Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° stark bewölkt

Navigation:
Mordermittlungen in Flüchtlingsunterkunft

30-Jähriger mit Messer getötet Mordermittlungen in Flüchtlingsunterkunft

In der Nacht auf Freitag wurde in der ehemaligen Herderschule ein Asylbewerber mit einem Messer tödlich verletzt. Gegen 23 Uhr alarmierte der DRK-Sicherheitsdienst die Polizei. Rettungskräfte und Notarzt konnten den 30-Jährigen aus der Elfenbeinküste nicht retten. Eine Mordkommission wurde eingesetzt.

Voriger Artikel
Zweimal in geparkten VW gekracht
Nächster Artikel
Sechs Stunden lang eine „super Sache“

Polizei, Rettungskräfte und Notarzt eilten in der Nacht zur Herderschule.

Quelle: jak

Bückeburg.  Die Polizei nahm noch in der Nacht die Ermittlungen in der Flüchtlingsunterkunft auf, befragte Zeugen und nahm Fingerabdrücke.

 Am nächsten Morgen sitzt der Schock Bewohnern und Betreuern noch merklich in den Knochen. Gerade hat ein Mitarbeiter Fotos des 30-Jährigen ausgedruckt. Sie zeigen ihn lachend beim Kaffeetrinken. „Er war sehr beliebt“, berichtet Awo-Mitarbeiter Hamadi Hammami.

 Djibril (Name geändert) hätte heute eigentlich einen Termin bei der IHK, er hat gerade einen Ausbildungsplatz als Goldschmied gefunden. Er und der 30-Jährige waren eng befreundet, beide arbeiteten als Hilfshausmeister in der Flüchtlingsunterkunft. „Er wollte hier leben, sich integrieren und arbeiten“, sagt er über den Verstorbenen. Demnächst hätte er einen neuen Deutschkurs besuchen sollen.

Selbstmord nicht ausgeschlossen

 Auch Bacary (Name geändert) ist schwer getroffen, seine Augen sind noch verweint. „Wir kannten uns lange“, berichtet er. „Er war ein guter Mensch.“ Bacary spricht bereits verhältnismäßig gut deutsch. Er wohnt und arbeitet eigentlich in Rinteln und fuhr mit dem Fahrrad sofort nach Bückeburg, als er die Nachricht bekam. „Ich weiß nicht wieso das passiert ist.“

 Nicht nur Bacary, alle Bewohner und Mitarbeiter stellen sich derzeit diese Frage: Was ist in der Nacht geschehen? Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Der Leichnam des 30-Jährigen wurde bereits obduziert. Allerdings sei man dadurch nicht viel schlauer geworden, erklärt Nils-Holger Dreißig, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage. Es könne nicht ausgeschlossen werden, ob es sich um Selbstmord handle. Dennoch wurde eine Mordkommission eingesetzt.

 Nach Informationen unserer Zeitung wurde auch die mutmaßliche Mordwaffe – ein Messer – bereits sichergestellt. Dreißig konnte das auf Nachfrage nicht bestätigen. Zeugen wurden bereits vernommen, teilweise wurden auch Fingerabdrücke abgenommen. Einen Mordverdächtigen gibt es bisher nicht, es wurde auch niemand festgenommen.

 Auch bei den Betreuern der Unterkunft des Landkreises ist die Trauer groß. Viele kannten den Mann seit Monaten. Eigentlich war für den gestrigen Tag ein Betriebsausflug angesetzt. „Aber wir sind natürlich nicht gefahren, diese Menschen brauchen uns jetzt“, erklärt Heidemarie Hanauske, Geschäftsführerin der Awo.

Bedrückte Stimmung

Auch Einrichtungsleiter Heiner Hoppe musste die Nachricht erst einmal verdauen. „Wir haben aufgehört zu spekulieren“, sagt er. „Das zieht einen nur noch weiter runter.“ Jetzt gehe es darum, den betroffenen Bewohnern ein offenes Ohr zu schenken. Viele kannten den Toten seit langer Zeit. Er lebte bereits seit etwa anderthalb Jahren in der Herderschule. „Er war einer der ersten Afrikaner, die hier ankamen“, erinnert sich Hammami. „Und er hat zu Arbeiten nie ,nein‘ gesagt.“ Beim Erhalt der Nachricht habe er einen Schock bekommen, „und selbst meine Frau, obwohl sie nicht hier arbeitet“.

 Auch unter den etwa 50 Bewohnern herrsche eine sehr bedrückte Stimmung, „heute ist ja auch noch Opferfest, aber nach Feiern ist hier niemandem mehr zumute.“ Wobei – so beobachtete Hammami – viele Afrikaner damit zumindest nach außen hin relativ ruhig umgingen. „Sie sind über tausende Kilometer hierher gereist, der Tod hat sie dabei begleitet“, erklärt Hammami. „Sie alle kamen mit dem Traum, hier anzukommen, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Und irgendwann wieder zurückzukehren.“

 Awo-Mitarbeiterin Stephanie Gerke berichtet, sie sei „traurig und wütend“ gewesen, als sie die Nachricht erhalten habe. Auch sie kannte den Mann, „er hatte hier nie Probleme“.

 Nun warten alle auf weitere Erkenntnisse der Mordermittler. Nicht ausgeschlossen werden konnte bisher, ob es sich um einen Selbstmord handelte. Sollte es sich aber um ein Tötungsdelikt gehandelt haben, stellt sich noch die Frage nach dem Tatort. Zwar wurde der tödlich verwundete Mann in der Herderschule gefunden, das heißt aber nicht notwendigerweise, dass er dort auch verletzt wurde.

 Landkreissprecher Klaus Heimann erklärt, dass für die nächsten Tage sowohl die Sozialarbeit als auch der Sicherheitsdienst in der Unterkunft verstärkt wurde. „Wir wollen die Bewohner mit der Situation nicht alleine lassen.“ jak

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Eine gute Tradition findet regelmäßig ihre Fortsetzung – die „Aktion Weihnachtshilfe“. In der Vorweihnachtszeit rufen die Schaumburger Nachrichten unter dem Motto „Schaumburger helfen Schaumburgern“ jedes Jahr zu Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis auf. mehr

Schaumburg