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Lummerland liegt in Bückeburg

Für Christian Berg endet eine Reise Lummerland liegt in Bückeburg

Mit den beiden Aufführungen von „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ ist für Christian Berg in Bückeburg eine lange Reise zu Ende gegangen.

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 Jim Knopf (Julia Breier) und Lukas (Klaus Lawrence) sind in der Lokomotive Emma unterwegs zur Drachenstadt.

Quelle: jp

Von Johannes Pietsch

Bückeburg. Zum letzten Mal verkörperte der Cuxhavener Musical-Autor, Schauspieler und Regisseur auf der Bühne des Bückeburger Rathaussaals König Alfons den Viertelvorzwölften, jenen liebenswerten, etwas schusseligen Monarchen aus der Feder von Michael Ende und Herrscher über die legendäre Insel Lummerland mit ihren zwei Bergen, drei Untertanen und – natürlich – der Eisenbahnlinie. Über 1100 Besucher erlebten in den beiden nahezu ausverkauften Vorstellungen noch einmal die Berg’sche Musical-Version der 1960 von Michael Ende ersonnenen abenteuerlichen Reise des Waisenjungen Jim Knopf und seines Freundes Lukas in die Drachenstadt zwecks Befreiung der chinesischen Prinzessin Li Si aus den Klauen der tyrannischen Frau Mahlzahn.

 Mehr als 3000 Mal hat Christian Berg, dessen Stücke zu den meistgespielten Familien- und Kinder-Musicals in ganz Europa zählen, in der Paraderolle des König Alfons auf der Bühne gestanden. Auch Regierungschefs und gekrönte Häupter saßen schon bei seinem „Jim Knopf“ im Publikum. „Und sogar Michael Jackson war einmal bei mir in Hamburg in einer Aufführung“, berichtete er seinen Fans im Bückeburger Rathaussaal.

 Es ist das Stück, mit dem Christian Bergs Karriere begann, das er am häufigsten aufführte, welches die größten Erfolge feierte und die meisten Zuschauer fand: Die Idee dazu entstand, als der Wahl-Cuxhavener vor vielen Jahren auf einem Workshop für junge Autoren den 1995 verstorbenen Jim-Knopf-Schöpfer Michael Ende traf. Die Inszenierung wurde ein riesiger Erfolg und sorgte dafür, dass Autor Christian Berg und Komponist Konstantin Wecker zu den meistgespielten Theaterautoren im deutschsprachigen Raum avancierten.

 Eigentlich hatte es in diesem Jahr „Peter Pan“ werden sollen, doch sowohl künstlerische Überlegungen als auch wirtschaftliche Veränderungen sorgten dafür, dass Christian Berg bei seiner 14. Stippvisite in der Fürstenresidenz den Bogen von den Anfängen seiner Karriere zur Gegenwart schlug, um für immer Abschied zu nehmen vom berühmten zweibergigen Eiland Lummerland, der Lokomotive Emma, dem Scheinriesen Herrn Tur Tur und (natürlich) vom Halbdrachen Nepomuk, der drolligsten, schnurrigsten und liebenswertesten Schelmenfigur aus dem unvergleichlichen Einfallsreichtum Michael Endes, den die überheblichen reinrassigen Drachen nicht ihre Stadt in den schwarzen Bergen lassen, weil seine Mutter ein Nilpferd war.

 In „seinem Wohnzimmer“, wie Christian Berg den Bückeburger Rathaussaal schon lange liebevoll nennt, wurde dieser Abschied gefeiert, dort, wo er seit Jahren seine treueste und am festesten verwurzelte Fangemeinde weiß.

 Und alles war dabei, was zu einer echten Christian-Berg-Aufführung gehört: Märchenhaftes Familien-Schauspiel ebenso wie schwungvolle Lieder und Tänze, urige Situationskomik, Ironie und hintergründiger Dialogwitz mit genügend Pointen auch für erwachsene Zuschauer. In einem Paket sei er als Baby auf Lummerland angekommen, erfährt Jim Knopf von seinem väterlichen Freund Lukas. „Ups.“ „Nein, mit der Post.“ Und von wem kann das Paket gekommen sein? König Alfons: „Zalando!“

 Nicht fehlen durften die hinreißenden, typisch Berg’schen Anachronismen: So kam der im Buch so schüchterne und zurückhaltende Wüsteneinsiedler Herr Tur Tur im Rathaussaal als Reggae-trällernder Alt-Hippie mit Lockenmähne und John-Lennon-Attitüde auf die Bühne, und Nepomuk versprühte als breakdancender und rappender Gangsta-Halbdrache so viel Witz und Stärke, als käme er direkt aus Neukölln oder der Bronx.

 Seit 2001 gastiert Christian Berg regelmäßig mit seinen Stücken in Bückeburg. „Das Dschungelbuch“ war schon dabei, „Peter Pan“ und „Pinocchio“. 2013 begeisterte der Bühnen-Zauberer mit dem Dornröschen-Musical „Wachgeküsst“, und vor einem Jahr widmete er sich der vor allem durch die Verfilmung mit Rolf Hoppe berühmt gewordenen tschechischen Version des Grimm’schen Märchens vom „Aschenbrödel“.

 28 Shows wurden gespielt, über 16000 Besucher haben in Bückeburg die Aufführungen gesehen – eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Das findet auch Veranstalter Andreas Steuer aus Obernkirchen: „Auch dieses Jahr haben wir wieder 1120 Karten verkauft, das ist einfach überwältigend.“

 Inzwischen seien zahlreiche Fans, die als Kinder die ersten Aufführungen im Rathaussaal erlebten, selbst im Erwachsenenalter angelangt und seien den Musicals dennoch treu geblieben: „Das sehen wir daran, das wir immer mehr Karten an reine Erwachsenengruppen verkaufen.“

 Was wird Christian Berg bei seinem nächsten Bückeburger Gastspiel im Januar 2016 aus dem Hut zaubern? Veranstalter Andreas Steuer, seit Jahren auch persönlicher Freund des Musicalmachers, weiß es schon, hält den Titel der kommenden Inszenierung aber noch geheim: „Nur so viel: Es wird ein absoluter Kracher.“

 Zuvor bricht Christian Berg mit seinem langjährigen Weggefährten Konstantin Wecker zu neuen künstlerischen Ufern auf: Am 22. August feiert ihr gemeinsames Familienmusical „Oliver Twist“ nach dem gleichnamigen Roman von Charles Dickens am Hamburger Theater Premiere.

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