Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Mit der schwimmenden Stadt auf See

Krankenschwester reist um die Welt Mit der schwimmenden Stadt auf See

Das glückliche Strahlen einer frisch behandelten Patientin, die unkomplizierte Zusammenarbeit in einem internationalen Team: Es sind diese Bilder, an die sich Gesa Neumann besonders gerne erinnert.

Voriger Artikel
Starkes Miteinander im Mittelpunkt
Nächster Artikel
Von der Konkurrenz abheben

Die „AfricaMercy“ ist das weltweit größte privatbetriebene Hospitalschiff.

Quelle: MercyShips

Bückeburg. „Ich habe mehr zurückbekommen, als ich geben konnte“, sagt die OP-Schwester, die Ende vergangenen Jahres für die Hilfsorganisation „Mercy Ships“ im Einsatz war. Die Zeit vor Madagaskar habe ihr Leben bereichert, sagt sie.

 Wer die „Africa Mercy“ das erste Mal sieht, muss erst einmal schlucken. 16572 Bruttoregistertonnen ist das weltweit größte private Hospitalschiff schwer, 152 Meter lang und 24 Meter breit. „Das ist wie eine schwimmende Stadt“, erzählt Gesa Neumann, die drei Wochen an Bord der früheren Fähre verbracht hat. Es gibt Pools und Freizeiteinrichtungen für die Mitarbeiter, und der medizinische Bereich ist mit fünf Operationssälen , 82 Betten, einer Intensivstation, einem medizinischen Labor und sogar Röntgengeräten ausgestattet.

 Ziel der 1978 gegründeten Hilfsorganisation Mercy Ships ist es, den ärmsten Menschen auf der ganzen Welt fachmedizinische Hilfe zukommen zu lassen. Das Spektrum reicht dabei von der operativen Behandlung des Grauen Stars bis hin zur Entfernung von Tumoren.

 Die Arbeit wird aus Spenden finanziert und überwiegend von ehrenamtlichen Mitarbeitern ausgeführt – und das sehr erfolgreich, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Bis Anfang 2004 hat Mercy Ships mehr als 67000 lebensverändernde Operationen vorgenommen, 572000 Patienten in Dorfkliniken und 119000 Zahnpatienten in teilweise ambulanten Zahnkliniken behandelt.

 Woher kennt Gesa Neumann die Organisation? „Ich habe von ihr durch Christine Heckler, einer befreundeten OP-Schwester, erfahren“, erzählt die 33-Jährige. Diese habe ihr viel von ihren fünf Reisen erzählt. „Und da es schon immer ein Herzenswunsch von mir war, nicht nur zu spenden, sondern aktiv zu helfen“, habe sie sich schließlich vor zwei Jahren für einen Einsatz bei „Mercy Ships“ beworben.

 Es sei der Austausch mit der befreundeten OP-Schwester gewesen, der ihr bei ihrer Entscheidung sehr geholfen habe. Heckler war schon fünf Mal auf der „Africa Mercy“ und hat unter anderem Gambia, Sierra Leone, Liberia und Togo bereist. „Es waren tolle Erfahrungen“, sagt Heckler heute. Und: „Ich habe viel für mich mitgenommen. Das ist ein ganz großer Schatz, an dem ich gewachsen bin.“

 Was hat sie besonders beeindruckt auf ihren Reisen? Heckler überlegt einen Augenblick und erzählt dann vom Besuch eines Sterbeheims. „Da war eine alte Frau, die Aids hatte und nur reglos dalag, wie man uns sagte. Als ich sie angesehen habe, hat mich diese Frau angestrahlt – das war ein Lächeln, das ich bis heute nicht vergessen kann.“

 Solche Erfahrungen hat auch Neumann gemacht. „Im Rahmen der Nachsorge habe ich einige der Patienten besucht, bei denen ich assistiert habe, und es lag ein richtiges Strahlen auf ihren Gesichtern“, sagt die Krankenschwester. Besonders berührt habe sie die Veränderung in den Augen einer Frau mit Gesichtstumor. „Die wurde wegen des Tumors von der Bevölkerung ausgegrenzt. Später, als der Tumor entfernt war, konnte man sehen, wie Hoffnung in ihre Augen zurückgekommen ist.“

 Es ist dieses Mehr an Zeit für Gespräche, das sich Neumann auch für den deutschen Krankenhausalltag wünschen würde. „Es gibt zu wenig Zeit für den einzelnen Patienten, ein Gespräch in Ruhe ist da kaum möglich.“ Für sie war das vor Jahren Grund genug, von der Station in den OP zu wechseln: „Ich wollte das so einfach nicht mehr“, sagt die junge Frau heute.

 Zu wenig Zeit für den Patienten – das Problem kennt auch Heckler. Viele Schwestern gingen abends unzufrieden nach Hause. „Wir sollten uns fragen, welchen Stellenwert wir unserem Gesundheitssystem einräumen.“ Für eine Gesundung, so hat Heckler beobachtet, sei mehr als nur die reine medizinische Behandlung notwendig. „Da braucht es menschliche Zuwendung, eine zärtliche Geste, einen Händedruck.“

 Wann Gesa Neumann wieder Zeit für einen Einsatz findet, steht noch nicht fest. „Ich würde aber gerne wieder mitmachen“, sagt sie. Die Arbeit im internationalen Team habe ihr viel Freude bereitet. „Als ich da war, waren 400 Mann Besatzung an Bord, und es war ein sehr herzliches Miteinander, auch im OP.“

 Madagaskar hat die Bückeburgerin auch besuchen können. „Dort habe ich mich sehr sicher gefühlt, die Leute sind sehr freundlich und sehr offen. Es war schön, den Menschen zu helfen, die teils viele Tage lange Märsche und Fahrten auf sich genommen haben, um zur ,Africa Mercy‘ zu gelangen.“ mig

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg