaben. Währenddessen ließ Kantor Siebelt Meier von der Orgel das große „Halleluja“ aus dem Oratorium „Messias“ von Georg Friedrich Händel erklingen. Die Osternacht in der Stadtkirche schloss mit dem gemeinsamen Abendmahl, das in der Mitte der Kirche im großen Kreisen gefeiert wurde. Danach lud die Gemeinde zu einem Osterfrühstück in das Gemeindehaus ein.

 Über viele Jahrhunderte habe man das Osterlachen gepflegt, erinnerte Oberprediger Kastning in seiner Predigt während des Festgottesdienstes am Vormittag des Ostersonntags. Das wahre Osterlachen sei ein leises Lachen mit strahlenden Augen und verzaubertem Gesicht. Es nähre den Glauben für die wirklich dunklen Tage, an denen es der Hoffnung auf das Licht bedürfe. Die beiden Frauen, die im Matthäus-Evangelium am Ostermorgen das von Soldaten bewachte Grab Jesu besuchen, verglich Kastning mit den Menschen, die heute vor schwer bewachten Gefängnissen in der Türkei für die Freilassung ihrer Freunde und Angehörigen demonstrierten.

 Während des Gottesdienstes wurde in der Stadtkirche mit Taghi Fazily ein Geflüchteter getauft, der vor anderthalb Jahren aus dem Iran entkam. Niemand wisse heute, wohin das Chaos im Nahen Osten noch weiter treibe, sagte Kastning. „Sicher ist: Die Welt braucht nicht noch mehr Machtdemonstration mit noch stärkeren Waffen, aber sie braucht Machtworte, die aus dem Geist der Versöhnung gesprochen werden.“

 

Die Katholische Kirchengemeinde St. Marien feierte ihre Osternacht am Abend des Karsonnabends turnusgemäß in der Kirche St. Joseph Obernkirchen, wo Pastor Thomas Thannippara zum Auftakt am Osterfeuer unter freiem Himmel die Osterkerzen entzündete und anschließend mit der Gemeinde in einer Prozession in das Gotteshaus einzog.  jp

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