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Linker freigesprochen

Prozess Linker freigesprochen

Im Zweifel für den Angeklagten: Mit einem Freispruch endete Montagmittag vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts der Prozess gegen einen jungen Mann, der der linken Jugendszene in Bückeburg zugerechnet wurde. Dieser war der gefährlichen Körperverletzung angeklagt.

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Quelle: dpa

Bückeburg. In erster Instanz war er noch schuldig gesprochen worden. Er sollte einer von vier Maskierten gewesen sein, die vor vier Jahren einen jungen Mann aus der rechten Szene und dessen Bekannten verprügelt haben. Das Urteil des Amtsgerichts, gegen das die Verteidigung Berufung eingelegt hatte, stützte sich insbesondere auf die Aussagen von Zeugen, die den Angeklagten damals erkannt haben wollten.

Doch bereits am ersten Verhandlungstag wurde – wie berichtet – deutlich, dass sich diese Zeugen im Berufungsverfahren nicht mehr erinnern konnten oder zumindest nicht mehr so genau festlegen wollten. Sowohl das Opfer als auch eine Zeugin, die damals der rechten Szene nahe stand, und die den Angeklagten in der Nähe des Tatorts ohne Maske auf der Flucht gesehen haben wollte, relativierten ihre Aussagen. Erst sie hatten den Namen des gebürtigen Bückeburgers, der inzwischen auswärts studiert, ins Spiel gebracht. Dies führte schließlich zur Anklage. So wollte das Opfer einen der Vermummten „mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit“ an Größe und Statur als den Angeklagten identifiziert haben.

Am gestrigen zweiten Verhandlungstag waren noch zwei ermittelnde Polizeibeamte und zwei weitere Zeugen gehört worden. Ein junger Mann aus der linken Szene verweigerte die Aussage, da er selbst beschuldigt wird, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Das Verfahren gegen ihn war abgetrennt worden.

Ein anderer Zeuge hatte mehrere Männer, die er mit der Tat in Verbindung brachte, in einem Haus am Unterwallweg verschwinden sehen. Einen hatte der Zeuge noch festgehalten. Sie waren zu diesem Zeitpunkt nicht maskiert, den Angeklagten hat er jedoch in keinem von ihnen erkannt. Dieser wurde auch nicht angetroffen, als das Haus kurz darauf von Polizeibeamten durchsucht worden war.

Für Verteidiger Sven Adam war klar, dass es keinerlei Beweise gibt, dass sein Mandant am fraglichen Tag überhaupt in Bückeburg gewesen sei, geschweige denn an der Tat beteiligt war. Adam forderte Freispruch. Dem schloss sich Staatsanwältin Karin Dubben an. Sie sieht es zwar als erwiesen an, dass der Angriff im Sommer 2013 stattgefunden hat und dass dieser politisch motiviert war. Eine Tatbeteiligung könne dem Angeklagten jedoch nicht nachgewiesen werden. Statur und Größe allein reichten nicht aus, um einen maskierten Mann zu identifizieren.

Auch für die Kammer ist der Fall eindeutig: Freispruch und Aufhebung des Urteils der Vorinstanz. Der Vorsitzende Richter Norbert Kütemeyer: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ Es gebe keine stichhaltigen Beweise dafür, dass dieser an der Tat beteiligt gewesen sei. Die Zeugenaussagen reichten für eine Verurteilung nicht aus.

Warum sich einige Zeugen jetzt so vage äußerten, ja bemerkenswerte Gedächtnislücken aufwiesen, kann wohl nie geklärt werden – lässt aber Luft für Spekulation. Für die Verteidigung ist denkbar, dass sie sich keiner Falschaussage schuldig machen wollten, der Angeklagte also fälschlich beschuldigt worden sei. Die Staatsanwaltschaft hält es für denkbar, dass sie den Konflikt in Bückeburg nicht anheizen wollten.

kk

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