Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Mäzen und NS-Größen

Auch in Bückeburg wurden Straßen nach NS-Größen benannt Mäzen und NS-Größen

Straßenschilder sorgen für Übersicht und erleichtern Einwohnern und Besuchern den Weg durch die Stadt. In Bückeburg gibt es an die 300.

Voriger Artikel
Verletzter ermittelt
Nächster Artikel
Hier gehört das Jagdhorn zum guten Ton

Die Lange Straße wurde später in der NS-Zeit in Adolf-Hitler-Straße umbenannt.

Quelle: gp

BÜCKEBURG.. Die ersten wurden Anfang des vorigen Jahrhunderts aufgestellt. Gleichzeitig wurde auch die Kennzeichnung der Gebäude mit Hausnummern vorgeschrieben. Auslöser war eine im August 1907 vom Magistrat beschlossene „Polizeiverordnung über die Anbringung von Straßen- und Hausnummernschildern“.

Die Neuregelung kam nicht von ungefähr. Die Residenz hatte einen Bauboom erlebt. Die bis Mitte des 19. Jahrhunderts noch nahezu ausschließlich auf den historischen Stadtkern konzentrierte Siedlung war stellenweise weit über den Ex-Wall hinausgewachsen. Auf vielen der aus dieser Zeit stammenden Hinweistafeln stehen althergebrachte Örtlichkeitsbezeichnungen oder die Namen verdienter Persönlichkeiten. Sie dürfen von daher auch als eine Art Schlüssel zum Verständnis der Stadtentwicklungsgeschichte gelten.

 

Die „Lülingstraße“ hat ihren Namen von dem Rentier August Lüling (1832 – 1907) – nach landläufiger Meinung der reichste bürgerliche Einwohner, den die Stadt bislang in ihren Mauern beherbergte. Der Mitinhaber der Champagnerfirma Heidsiek hatte sich in einer von ihm an der oberen Herminenstraße gebauten Prachtvilla angesiedelt. Lüling erwies sich als äußerst großzügiger Mäzen. Kein Wunder, dass der Streckenabschnitt zu und vor seinem Anwesen nach ihm benannt wurde. Zuvor war die Zuwegung in der Einwohnerschaft als „Angorastraße“ bekannt. In der Gegend hütete einst „Tante Nelly“, Ehefrau des Geheimrats Langerfeld, ihre Angoraziegen. 

Der „Möllerweg“ soll seinen Namen den Überlieferungen zufolge nicht einer herausragenden Einzelpersönlichkeit, sondern der Vielzahl von „Möllers“ verdanken, die einst an dem kurzen Verbindungsweg wohnten. Zeitweise habe es dort vier Familien dieses Namens gegeben, ist in alten Zeitungsberichten zu lesen.

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist bei den Stadtvätern bei der Widmung von Straßennamen an vermeintlich große und verdiente Söhne, Töchter und/oder Wohltäter der Stadt deutliche Zurückhaltung zu spüren. Grund: Zwischen 1933 und 1945 hatte man auch in Bückeburg etliche althergebrachte Straßenschilder kurzerhand ausgetauscht.

 

Der Martktplatz wurde zum Adolf-Hitler-Platz

Der Marktplatz vor dem Rathaus wurde als „Adolf-Hitler-Platz“ ausgeschildert, die Lange Straße hieß plötzlich „Adolf-Hitler-Straße“. Die Fürst-Ernst-Straße wurde zur „Horst-Wessel-Straße“.

 

Die Schulstraße wurde zur „Dincklagestraße“. Karl Dincklage war ein NSDAP-Altaktivist, der von Hannover aus die Gründung der Hitler-Bewegung in Schaumburg betrieben hatte.

 

Für eine weitere, sehr spezielle Note sorgte auch der damals einflussreiche örtliche SA-Hauptsturmführer Karl Rösener. Auf seinen Vorschlag hin wurden „zur Erinnerung an die Kampfjahre der Bewegung“ die westliche Fortsetzung der Maschstraße in „Straße der SA“ und die Zuwegung zur neu gebauten Jugendherberge in „Herbert-Norkus-Straße“ umgetauft. Norkus war ein Berliner Hitlerjunge, der 1932 bei politischen Unruhen ums Leben gekommen und von der NSDAP später zum Vorkämpfer und Opfer hochstilisiert worden war.

 

 gp

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr