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Bückeburg Stadt Manzke: Karfreitag muss Feiertag bleiben
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Manzke: Karfreitag muss Feiertag bleiben
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17:10 09.04.2012
Bückeburg

Bückeburg (jp).  Jesu Tod am Kreuz sei ein Opfer für die aus allen Wunden blutende Menschheit, sagte der Landesbischof während des Gottesdienstes. Auch heute sei das weltweite Blutvergießen schreckliche tägliche Realität, angefangen vom Krieg der Herrschenden in Syrien gegen die Bevölkerung bis zum Tod eines elfjährigen Kindes vor wenigen Tagen in Emden.

 Dabei sei es gerade in Deutschland immer noch schwierig, vom Opfer als etwas Positivem zu sprechen. Bis zum Zweiten Weltkrieg seien in ganz Europa die Opfer, die Menschen für ihr Vaterland erbrachten, verherrlicht worden. Dies habe sich fundamental geändert: „Die moralische Wertschätzung und der Anspruch auf gesellschaftliche Anerkennung, die einst dem zustanden, der sich als Arzt oder Soldat oder Krankenschwester für andere geopfert hat, werden heute dem zuerkannt, der zum Opfer geworden ist.“

 Wichtig sei es aber, so der Landesbischof, zu unterscheiden zwischen einem Opfer, das ein Unglück wie ein Flugzeugabsturz oder der Tsunami vor einem Jahr in Japan fordere und einem Opfer, welches jemand aus freien Stücken für die Gemeinschaft hingebe. Das Leben in einer Gemeinschaft gelinge nur, wenn einige bereit seien, Opfer dafür zu erbringen.

 Ausdrücklich widersprach Landesbischof Manzke den in den vergangenen Tagen von verschiedener Seite öffentlich erhobenen Forderungen, den Karfreitag als Feiertag abzuschaffen oder zumindest das Feierverbot an diesem Tag einzuschränken oder aufzuheben. Kürzlich hatte es sogar in einigen Städten Demonstrationen gegen das an Karfreitag herrschende Tanzverbot gegeben.

 Der Karfreitag sei für das öffentliche Leben und die politische Kultur von elementarer Bedeutung, da er das ohnmächtige Erleiden von Verirrungen, Irrtümern und Hass bewusst mache, erklärte der Landesbischof: „Die Menschen, die an ihrer Ohnmacht leiden, haben in Jesus von Nazareth ihren Freund und Tröster – ihn an der Seite. Mehr als zeitgemäß ist es, diesen Tag als öffentlichen Feiertag zu pflegen, weil wir es den Opfern schuldig sind.“

 Auch Pfarrer Bogdan Dabrowksi nahm in seiner Predigt während der Feier der Osternacht in der katholischen Pfarrkirche St. Marien den Gedanken des österlichen Trosts im Angesicht diverser Kriege und Katastrophen in aller Welt auf: „Wir Christen brauchen diese Ostergeschichten. Wie oft sind wir konfrontiert mit Todesmeldungen und Katastrophenberichten.“

 Die österlichen Geschichten seien Botschaften des Lebens, der Rettung und der Erlösung. Die Christen bräuchten diese frohen Nachrichten, gerade auch vor dem Hintergrund zahlreicher aktueller Katastrophen- und Unglücksmeldungen.

 Begonnen hatte die Osternachtsfeier in der katholischen Pfarrkirche mit der Lichtfeier und dem traditionellen Entzünden der Osterkerzen vor dem Kirchengebäude. Nach dem Gottesdienst trafen sich die Mitglieder der Gemeinde zum Agapemahl im katholischen Pfarrheim.

 Wie schon 2011 gab es auch in diesem Jahr zu Ostern keine offiziellen ökumenischen Aktivitäten, da die evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde ihren Ostergottesdienst wie in den Vorjahren am frühen Ostersonntag feierte, die katholische Kirchengemeinde ihre Osternachtsfeier hingegen zum zweiten Mal nicht mehr am Ostersonntagmorgen, sondern am Abend des Ostersonnabends. Diese zeitliche Verlegung war vor einem Jahr aufgrund der zuvor erfolgten Fusion der katholischen Gemeinden Bückeburg, Obernkirchen und Auetal erforderlich geworden .

 „Wir sind daher sehr froh, dass wir vor zwei Wochen gemeinsam den ökumenischen Kreuzweg begangen haben“, erklärte der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Johannes Kersting. Dabei hatten Angehörige der katholischen, der evangelisch-lutherischen und der evangelisch-reformierten Gemeinde mit Johannes Kersting, Pastor Thomas Krage und Pastor Uwe Zapke an unterschiedlichen Orten Bückeburgs Texte gelesen und kurze Andachten gehalten und dabei unter anderem an die Opfer der Reichspogromnacht 1938 sowie des Bückeburger Todeszuges im Winter 1946 erinnert.