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Mehr als 100 alte Vögel in Intensivbehandlung

Bückeburg Mehr als 100 alte Vögel in Intensivbehandlung

Auf die Haltung und den Blick kommt es an. Schaut der Raubvogel verschlafen, blöd oder uninteressiert, wird der Betrachter eher an Plastikprodukte aus der Fabrik denken, nicht an Vögel, die vor mehr als 100 Jahren in der Region auf Jagd waren nach Hamster und Maus, hungrig, zielsicher und mitleidlos.

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Schüler aus der Klasse 7.4 dürfen die frisch präparierten Vögel bestaunen (Dritte v. lks.: Doris Gottschalk).

Quelle: vhs

Bückeburg. Das Federkleid ist auch nicht ganz unwichtig, wenn es um einen nachhaltigen Eindruck geht, nicht durch Nachahmung, nur durch Auffrischung.

 Im Gymnasium Adolfinum hat sich die Präparatorin Doris Gottschalk in den vergangenen Wochen des Federviehs angenommen, um den Bestand der Biologen zu sichern. Eine Geldspende des „Vereins der Adolfiner“ machte die Intensivbehandlung möglich, damit die Sachkundigen auch in ferner Zukunft sagen können: „Solch einen stattlichen Bestand wie unsere hat sonst kaum eine Schule.“ Unmittelbar zur „Einweihung“ der neuen Fachräume der Biologen konnten die Ergebnisse der sorgfältigen Handarbeit vorgestellt werden, selbstverständlich im fast noch unberührt wirkenden Anbau auf der Nordseite der Schule, wo die nähere Umgebung sich ohnehin sehr natürlich darbietet.

 „Von der Maus bis zum Elefanten, alle können behandelt werden“, sagte Gottschalk anlässlich der Übergabe der Objekte an Sammlungsleierin Stephanie Schlüter. Als Präparatorin hat die in Mardorf ansässige Jungunternehmerin nicht nur mit Schulen, Naturstationen und Museen zu tun. Trophäenpflege gehört auch zu ihrem Dienstleistungsangebot. So manches Geweih können Jäger, Waldmänner und Gastwirte nach Behandlung oder Nachbehandlung voller Stolz präsentieren. Als Tochter eines Försters hatte Gottschalk früh Kontakt mit der Tierwelt im Raum nördlich des Steinhuder Meeres. Ihr Auge ist auch geschult für Tiermalerei, den dritten Arbeitsschwerpunkt.

 Die präparierten Oldtimer können aus Sicherheitsgründen nur in gut einsehbaren Glasvitrinen verwahrt werden, nun allerdings neu positioniert und naturähnlich fundiert. Dem vielgestaltigen Gesamtbild ist die Liebe zum Detail anzumerken. Die Behandlungsmethoden der Präparatoren waren früher noch nicht so weit entwickelt, dass auf problematische Substanzen wie Arsen verzichtet werden konnte. Deshalb der Schülerschutz vor den gar nicht so tot wirkenden Tieren aus der Zeit vor dem Artenschutz. Bei Neuanschaffungen, so die gelernte Präparatorin, hätte man heutzutage sicher noch ganz andere Möglichkeiten, sich im Unterricht mit den einzelnen Tieren zu befassen, wortwörtlich.

 Was den Unterrichtseinsatz der Anschauungsobjekte anbelangt, verweist Biologielehrerin Schlüter auf Themen wie Evolution und Ökologie. In Klasse 5 gehe es etwa um den Lebensraum der Spechte, in der Oberstufe könnten die frisch präparierten „Kampfläufer“ wegen ihres Aussehens zur Demonstration herangezogen werden. Wer in Kunst nach der Natur zeichnet, findet in den Objekten schöne Modelle – ausdrucksstark, aber in sich ruhend. In den Tagen des schriftlichen Abis bekommt eine alte Lehreräußerung am Prüfungsmorgen plötzlich eine sonderbare Bedeutung: „Ich hoffe, Sie sind gut präpariert.“

 Schüler aus der Klasse 7.4 dürfen die frisch präparierten Vögel bestaunen (Dritte von links: Doris Gottschalk).

 Foto: pr.

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