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Miteinander der Kirche gefordert

Bückeburg: Voneinander lernen statt abgrenzen Miteinander der Kirche gefordert

Professor Hans Joas hat sich für ein gemeinsames Miteinander von katholischer und evangelischer Kirche ausgesprochen. Gegenwärtig sei ein historischer Augenblick auszumachen, in dem die übersteigerte Profilierung der beiden hierzulande vertretenen großen christlichen Organisationen gegeneinander eigentlich überwunden werden sollte, führte er in der Stadtkirche aus.

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Der Kammerchor JPS zeichnet für die musikalische Umrahmung des Vortrags verantwortlich.

Quelle: pr.

Bückeburg. Und zwar „indem man mehr voneinander lernt, statt sich untereinander abzugrenzen“.

 Der (katholische) Religionssoziologe und Sozialphilosoph sprach im Rahmen der unter dem Motto „Erbauung erleben“ stehenden Veranstaltungsreihe zum 400-jährigen Bestehen der Stadtkirche zum Thema „Der Glaube, eine unverwüstliche Lebenskraft – das Christentum und die Vielfalt der Optionen“.

 „Ich bin ein leidenschaftlicher Anhänger der Vorstellung, dass es etwas gibt, das nicht in einer entweder theologischen Debatte oder in einer kulturellen Profilierung verdeckt werden darf“, so Joas. Allerdings bestehe angesichts des bevorstehenden Reformationsjubiläums Grund zu der Befürchtung, dass die beiden Organisationen eher die Profilierung als das Gespräch suchten.

 Der Referent stellte seinen Ausführungen voran, dass nicht er die Titelformulierung des Vortrages erfunden, diese aber gleichwohl akzeptiert habe. „Weil sie schön klingt und optimistisch macht, was den Glauben betrifft.“ In dem Wort „unverwüstlich“, habe er den Verdacht, schwebe unterdessen auch etwas mit, was zurzeit eine Art Modethema in der internationalen Psychologie sei. Darüber hinaus habe er bei der Formulierungszustimmung gezögert, „weil die These, dass der Glaube eine unverwüstliche Lebenskraft darstellt, auch ein kleines bisschen kitschig klingt“.

 Anschließend widmete Joas einen großen Teil seiner Gedanken der säkularen Option. „Was man im ersten Zugriff als ein Weltbild charakterisieren kann, das auf Transzendenz verzichtet und diese aggressiv zurückweist.“ Generell dürfe freilich nicht außer Acht gelassen werden, dass der Begriff „Säkularisierung“ ungeheuer vieldeutig sei. „Manchmal bedeutet er so etwas wie die Schwächung von Religion, manchmal aber auch die Trennung von Religionsgemeinschaften und Staat.“ Da nehme es nicht wunder, wie unterschiedlich verschiedene Individuen, Milieus und Länder auf diese neu entstandene Möglichkeit des legalen Nichtglaubens zugegriffen oder sie als Anspruch aufgefasst hätten, den Glauben zu verjüngen.

 Im zweiten Teil des musikalisch vom Duo László Gulyás und Peter Malaj und vom Kammerchor JPS (Jazz, Pop, Swing) umrahmten Vortrages benannte Joas mehrere „Merkmale für die Entstehung dessen, was wir Glauben nennen und die Entstehung tief sitzender säkularer Wertüberzeugungen“. Hier spielten das Ergriffensein und die Betroffenheit der ganzen Person ebenso wichtige Rollen wie die Einbeziehung aller Lebensbereiche, affektive Intensität und subjektive Evidenz. Wobei „affektive Intensität“ für „starke Gefühle“ stehe und „subjektive Evidenz“ dafür, „dass bei unseren tiefsten Überzeugungen uns etwas als ganz offensichtlich gut oder ganz offensichtlich böse erscheint“.

 Rückblickend auf die Enzwicklungen der christlichen Traditionen meinte Joas, dass die Katholiken die Glaubensinhalte traditionell überbetont hätten. Am schlimmsten im 19. Jahrhundert, als es Formulierung wie „Glaube ist Gehorsam gegenüber den Lehren der Kirche“ gegeben habe. „Da spüre ich wenig von der unverwüstlichen Lebenskraft; da sagt irgendeine Autorität, was Sache ist, auch wenn das dem zeitgenössischen Stand der Wissenschaft und der Philosophie völlig widerspricht.“

 Auf der anderen Seite habe die protestantische Gefahr oft darin bestanden, hauptsächlich auf den Glaubensakt zu setzen und die Inhalte etwas diffus zu lassen. bus

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