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Bückeburg Stadt Mit den Reformen von Fürstin Juliane zum „Frauenort“
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Mit den Reformen von Fürstin Juliane zum „Frauenort“
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19:50 11.02.2011
Das Mausoleum Julianes befindet sich mitten im Schaumburger Wald. © Archiv
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Bückeburg (rc). „Frauenorte“ geht auf eine Initiative des Niedersächsischen Landesfrauenrates zurück, der Leben und Wirken historischer Frauenpersönlichkeiten einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen und dazu beitragen möchte, dass Frauengeschichte und Frauenkultur einen festen Platz im Spektrum kulturtouristischer Angebote erhält.

Die Auftaktveranstaltung der Initiative fand im April 2008 in Verden statt, Anita Augspurg (1857 bis 1943) ist die erste Frau, die der Landesfrauenrat mit der landesweiten Initiative würdigt. Kulturtourismus sei im Kommen, so der Landesfrauenrat. Der auf der Suche nach weiteren Frauenorten ist. Dabei sollen Frauen benannt werden wie unter anderem Angehörige von Adels- oder Herrscherhäusern, Wissenschaftlerinnen, frühe Politikerinnen sowie Kunst- und Kulturschaffende, die Vorbildcharakter haben und deren Wirken ein positives Beispiel für die Gleichberechtigung darstellt.

Und hier sieht Bückeburg mit dem Leben und Wirken von Fürstin Juliane seine Chance. Kann sie doch eine sehr bewegte Biografie mit Reformen vorweisen, die Vorbildcharakter haben. Juliane Wilhelmine Luise, Gräfin zu Schaumburg-Lippe, wurde am 8. Juni 1761 als die Tochter des Landgrafen Wilhelm aus dem Hause Hessen-Philippsthal in Zütphen in Holland geboren. Ihre Jugend verlebte sie in Herzogenbusch. Später verlegte der Landgraf Wilhelm die Hofhaltung nach Kassel, wo Juliane den regierenden Grafen zu Schaumburg-Lippe Philipp Ernst kennenlernte. Die 19-jährige Prinzessin folgte dem damals 57-jährigen Grafen (geboren am 5. Juli 1723) als Gemahlin 1780 nach Bückeburg.

Im Februar 1787 starb ihr Mann. Am 16. Februar marschierte der Landgraf Wilhelm IX. von Hessen in Schaumburg-Lippe ein, da er die die vormundschaftliche Regierung der Witwe für den Erbgrafen Georg Wilhelm nicht anerkannte und Lehensansprüche geltende machte. Truppen besetzten Schloss, Stadt und Land – nur auf dem Wilhelmstein im Steinhuder Meer hielt sich eine Garnison und leistete Widerstand. Durch geschickte Interventionen bei Kaiser und König gelang es der Fürstin, die Ansprüche des Hessen zurückzuweisen und die Unabhängigkeit Schaumburg-Lippes zu bewahren.

Juliane führte die Regentschaft fortan mit Unterstützung des Grafen von Wallmoden-Gimborn, der 1787 als Mitvormund für den Erbprinzen bestellt worden war. Unter Phillip Ernst begonnene Grundlagen setzte sie fort. Dazu gehörte die Anlage von Chausseen. Ihre besondere Fürsorge galt aber auch der Landwirtschaft. Juliane erreichte, dass der Ertrag der Forsten und Domanialgüter wesentlich gesteigert wurde.

Der Bauer wurde von Lasten befreit. Zahlreiche, auf das Wohl der Untertanen abzielende Erlasse aus dieser Zeit sind auf die Initiative der Fürstin zurückzuführen wie etwa die Herabsetzung der militärischen Dienstzeit auf sechs Jahre, eine Verfügung zur Abkürzung von Prozessen, das Forst-, Jagd- und Fischerei-Strafregulativ von 1792 oder das Verbot der Anlage neuer Strohdächer. Sie förderte und finanzierte neue Volksschulen und Lehrerstellen. Auf ihre Veranlassung schrieb ihr Leibarzt Dr. Bernhard Christoph Faust seinen Gesundheitskatechismus, der in den Schulen Schaumburg-Lippes unentgeltlich verteilt wurde.

Auch die Stadt Bückeburg und ihre Umgebung verdankt der Gräfin Juliane viel. Sie ist die Schöpferin der Anlagen und Alleen in der Nähe des Bückeburger Schlosses. Sie ist die Erbauerin der Klus, die damals wie heute ein beliebter Erholungsplatz für die Bewohner von Bückeburg und Minden. Sie ist die eigentliche Gründerin des Badeortes Eilsen, baute das Schloss Hagenburg aus und führte die Gebäude des Maschvorwerkes bei Bückeburg.

Die schon durch den Grafen Wilhelm gegründete und unter der Leitung von Johann Christoph Friedrich Bach stehende Hofkapelle gelangte unter der musikverständigen Gräfin zu einer gewissen Berühmtheit. Am 9. November starb Fürstin Juliane im Alter von 38 Jahren an den Folgen einer schlimmen Erkältung. Ihre letzte Ruhestätte hat sie in einem einfachen Mausoleum im Schaumburger Walde.

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