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Lautstarke Proteste für Arbeitnehmerrechte

Bückeburg / Warnstreik Lautstarke Proteste für Arbeitnehmerrechte

Das hat es in der 152-jährigen Geschichte des Krankenhauses Bethel noch nicht gegeben: Gestern Vormittag legte ein Warnstreik den Betrieb des Hauses zum Teil lahm – die Akutversorgung der Patienten war allerdings sicher gestellt. 135 Mitarbeiter (von 380) waren einem Aufruf der Gewerkschaft ver.di gefolgt, für „gerechten Lohn“ und gleiche Arbeitnehmerrechte auch in der Diakonie zu protestieren. Unterstützt wurde die Aktion vom Marburger Bund, dem Zusammenschluss der angestellten Ärzte. So hatten sich am Ende Mitarbeiter aus allen Abteilungen des Hauses von der Küche über die Pflege bis zur Ärzteschaft vor dem Krankenhaus versammelt, um mit Trillerpfeifen, Transparenten und Gewerkschaftsfahnen ihren Unmut zu artikulieren.

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Fahnen, Pfeifen, Transparente: 135 Mitarbeiter des Krankenhauses Bethel sind gestern einem Aufruf zum Warnstreik gefolgt.

Quelle: kk

Bückeburg (kk). Gewerkschaftssekretärin Aysun Tutkunkardes aus Hannover und Peter Bigalke als Vorsitzender der Mitarbeitervertretung schienen selbst etwas überrascht zu sein, wie viele Kolleginnen und Kollegen dem Streikaufruf tatsächlich gefolgt waren. Manche hatten nämlich im Vorfeld Repressalien von Vorgesetzten befürchtet. Die Organisatoren werteten die Aktion, die erste dieser Art in der Geschichte des Hauses, als großen Erfolg. Besonders freuten sie sich darüber, dass auch Mitarbeiter dabei waren, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind und von ihrem „legitimen Streikrecht“ Gebrauch machten.

Gerade das Streikrecht ist einer der „Juckepunkte“ zwischen Arbeitnehmern und kirchlichen Arbeitgebern: Dieses Grundrecht wird den Mitarbeitern in diakonischen Einrichtungen nämlich abgesprochen. Allerdings geht es auch darum, die Bezahlung dem allgemeinen Standard anzupassen und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Gespräche mit dem Diakonischen Dienstverband über den sogenannten „Dritten Weg“ waren im vergangenen Jahr gescheitert.

Tutkunkardes: „Daraufhin wurden die Träger der einzelnen Häuser zu Verhandlungen über Haustarifverträge aufgefordert.“ Auf dieses Angebot habe es aber auch in Bückeburg keine Resonanz gegeben, sodass nun zu anderen Mitteln – wie dem eines Erzwingungsstreiks – gegriffen worden sei. Zeitgleich waren übrigens auch Beschäftigte hannoverscher Einrichtungen zum Warnstreik aufgerufen.

„Wir streiken letztendlich auch für die Patienten“, stellten OP-Pfleger Mario Steinmann und Küchenleiter Thomas Binder von der ver.di-Betriebsgruppe sowie Internist Dr. Andreas Kronjäger vom Marburger Bund heraus. Denn bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Personalausstattung kämen auch den Kranken zugute.

Deren Wohl habe man aber auch während der dreistündigen Arbeitsniederlegung im Auge gehabt, obwohl die Krankenhausleitung wie berichtet den Abschluss einer Notdienstregelung für die Streikzeit abgelehnt habe. Kronjäger zeigt auf sein Handy: „Im Notfall wären wir natürlich bei den Patienten und nicht mehr hier auf der Straße.“ Und während vor dem Haus für einen Tarifvertrag demonstriert wurde, kümmerten sich drinnen auch Kollegen um die Patienten, die eigentlich auch ihre Arbeit niedergelegt hätten.

Bei den Patienten sei man übrigens auf viel Verständnis gestoßen, erklärte Tutkunkardes. Denen sei die Lage der Beschäftigten erläutert worden. Und die meisten hätten auch akzeptiert, dass sie als „Streikfolge“ nur ein eingeschränktes Mittagessen erhielten. In drei OP-Sälen konnte gestern Vormittag nicht operiert worden.

Viele Passanten gingen neugierig auf die Streikenden zu – besonders, wenn diese wieder einmal zur Trillerpfeife griffen. Ein Pfeifkonzert musste sich auch für Krankenhaus-Geschäftsführer Claus Eppmann gefallen lassen, als dieser im Auto den gegenüberliegenden Parkplatz verließ. Eppmann grüßte immerhin freundlich winkend aus dem Auto heraus, sonst gab es allerdings keine offizielle Reaktion der Geschäftsleitung auf den Streik. Im Vorfeld hatte Verwaltungsleiter Günter Hagenhoff seine Abteilungsleiter allerdings aufgefordert, die Mitarbeiter noch einmal ausdrücklich auf das Streikverbot hinzuweisen und sie zu informieren, dass „im Falle einer Patientengefährdung mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen zu rechnen“ sei.

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