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Manchmal doch für Selbstzensur

Vortrag über "Reporter ohne Grenzen" am Adolfinum Manchmal doch für Selbstzensur

Die Gemeinschaft „Reporter ohne Grenzen“ (RoG) ist zentrales Thema eines Besuchs von Gemma Pörzgen am Gymnasium Adolfinum gewesen. Pörzgen gehörte 1994 zu den Gründungsmitgliedern des deutschen Ablegers der 1985 in Frankreich ins Leben gerufenen Organisation. RoG setzt sich nach eigenem Bekunden weltweit für Informationsfreiheit und gegen Zensur ein.

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Die freie Journalistin Gemma Pörzgen steht im Gymnasium Adolfinum Rede und Antwort.

Quelle: bus

Bückeburg. Der von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik vermittelte Besuch richtete sich in erster Linie an Schüler des 12. Jahrgangs, die Politik als Prüfungsfach gewählt haben. Pörzgen war für ihre Gesprächspartner nicht zuletzt wegen ihrer bemerkenswerten Erfahrungen von Interesse. Die freie Journalistin wuchs in Moskau auf, studierte in München Slawistik, Politikwissenschaft und osteuropäische Geschichte und volontierte bei der „Frankfurter Rundschau“.

 Für diese und andere Zeitungen berichtete sie von 2001 an als Südosteuropa-Korrespondentin mit Sitz in Belgrad. Anschließend folgten Stationen im Nahen Osten, wo Israel und die palästinensischen Gebiete zu den Schwerpunkten ihrer Berichterstattung zählten. Sie konnte den Adolfinern also zahlreiche „Informationen aus erster Hand“ liefern.

 „Wenn Journalisten bedroht, verfolgt oder inhaftiert werden, mobilisieren wir innerhalb kürzester Zeit Unterstützung. Wir alarmieren die Öffentlichkeit, wenn Zeitungen zensiert, Sender verboten oder Mediengesetze missbraucht werden. Durch Aktionen und Kampagnen erzeugen wir Druck auf die Verantwortlichen und setzen das Thema national wie international auf die politische Tagesordnung“, erläuterte die 52-Jährige Teilaspekte des RoG-Engagements.

 In den zurückliegenden Jahren habe sich – besonders in Ländern mit unzureichender Pressefreiheit – das Internet zu einer wichtigen Quelle für unabhängige Informationen entwickelt. Aufgrund seiner steigenden Bedeutung versuchten viele Staaten, Informationen im weltweiten Netz zu kontrollieren und dessen Überwachung zu verstärken. Deshalb fordere „Reporter ohne Grenzen“ unter anderem Exportkontrollen für Überwachungstechnologie.

 Auf der anderen Seite habe gerade das Internet erhebliche Veränderungen in der Berichterstattung herbeigeführt, erklärte Pörzgen, nachdem sie eine Begegnung mit bewaffneten Palästinensern geschildert hatte – „maskierte junge Männer, die nur etwas älter als ihr waren“. Der mit einer Kassam-Rakete ausstaffierte Raum habe sie seinerzeit sehr an eine Inszenierung erinnert. Das Treffen sollte augenscheinlich propagandistischen Zielen dienen.

 „In dieser Beziehung hat es fundamentale Veränderungen gegeben“, legte die Besucherin dar. „Heute warten solche Leute nicht mehr darauf, dass wir (Journalisten) vorbeikommen und diese Inszenierungen (in unseren Medien) unterstützen. Die machen das jetzt selbst und stellen ihre Fotos und Videos ins Netz.“ Dies führten etwa auch die Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ und deren Hinrichtungsvideos vor Augen. Die Berichterstatterin fand es wichtig, dass die Mehrheit der deutschen Nachrichtenmedien aus ethischen Gründen darauf verzichtet hat, diese Bilder zu zeigen. Man solle die Hingerichteten nicht zusätzlich dadurch demütigen, dass man diese Propaganda weiterverbreitet, sagte Pörzgen. Gleichwie komme es stets einer schwierigen Abwägung gleich, was man veröffentliche und was nicht. Pörzgen: „Auf der einen Seite möchte man als Journalist auch das Grauen und Leiden der Bevölkerung zeigen, auf der anderen Seite will man aber keinen Voyeurismus bedienen und bestimmte Grenzen des Geschmacks nicht überschreiten.“ bus

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