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Mit Kinderbüchern groß geworden

Voortrag von Eike Höcker Mit Kinderbüchern groß geworden

 Adolf Holst ist Dreh- und Angelpunkt eines von Eike Höcker im Bückeburger Museum gehaltenen Vortrages gewesen.

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Eike Höcker

Quelle: bus

BÜCKEBURG. Die Ausführungen der Landgerichtspräsidentin stießen auf großes Interesse. Was vermutlich auch der Tatsache geschuldet war, dass ihre und die Familie Holst über langjährige persönliche Beziehungen verfügen. „Meine Mutter fühlte sich mit Holst verbunden, weil sie fast ihr ganzes Leben lang von dessen jüngster Tochter Cordula begleitet wurde“, so Höcker.

 Die 1909 geborene Cordula war die Jüngste von drei Töchtern und lange als Pädagogin tätig. Höckers Mutter (Jahrgang 1929) ist bei ihr 1935 in die erste Klasse eingeschult worden. Im Gegensatz zu anderen Mitgliedern ihrer Familie ist Cordula Holst recht alt geworden. Sie starb im Juli 2004 im Alter von 95 Jahren. „Viele Schülerinnen der reinen Mädchenklasse hielten bis zu deren Tod rührenden Kontakt mit ihrer Lehrerin“, erklärte die Referentin.

 Der im thüringischen Branderode geborene Dichter galt im Deutschland der zwanziger und dreißiger Jahre als einer der populärsten Kinderlyriker und Kinderbuchautoren. Seine Reimgeschichten kannte mehr oder weniger jedes Mädchen und jeder Junge. Sie erreichten teilweise sechsstellige Auflagen. Mit mehr als 200 Bilderbüchern und illustrierten Gedichtsammlungen zählt er zu den meistgelesenen Autoren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit „Auerbachs Kinderkalender“ erlangte Holst überregionale Bedeutung. Seine „Schule im Walde“ wurde in fünf, die „Hochzeit im Walde“ in neun Sprachen übersetzt.

 Als der Dichter 1901 in die kleine Residenzstadt Bückeburg kam, um sich um die Erziehung der beiden jüngsten Kinder von Fürst Georg zu Schaumburg-Lippe, Prinz Stephan und Prinz Heinrich, zu kümmern, verfügte er bereits über einen exzellenten Ruf als Pädagoge. Zu jener Zeit war das Fürstenhaus auf der Höhe seiner wirtschaftlichen Expansion. Es war Höckers Schilderungen gemäß ungeheuer vermögend und zeigte großes Interesse an Kunst und Kultur.

  Ende der monarchischenOrdnung als großer Einschnitt

 Der Tod Fürst Georgs 1911 dürfte Holst der Einschätzung der Referentin zufolge sehr getroffen haben. Er blieb aber im Dienst des Fürstenhauses und übernahm unter anderem die Leitung der Hofbibliothek. Grundlegende Veränderungen brachten die Geschehnisse des Jahres 1918 mit sich. „Vermutlich ein ungeheurer Einschnitt“, meinte die Landgerichtspräsidentin mit Blick auf das Ende der monarchischen Ordnung. Während Bückeburg bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges eine enorm aufstrebende kleine Residenz mit sehr positiver Zukunft gewesen sei, habe sich die Situation nach dem Krieg völlig verändert präsentiert. Adolf Holst wurde freier Schriftsteller und schließlich deutschlandweit und darüber hinaus berühmt.

 „Heute ist es um ihn und sein Werk ruhig geworden, seine Bücher werden jetzt eher aus nostalgischen Gründen gekauft und gelesen“, konstatierte Höcker. Und: „In der gegenwärtigen Welt der Kinderbücher haben seine Geschichten wohl keinen ernsthaften Platz mehr, nicht zuletzt deshalb, weil sie außer romantischer Verklärtheit eben auch ein Kinderbild vergangener Zeiten zeigen, das heutige Kinder nicht mehr anspricht und auch nicht mehr ansprechen kann.“

 Hinzu komme, dass Holst zu Zeiten des Ersten Weltkrieges Zeilen verfasst habe, die aus heutiger Sicht inhaltlich abstoßend seien, weil sie Krieg und Kriegshandlungen geradezu verniedlichten sowie andere Menschen und Kulturen verunglimpften und lächerlich machten.

 Darüber hinaus habe Holst nach 1935 einiges geschrieben, was man heute lieber nicht lesen würde. „Auerbachs Kinderkalender“ sei ab Jahrgang 1934 nicht frei von Nazi-Ideologie gewesen. Höcker: „Das machte schon den literaturgebildeten Freundeskreis meiner Mutter einigermaßen ratlos.“ Gleichwohl sei der Dichter bei aller Berühmtheit ein freundlicher, nachdenklicher, die Natur liebender und vor allen Dingen bescheidener Mensch gewesen, der sich niemals in den Vordergrund gedrängt habe.

 „Hier im Museum haben wir heute keinen wissenschaftlichen Vortrag, sondern Schilderungen mit vielen privaten Erinnerungen gehört“, erläuterte Museumsleiterin Anke Twachtmann-Schlichter. „Das fand ich total klasse.“

  Für März ist eine Veranstaltungsreihe geplant

 Weitere Details über Leben, Werk und Wirkung von Adolf Holst wird eine im März dieses Jahres im Niedersächsischen Landesarchiv organisierte Veranstaltungsreihe zutage fördern. Das von einer Ausstellung begleitete wissenschaftliche Kolloquium führt neun Fachleute zusammen, die sich mit den unterschiedlichen Facetten seines Schaffens des Dichters beschäftigen werden. Das Archiv bewahrt dessen Nachlass auf. bus

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