Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Mehr Gemeinwohl beachten

Klostermann geht Mehr Gemeinwohl beachten

Acht Jahre war Jörg Klostermann Fachgebietsleiter des Bereichs Planen und Umwelt, dem früheren Bauamt. Doch nun wechselt er Ende des Jahres seinen Arbeitsplatz und wird neuer Baubereichsleiter in Springe. Die Zeit in Bückeburg verlief nicht immer reibungslos, sagt er selbst.

Voriger Artikel
Zauberhafte Präsentation
Nächster Artikel
Mehr als 1200 Besucher bei Christvesper

Bückeburg. Rund 1800 Bauanträge liefen in dieser Zeit über seinen Schreibtisch. Dazu kamen große Projekte wie die Krippe an der Hinüberstraße, die Städtebausanierungsgebiete II Hannoversche Straße und III Windmühlenstraße sowie der Regio-Port I und II. Auch zahlreiche Bebauungspläne und die großen Einzelvorhaben der vergangenen Monate mit rund 300 neuen Wohnungen sowie die Nachnutzung des Bethel-Geländes fielen in seinen Verantwortungsbereich. Ende des Jahres wird Klostermann Bückeburg verlassen und neuer Baubereichsleiter in Springe.

„Alles in allem war es für mich eine lehrreiche Zeit in Bückeburg“, so Klostermann. Trotz mancher Meinungsverschiedenheiten sei einiges angeschoben und auf den Weg gebracht, seien Kompromisse gefunden worden. Er habe sich immer auf sein Team im Bauamt verlassen können.

Dennoch: So ganz reibungslos ist seine Zeit in Bückeburg nicht gelaufen. An erster Stelle nennt Klostermann, dass der Beratungsaufwand im Bauamt in den vergangenen Jahren viel zu hoch geworden ist. Das liege sicher auch an den großen Bauvorhaben, die in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht worden sind oder noch werden: „Alles in allem kann das mit städtebaulichen Verträgen schon einmal ein Jahr dauern.“ Andererseits sei aber auch von „anderer Seite sehr viel“ auf Individualinteressen eingegangen worden. Der normale Weg wäre gewesen, dass die Verwaltung vorschlägt – „das hat schon seinen Sinn“ – und die Politik entscheidet. Die Ausschüsse sollten Orte von Beratungen sein, weniger von externen Einflüssen.

Nicht immer reibungslos

Es müsse mehr auf das Gemeinwohl geachtet werden, mahnte Klostermann. Dass Einzelinteressen da sind, das werde überall so sein. Aber: „Sie dürfen nicht stärker bewertet werden als das Gemeinwohl.“ Die Stadt Bückeburg, aber auch der Landkreis Schaumburg dürften nicht vergessen, dass sie durch ihre Bauten und ihrer Landschaft historisch geprägt sind. Bückeburg müsse sich die Frage stellen, was die Ex-Residenz als Stadt ausmacht. Die Stadt bestehe nicht nur aus Schloss, Villenviertel am Nordharrl und der Bahnhofstraße als alter Prachtstraße zum Bahnhof. Es gebe noch viele weitere Ecken in der Stadt, auf die geachtet werden müsse. Klostermann: „Neubauten mit Putzfassade passen da oft nicht hin.“

Er hätte sich „ein bisschen mehr gewünscht“, dass über Fragen diskutiert wird wie: „Welche Ziele haben wir?“ Und: „Wie soll Bückeburg im Jahr 2030 aussehen?“ Stattdessen sei sich oft in „Einzelsachen“ verloren worden, statt Zukunftsperspektiven etwa im Hinblick auf den demografischen Wandel zu entwerfen. Es sei schwierig gewesen, über Stadtentwicklung zu sprechen: „Die Stadt macht ihre Pflichtaufgaben Ordnung, Recht, Kinderbetreuung und Schulen.“ Er hätte sich gewünscht, dass mehr kommt. Als ein Beispiel nannte er den Bereich Umweltschutz, wo in der Stadt nur das gemacht wird, was gesetzlich gemacht werden muss: „Umweltschutz findet in Bückeburg nicht statt.“ Bei der Überarbeitung des Flächennutzungsplans müsse das Thema Windkraft noch einmal geprüft werden: „Eine weitere Mühle wäre nicht schlecht.“ Mit den beiden Photovoltaikanlagen auf der Krippe Hinüberstraße trage die Stadt jetzt etwas mehr zum Thema regenerative Energien bei.

Dem Bau- und Umweltausschuss gab er mit auf den Weg, dass er für die Kernstadt aktiver sein müsse, nicht nur für die Ortsteile. Aber: „Die Politik hat sich immer sehr gut vorbereitet, Akten studiert und zügig Entscheidungen getroffen.“

Zum Thema Einzelhandelsgutachten, das in Bälde überarbeitet wird, merkte Klostermann an, dass mit allem, was in den Gewerbegebieten genehmigt wird, die Entwicklungschancen der Innenstadt verbaut würden. Er stellte auch im Hinblick auf die Diskussion eines zweiten Drogeriemarktes in der Kreuzbreite die Frage: „Stehen die Kids draußen im Gewerbegebiet vor dem Schminkspiegel?“ Auch hier folgte der Hinweis auf Allgemein- und Einzelinteressen: „Es müssen Verbindlichkeiten hergestellt werden.“

Was er anders machen würde? Bei der Nachnutzung des Krankenhaus-Areals hätte er sich mehr Diskussionen gewünscht, so Klostermann. Der Stiftungsgedanke sei gut. Dieser hätte mit dem jetzt geplanten Kompetenzzentrum für Senioren aber auch an anderer Stelle umgesetzt werden können. Er hätte ein innerstädtisches Wohngebiet mit Mehrfamilienhäuser vorgezogen. Auch auf dem Ex-Tankhof Harting hätte mehr Mehrfamilienhaus-Bau umgesetzt werden müssen. Und der Sparkassen-Neubau würde heute anders aussehen.

Und was ist haften geblieben? Nach kurzem Nachdenken nennt Klostermann die Debatte um den barrierefreien Zugang und die Treppe vor Apollo-Optik in der Fußgängerzone: „Die Diskussion war gut.“ rc

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Eine gute Tradition findet regelmäßig ihre Fortsetzung – die „Aktion Weihnachtshilfe“. In der Vorweihnachtszeit rufen die Schaumburger Nachrichten unter dem Motto „Schaumburger helfen Schaumburgern“ jedes Jahr zu Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis auf. mehr

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg