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Marode Mauer vom Verfall bedroht

Heimatverein informiert über Jetenburger Friedhof Marode Mauer vom Verfall bedroht

Auf rund 20 000 Euro schätzt Heinz Werner Hinze die Summe, die für die Herrichtung der maroden, denkmalgeschützten Mauer des Jetenburger Friedhofs investiert werden muss.

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 Axel Rinne (rechts) erläutert Details der auf dem Jetenburger Friedhof zu findenden Grabsteine.

Quelle: bus

BÜCKEBURG. „Das Mauerwerk weist gravierende Schäden auf. Falls nichts unternommen wird, droht ihm der Verfall“, gab der Vorsitzende der Ortsgemeinschaft Bückeburg des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins während einer Zusammenkunft auf dem Gottesacker zu verstehen.

Zur Finanzierung der Instandsetzung der historischen Einfriedung sucht ein eigens gegründete Förderkreis Unterstützer und Sponsoren. Das Vorhaben ist mit dem Friedhofsausschuss der Stadtkirchengemeinde abgestimmt. Die Ortsgemeinschaft ist Angaben Hinzes zufolge bereit, die Maßnahmen mit 5000 Euro zu fördern. Die Spende sei mit dem Finanzamt abgesprochen, erklärte der Vorsitzende eingangs der Veranstaltung, in deren Verlauf Axel Rinne den Teilnehmern die Besonderheiten des Friedhofs näher brachte.

Verhältnisse änderten sich schlagartig

„Kirche und Friedhof sind wichtige Orte der Erinnerung und stellen ein achtenswertes kulturhistorisches Erbe dar, das es unbedingt zu pflegen gilt“, führte Rinne aus. Das „grüne Kleinod“ repräsentiere „gelebte Dorf- und Stadtgeschichte“. Die Ursprünge der 1928 eingemeindete Ortschaft Jetenburg (dereinst: Geteneburg) reichen erheblich weiter zurück als die der Vorgängersiedlung Bückeburgs. Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche datiert aus dem Jahr 1153. Das jetzige Gebäude wurde in der Zeit von 1570 bis 1573 errichtet. „Zu einem Zeitpunkt also, in der in Bückeburg keine Kirche zu finden war“, erläuterte Rinne. Die eigentlich dem Kirchspiel Petzen zugehörenden Bückeburger gingen nach Jetenburg in die Gottesdienste und die Schüler besuchten die Jetenburger Dorfschule.

Die Verhältnisse änderten sich 1615 mit der Fertigstellung der Stadtkirche schlagartig. Das Jetenburger Gotteshaus verkam zur Gerümpelhalle, beherbergte später Obdachlose und Vieh. Das in den zurückliegenden Jahren mehrfach renovierte Gebäude wurde erst 1861 als Kirchenraum wiederhergerichtet. Der die turmlose Kirche umgebende „Kerkhof“ diente bis zur Inbetriebnahme des Friedhofs an der Scheier Straße 1892 auch den Bückeburgern Jahrhunderte lang als Begräbnisstätte. „Von mehreren hundert Grabstellen“, zeigte Rinne auf, „sind in dem parkähnlich-idyllischen Ambiente nur noch etwa 50 erkenntlich.“

Das Areal verwahrt unter anderem die sterblichen Überreste der Erzieherin und späteren Begleiterin der englischen Königin Victoria, Louise Clara Johanna von Lehzen (1784 bis 1870), von Viktor von Strauß und Torney (Fürstlich schaumburg-lippischer Minister, Kirchenlieddichter und Ehrenbürger der Stadt Dresden, 1809 bis 1899), von Friedrich Carl von Haacke (Königlich Französischer Obrist und Erzieher des damaligen Erbprinzen und schaumburg-lippischen Thronfolgers Georg Wilhelm, 1744 bis 1813) und von Iwan Müller (Klarinettist, Komponist und Instrumentenbauer, 1786 bis 1854).

Schlichte Grabmale als Erinnerung

Und vom Komponisten und Hofkapellmeisters Johann Christoph Friedrich Bach (1732 bis 1795), dem Vater Johann Sebastian Bach ein am 27. Dezember 1749 in Leipzig verfasstes Empfehlungsschreiben vorausschickte. „Damals war dessen zweitjüngster Sohn gerade 17 Jahre alt“, ließ Rinne wissen. Das Schreiben stellt den später erfolgreichen Junior als „untertänigst gehorsamen Knecht“ vor.

Der „Bückeburger Bach“ kam im Frühjahr 1750 als „Cammer-Musicus“ an den schaumburg-lippischen Hof. Neun Jahre darauf wurde er zum Konzert- und Hofkapellmeister ernannt und zeichnete fortan, bis zu seinem Tod am 26. Januar 1795, für das gesamte musikalische Geschehen am Hofe verantwortlich.

Darüber hinaus dient der Friedhof als Gedenkstätte der Opfer des als „Todeszug von Breslau“ bezeichneten Flüchtlingstrecks, der Bückeburg am 23. Dezember 1946 erreichte. Die schlichten Grabmale rufen Besuchern das Schicksal von 89 Kindern, Frauen und Männern ins Gedächtnis. Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt. bus

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