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Mahmouds Traum von der Heimkehr

Stand der Dinge in der Flüchtlingsunterkunft Herderschule Mahmouds Traum von der Heimkehr

Dass in der ehemaligen Herderschule eine Flüchtlingsunterkunft untergebracht ist, ist von außen kaum zu sehen. Die Fenster sind verhangen, nur ab und an bewegen sich Schatten hinter den Gardinen. Ein paar Männer spielen Karten und trinken Tee. Alltag in einer Situation, die nicht alltäglich ist.

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Die ehemalige Herderschule dient jetzt als Herberge für Flüchtlinge.

Quelle: mig

Bückeburg. Mahmoud S., Anfang 20, ist glücklich. Gerade hat er beim Fiscot gewonnen – einem Kartenspiel, ähnlich Bridge. So viel Glück habe er schon lange nicht mehr gehabt, sagt Mahmoud, der Flüchtling mit dem Kindergesicht. Seine Partner klatschen. Dann wird Tee nachgegossen. Tee und Karten – mehr gibt‘s für Mahmoud derzeit nicht zu tun.

Er würde so gerne..., wenn er nur dürfte. Keine Arbeit, nicht einmal ein Integrationskurs – Mahmoud hat sich das Leben in Deutschland anders vorgestellt. „Ich will etwas tun, mich erkenntlich zeigen für die gute Behandlung und für die Hilfe.“ Nur Tee trinken und Karten spielen – das ist Mahmoud viel zu wenig.

„Ich möchte mir etwas für die Zukunft aufbauen und dann in mein Land zurückgehen.“ Das betont Mahmoud gleich mehrfach: Dass er nicht hierbleiben will, dass er nach einiger Zeit zurückkehren möchte. „Ich möchte beim Aufbau meines Landes helfen, ich möchte meine Familie unterstützen.“ Und das könne er nur, wenn er eines Tages nach Afghanistan zurückkehre. „So wie ich denken viele“, ist sich Mahmoud sicher.

Dass der 22-Jährige immer wieder auf seine Rückreise zu sprechen kommt, hat einen Grund. Mahmoud ist beunruhigt. „Köln“, sagt er, als würde das alles erklären. Was er meint, sind die Übergriffe in der Silvesternacht, bei der Hunderte von Frauen massiv bedrängt wurden. Mahmoud kann nicht verstehen, wie man so etwas machen kann. „Was müssen das für Menschen sein, die eine Frau auf diese Weise belästigen?“, fragt er. So etwas sei „abscheulich – vor allem, weil die Leute zu Gast waren“. Gäste, findet Mahmoud, hätten sich im Haus des Gastgebers gut zu benehmen. Eigentlich müssten diese Menschen sofort abgeschoben werden, sagt Mahmoud noch.

Eines hat der Afghane „nach Köln“ festgestellt: „Manche Leute haben sich danach anders verhalten. Sie waren nicht mehr so herzlich, so als wären wir alle so.“ Deshalb sei es ihm sehr wichtig, klarzumachen, „dass wir alle sehr wütend auf die Leute sind und dass so etwas niemals geduldet werden würde“, sagt Mahmoud. „Ein Gast muss sich wie ein Gast verhalten. Er muss zurückhaltend sein und sich an die Verhältnisse anpassen.“

Ein Mann geht vorbei, mit einer Tüte Tee. Die habe ihm ein Ladenbesitzer geschenkt, sagt er freudestrahlend. Mahmoud: „So etwas passiert hier immer wieder. Und wir haben keine Möglichkeit, etwas zurückzugeben.“ Die Position des Bittstellers nervt.

Mit der Unterbringung in der ehemaligen Herderschule ist Mahmoud zufrieden. Es gebe zwar „manchmal“ kleine Reibereien – das sei aber ganz normal, wenn Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenkommen, sagt Mahmoud. Klagen kann und will er nicht. Tatsächlich kommt von den 120 Bewohnern nur wenig Kritik. Der eine oder andere bemängelt nur die eingeschränkte Privatsphäre.

Was allen Befragten gemein ist: Sie wollen schnell raus aus der Unterkunft und rein in eine eigene Wohnung. „Einfach mal wieder für sich sein und keinen sehen“, wie es Mahmoud ausdrückt. Das hoffe er, schon bald zu erreichen. Ganz schlecht stehen Mahmouds Chancen nicht, leben doch bereits 400 von rund 520 Flüchtlingen in Bückeburg in einer eigenen Wohnung.

Weil aber immer weniger Raum zur Verfügung steht, wird Wohnraum auch in der Herderschule geschaffen. 60 Personen sollen im Mitteltrakt untergebracht werden, der rechte Trakt soll weiter als Notunterkunft genutzt werden. So hat man einen „Puffer“, wenn wieder mehr Menschen kommen.

Ein Großteil der Flüchtlinge in der ehemaligen Herderschule kommt übrigens aus Syrien (42 Prozent), der Rest stammt aus Afghanistan ( 25 Prozent), dem Irak (15 Prozent), dem Balkan (zehn Prozent) und anderen Herkunftsländern.

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