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Mit zwei Zylindern im Ziel

Mongol-Rally Mit zwei Zylindern im Ziel

 Donatus zu Schaumburg-Lippe und seine Mutter Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg haben es geschafft. Zusammen mit Ko-Pilot Nikolaus Béry aus Österreich überquerten sie am Sonntag im „Gisela“ getauften VW Polo die Ziellinie der „Mongol-Rally“ im sibirischen Ulan-Ude, genau vier Wochen und sechs Tage nach ihrem Start am 17. Juli von Schloss Bückeburg.

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Donatus, Lilly, Nikolaus Béry und „Gisela“ auf dem Siegespodest der Mongol-Rally in Ulan-Ude.

Quelle: pr

BÜCKEBURG/ULAN-UDE. Der Erbprinz und die Ex-Frau von Alexander zu Schaumburg-Lippe sind damit das erste und bislang einzige Mutter-Sohn-Gespann der Welt, das sich erfolgreich der Herausforderung der härtesten Wohltätigkeits-Rallye der Welt stellte.

Rund 16000 Kilometer und 34 Tage voller Strapazen, aber auch überwältigender Reiseeindrücke liegen hinter dem Trio, das sich als Team „Subtitled“ auf den Weg machte (unsere Zeitung berichtete). Nachdem auf der Fahrt durch den Iran, Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan unerwartet wenig Hürden auf Donatus, Lilly und Kraftfahrzeug-Spezialist Béry warteten, geriet die Reise auf ihrer letzten Etappe durch Russland und die Mongolei mehrmals zur nervenaufreibenden Geduldsprobe.

Geröll, Schlamm und Schotterpisten warten auf das Team

Bereits seit dem Iran fuhr das „Gisela“-Team im Konvoi mit mehreren Norwegern, die ebenfalls als Ziel das Rallye-Finale in Ulan-Ude vor Augen hatten und mit denen sich eine tiefe und intensive Freundschaft entwickelt hatte. Nach der ersten Russland-Etappe durchquerten die Teams eine rund 25 Kilometer breite, demilitarisierte Zone, bis sie die Grenze zur Volksrepublik Mongolei erreichten. Dort waren außer den Passkontrollen je drei Stempel vonnöten, um die Fahrzeuge zu importieren. Die ersten beiden wurden anstandslos gewährt, bei dem dritten fiel den mongolischen Grenzbeamten jedoch unvermittelt ein, jetzt unbedingt Feierabend machen zu müssen: Sie schlossen die Tore und beschieden den Rallye-Fahrern kurzerhand, doch bitte morgen wiederzukommen. Sie ließen sich auch nicht durch noch so intensives Zureden des fassungslosen Béry davon abhalten, ihren Feierabend pünktlich anzutreten. Das Team „Subtitled“, das ebenso wie die anderen Fahrer dank der mongolischen Dienstbeflissenheit eine komplette Nacht verlor, machte aus der Not eine Tugend und funktionierte die Zwangspause zur Grillparty um, zu der sich einige ebenfalls festsitzende Russen nebst Wodkaflaschen gesellten.

In der Mongolei erwartete die Teams das schwierigste Stück des Weges aus Geröll, Schlamm und Schotterpisten. „Gisela“ verlor dabei eine Zündspule, was das Gefährt nicht davon abhielt, auf zwei Zylindern weiterzufahren. In Ulan Bator beschlossen Donatus & Co., die verbleibenden knapp 600 Kilometer bis zum Zielort Ulan-Ude, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Burjatien, in einem Rutsch durchzufahren.

Was sicherlich schön gewesen wäre und sogar der treuen „Gisela“ nicht zu viel abverlangt hätte, hätten da nicht die russischen Grenzbeamten beim letzten Grenzübertritt, diesmal von der Mongolei in Richtung Russland, noch ein Wörtchen mitzureden gehabt.

„Und das alles wegen acht Tabletten“

Oder genauer gesagt: deren Drogenspürhund. Dem fiel bei der Überprüfung von „Giselas“ Erste-Hilfe-Ausrüstung der Geruch eines bestimmten Rückenschmerzpräparates in die Nase, das im Rest der Welt völlig legal und rezeptfrei erhältlich, aber ausgerechnet in Russland verboten ist. Nun war guter Rat teuer, zumal das Anschlagen des aufmerksamen Vierbeiners von den Überwachungskameras aufgenommen und damit auch unwiderruflich aktenkundig geworden war. Somit war es auch nicht mehr möglich, das besagte Medikament einfach bei den Grenzern abzugeben und die Fahrt fortzusetzen – es hatte nun alles seinen bürokratischen Gang zu nehmen.

Es kostete die drei Fahrer mehr als zwölf Stunden, einen aberwitzigen Papier- und Formularkrieg, Fotoaufnahmen, Unterschriften sowie Telefonate mit deutschen Stellen und dem deutschen Konsulat in Moskau, bis das Team „Subtitled“ endlich die letzte Strecke des Weges bis nach Ulan Ude in Angriff nehmen konnte. „Und das alles wegen acht Tabletten“, so Donatus fassungslos.

Noch einmal musste sich „Gisela“ durch viele Kilometer Matsch kämpfen, mehr schwimmend als fahrend – und auf nur noch zwei Zylindern. Alle drei Insassen fühlten sich zu diesem Zeitpunkt körperlich mindestens genauso mitgenommen wie ihr Gefährt: „Wir hatten seit über 30 Stunden nichts mehr gegessen und nicht mehr geschlafen“, erinnert sich Donatus. Auch die norwegischen Freunde fuhren nach dem Zwangsaufenthalt an der mongolisch-russischen Grenze nicht mehr an ihrer Seite. Doch an einen weiteren Stopp war jetzt nicht mehr zu denken: „Wir wollten nur noch ankommen.“

Alles bereit für die Rückreise

Was den drei „Subtitled“-Fahren nebst Auto dann auch gelang. Wobei sie ausgerechnet bei der Zieleinfahrt auf die nahezu zeitgleich eintreffenden Norweger stießen – eine ausgelassene Feier mit mehr als 30 Teilnehmern war die unvermeidliche Folge.

Inzwischen haben sich Donatus und Lilly nicht nur von den ärgsten Strapazen erholt (Ko-Pilot Béry trat bereits den Rückflug nach Österreich an), sie trafen auch alle erforderlichen Vorbereitungen für die Rückreise, diesmal allerdings deutlich komfortabler im normalen Linienflugzeug Richtung Europa.

Mitte der Woche werden die beiden Rallye-Piloten in Bückeburg zurückerwartet. Natürlich mit „Gisela“, denn keine Sekunde lang verschwendete das Team „Subtitled“ auch nur einen Gedanken daran, nach erfolgreicher Rallye sein treues Gefährt in der sibirischen Steppe zurückzulassen. jp

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