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Bückeburg Stadt Marstall-Führung hat‘s in sich
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Marstall-Führung hat‘s in sich
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00:18 28.05.2015
Diana Krischke (rechts) weiß: Der Frederiksborgerhengst Moravita lässt sich auch von Besuchern streicheln. Quelle: jp
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Bückeburg

Als Vorbild diente dabei Renaissance-Reitmeister Antoine de Pluvinel (1555-1620), der Reitlehrer des französischen Königs Ludwig XIII., und der Rückwärts-Galopp, das sogenannte Mezair Reculé, gilt als eine der höchsten Disziplinen der Reitkunst. Die imposanten Fähigkeiten des Hengstes, der 2005 bereits von einer internationalen Jury zum Weltchampion der Berberpferde gekürt wurde, sind nur eine der vielen bemerkenswerten und eindrucksvollen Informationen, die man im Rahmen einer Führung durch den Marsstall und das Museum der Fürstlichen Hofreitschule erhält.

 Rund 45 Minuten dauern diese Führungen, und im Gegensatz zu den Reitkunstvorführungen und Galas im Reithaus erhält man dabei zwar das beeindruckende Können der Schulhengste nicht „live“ vorgeführt, dafür jedoch ersatzweise zahlreiche umso umfangreichere und tiefgreifendere Informationen über die kostbaren Tiere, ihre Reiter und die hohe Schule der historischen Reitkunst, die von der Betreiberfamilie der Hofreitschule Wolfgang, Christin und Diana Krischke seit Jahrzehnten studiert, bewahrt und gelebt wird.

 Den Anfang einer Marstallführung macht in der Regel ein Besuch bei Raisulih el Hadi: Der 23 Jahre alte Berber ist so etwas wie der Grandseigneur unter den Schulhengsten, ein absoluter Allrounder in Sachen Reitkunst, ein Vollprofi und Alleskönner. „Ein Professor auf vier Hufen“, meint Hofbereiterin Diana Krischke. Die studierte Pferdewissenschaftlerin und Medienmanagerin schreibt derzeit ihre Doktorarbeit – natürlich ebenfalls über Pferde. Bei der Beschreibung von Raisulihs Fähigkeiten kommt die Tochter von Hofreitmeister Wolfgang Krischke aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: „Dieses Pferd kann einfach alles.“ Rückwärts-Galopp, Kapriole unter dem Sattel oder diverse Filmtricks wie das Wiehern auf Kommando oder das Hinwerfen als Reaktion auf ein Schussgeräusch – für den 23-jährigen Bergerhengst ist nichts zu schwer.

 Ganz anders dagegen Andalusierhengst Marcos, der 2010 mit damals neun Jahren zur Hofreitschule stieß. Er litt aufgrund traumatischer Erfahrungen unter enormen Ängsten sowohl vor Menschen als auch vor anderen Pferden. Erst die sensible und einfühlsame Arbeit mit ihm in der Hofreitschule ließen ihn Schritt für Schritt Vertrauen und Selbstbewusstsein fassen.

 Ein ganz komplizierter Fall ist Maestoso: Der im Jahr 2000 geborene Lipizzanerhengst kam 2005 als Stiftung zur Hofreitschule. „Er ist wirklich unglaublich talentiert, aber eben auch unglaublich intelligent“, beschreibt Diana Krischke seinen Charakter. Genau das ist bei Maestoso ein zweischneidiges Schwert: „Wenn er nämlich merkt, dass man sich nicht genügend auf ihn konzentriert, dann tut er das auch nicht.“

 Moravita hingegen ist ein regelrechter Kindskopf. Der 2006 in den Niederlanden geborene Hengst gehört zu den 60 letzten echten Frederiksborgern der Welt, seine Abstammung lässt sich belegt bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Diana Krischke: „Sie werden es nicht glauben, aber der ist mit seinen neun Jahren immer noch in der Pubertät.“ Ohne Zweifel ist Moravita aber ein sehr sympathischer Pubertierender: Er liebt Streicheleinheiten, die er bei der Führung auch gerne von Besuchern annimmt.

 Rund 1000 Exponate umfasst das Reitmuseum, das ebenfalls besichtigt wird. Darunter finden sich viele kostbare Ausstellungsstücke aus dem Besitz der Familie zu Schaumburg-Lippe, beispielsweise zahlreiche Kupferstiche und Gemälde historischer europäischer Reitmeister, deren Wissen und Können heute die Arbeit der Hofreitschule bildet. jp

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