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Moped gefahren wie in den Sechzigern

Vor Gericht Moped gefahren wie in den Sechzigern

Das waren noch Zeiten: „In den sechziger Jahren habe ich ein Moped gekauft, das 40 oder 45 lief“, erinnert sich ein Rentner aus Bückeburg fast wehmütig. „Dafür habe ich keinen Führerschein gebraucht.“ Der 82-Jährige hat „geglaubt, dass ich auch heute keinen brauche“.

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Quelle: dpa/Symbolbild

Bückeburg. Glatter Irrtum: Als der ältere Herr im Mai mit einem 45 km/h schnellen Motorroller in Meinsen unterwegs war, machte er sich strafbar. Beim Amtsgericht in Bückeburg ist der Senior ein alter Bekannter, denn die einschlägigen Vorstrafen häufen sich. Sogar im Gefängnis hat er wegen Verkehrsdelikten schon gesessen. Auch das Fernsehen interessierte sich für den Fall aus Bückeburg und rückte zu einem früheren Prozess mit einem Kamerateam an.
Diesmal kassierte der Angeklagte eine Freiheitsstrafe von zwei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Der Schuldspruch lautet auf fahrlässiges Fahren ohne Fahrerlaubnis. „Der Angeklagte hätte sich schlaumachen müssen“, so Richter Dr. Dirk von Behren zur Sache mit dem Führerschein. Mildernde Umstände sieht von Behren darin, dass der Angeklagte geglaubt habe: „Was früher galt, gilt auch heute noch.“ Noch einmal, so von Behren, werde er kein Auge zudrücken. Zeiten ändern sich: Seit 1961 gibt es die Führerscheinpflicht für Mopeds. Heute braucht man für Kleinkrafträder mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern einen Führerschein der Klasse AM. Den könnte der Bückeburger erwerben. Das Problem: „Von meiner kleinen Rente kann ich keine 600 Euro für einen Führerschein bezahlen“, beteuert er. Stattdessen hat der 82-Jährige seinen Roller nach der Tat auf Tempo 25 drosseln lassen. Mit so einem Mofa darf er fahren.
Alles wäre halb so schlimm, wenn sich der Rentner bisher an Recht und Gesetz gehalten hätte. Doch davon kann keine Rede sein: Als der Bückeburger noch ein Auto hatte, fuhr er damit ohne Schein. Seine Fahrerlaubnis entzogen ihm die Behörden im Jahr 2004. Allein danach wurde der Verkehrssünder noch sechsmal am Autosteuer erwischt.
Einmal war er 500 Meter weit gefahren, bevor die Polizei ihn aus dem Verkehr zog. Dies deutete darauf hin, dass die Beamten den Rentner auf dem Kieker hatten. Dass er sich in einem Fall rasch hinters Steuer duckte, als der Streifenwagen auftauchte, machte ihn erst recht verdächtig. „Nicht einmal die Verbüßung einer Freiheitsstrafe hat den Angeklagten beeindruckt“, stellte der Leitende Oberstaatsanwalt Martin Appelbaum in einem früheren Prozess fest.
Mit dem Mofa kann nun eigentlich nichts mehr passieren. Für Mofaroller (bis 25 km/h) braucht man keinen Führerschein im eigentlichen Sinne, sondern lediglich eine Prüfbescheinigung. Letztere ist nicht nötig, wenn der Fahrer vor dem 1. April 1965 geboren ist – wie der Rentner.  ly

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