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Bückeburg Stadt Mit dem Rücken zur Wand
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18:45 16.04.2014
Oliver Werner
Bückeburg

So etwas hat der langjährige Geschäftsführer und erste Vorsitzende des Vereins „United Noise“ noch nie erlebt. Einen Tag vor dem lange angekündigten Festival „Summer ends forever“ mit zwölf Bands rief der Vertragspartner an und sagte das Festival ohne triftigen Grund ab. „Wir haben denen eine Kostenaufstellung gemacht, ein fertiges Konzept erarbeitet – und dann passiert so was“, kann Werner das Geschehene bis heute nicht fassen. Er habe die vergangenen Monate als eine echte Räuberpistole erlebt, mit Veranstaltern, die sich verhalten hätten, „wie die letzten Menschen“. So etwas, meint Werner kopfschüttelnd, könne er nicht verstehen. Der Vertrag sei den Veranstaltern egal gewesen – das sechsköpfige Team habe den Unterzeichner mit den Kosten allein gelassen. „Früher hätten wir das doch unter uns aufgeteilt, davon ist hier aber keine Rede“, kann sich der Vereinschef nur wundern. Und das ausgerechnet der Verantwortliche jetzt kein Geld mehr haben will, kann Oliver Werner auch nicht glauben: „Das“, sagt der Vereinschef, „sieht auf seinem Facebook-Profil ganz anders aus.“

 Wie es zu dem Fiasko gekommen ist? Das kann sich Werner bis heute nicht richtig erklären. Als Entschuldigung für die Absage habe der Vertragspartner unter anderem angeführt, dass man keinen Rettungsdienst mehr habe finden können. Dieser sei in diesem Fall aber gar nicht vorgeschrieben gewesen, ist sich der „United Noise“-Vorsitzende sicher. Sprich: Die Begründung könnte vorgeschoben sein. Denn eigentlich war bis einen Tag vor der Veranstaltung „alles in Butter“. Auf Facebook gab es Hunderte von Zusagen. „Wenn nur die Hälfte gekommen wäre, hätte man die Kosten schon raus gehabt.“ Völlig geplättet war der Verein, als – statt des eigentlichen Festivals – eine Alternativ-Veranstaltung angekündigt wurde. Allerdings nicht auf dem Kronenwerks-Gelände. „Wenn sie das bei uns gemacht hätten, hätte man noch einen Teil der Kosten reinholen können“, sagt Werner. Als überdies herauskam, dass dafür auch noch das „United Noise“-Logo verwendet wurde, war der Ofen aus. Ihm hätten vor allem die Fans leidgetan. „Wir hätten uns da gerne selbst hingestellt und alles gemacht, leider ging das nicht, weil wir die Verträge mit den Bands nicht hatten.“

 Mindestens genauso unverschämt sei das Verhalten der Veranstalter nach dem Reinfall gewesen. Die Ausfall-Kosten für Sicherheitsdienst, Versicherung und anderes musste „United Noise“ übernehmen. Die Veranstalter, beziehungsweise der unterzeichnende Vertragspartner, hätten sich nicht beteiligt. „Wir haben alles versucht, um ins Gespräch zu kommen und auch eine Ratenzahlung vorgeschlagen“, erinnert sich Werner an die Monate nach der unverschuldeten Pleite. Das Resultat war gleich null. „Es kam nichts“, sagt der Vereinschef, der sich nicht gerne an diese Zeit erinnert: „Andauernd flatterte eine neue Rechnung ins Haus, mein Gehalt habe ich um die Hälfte gekürzt, damit wir uns über Wasser halten können.“ Insgesamt sei der Verein auf 5800 Euro sitzen geblieben. Konsequenz: Der Gürtel muss jetzt ganz eng geschnallt werden.

 In der Folge wurde der für Anfang 2014 geplante „Battle of the Bands“ auf das Jahresende verschoben, dringend nötige Sanierungen fallen erst einmal flach. „Unsere über viele Jahre erarbeiteten Rücklagen sind weg“, fasst Werner die Misere zusammen. „Wir hoffen jetzt darauf, dass ganz viele Menschen zu unseren nächsten Veranstaltungen kommen.“ Das ausgefallene „Summer ends forever“-Festival wird übrigens am 16. August unter dem Namen „Summer lasts forever“ in Eigenregie nachgeholt.

 Finanziell steht der Verein mit dem Rücken zur Wand – einen weiteren (größeren) Ausfall kann man sich nicht erlauben. Für die Zukunft bedeutet das laut Werner: „Jeder, der bei uns eine Veranstaltung machen will, muss erst einmal Geld auf den Tisch legen.“ Das sei zwar sehr schade, „aber es geht um unser Überleben“. Vor Gericht hat der Verein übrigens recht bekommen. „Wir haben jetzt einen Titel über 30 Jahre und hoffen, das wir auf diese Weise unser Geld doch noch wiederkriegen“, sagt Werner.

 Dafür, dass „United Noise“ nicht die Puste ausgeht, sorgen auch die vielen Mitglieder, die sich in den vergangenen Wochen richtig ins Zeug gelegt haben. „Der Rückhalt ist unglaublich groß, alle ziehen an einem Strang“, sagt der Vorsitzende sichtlich erfreut. Sogar ein zweites Kassenhäuschen wurde zusammengebaut. „Auf diese Weise wollen wir verhindern, dass sich wie in den letzten Jahren lange Schlangen bilden.“

 Enttäuscht ist der Geschäftsführer von der Stadt und Bürgermeister Reiner Brombach. Bis heute warte man auf ein beim Jubiläum vor zwei Jahren in Aussicht gestelltes Büro (für den Winter). Sein Eindruck sei, dass von der Stadt kaum etwas komme. Dabei, so Werner, sei gerade jetzt Unterstützung besonders wichtig: „Auch als Zeichen der Anerkennung für die Arbeit, die wir hier leisten.“ mig