Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Motivation durch Vergünstigungen?

Bückeburg / Feuerschutzausschuss Motivation durch Vergünstigungen?

Auf der Tagesordnung des Feuerschutzausschusses des Rates machte sich TOP 5 ein wenig sperrig aus: „Handreichungen des Innenministeriums zur Gewinnung und Stärkung von Freiwilligen für die Feuerwehr“ hieß es da.

Bückeburg. Doch damit konnten die meisten Ausschussmitglieder wenig anfangen, die sich die Broschüre aus Hannover einmal vorgenommen hatten – obwohl es um nicht weniger als um die Zukunftsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehren geht. Hintergrund: In vielen Wehren wird es schwieriger, neue Mitglieder zu finden und die Aktiven stets neu zu motivieren.

 Albert Brüggemann meinte, die Mitgliederwerbung sollte man den Feuerwehren überlassen, Politik und Verwaltung könnten allenfalls „flankieren“. Etwas konkreter wurde da schon Gerd Vogel, der auch gleich auf den „Juckepunkt“ kam: Man müsste schon Geld in die Hand nehmen, um attraktive Aktionen auf die Beine zu stellen.

 Der stellvertretende Stadtbrandmeister Thomas Wimmer war mit diesen eher verhaltenen Äußerungen nicht zufrieden. Die Feuerwehren würden schon viel unternehmen. Wichtig sei es, die Menschen immer wieder direkt anzusprechen und zu informieren – das fange schon bei Kindern und Jugendlichen an. Doch genauso wichtig sei, den Dienst in den Feuerwehren attraktiver zu machen, um die Aktiven zu motivieren und neuen Kameraden den Eintritt schmackhaft zu machen. Und hier seien durchaus auch Politik und Verwaltung gefragt – und auch finanzielle Mittel.

 Wimmer zählte gleich eine Reihe von Ideen auf, die die Kommandos ausgearbeitet haben – mit denen sie aber schon 2010 bei der ersten Vorstellung kaum Gehör fanden. „Feuerwehrleute müssen fit sein“, stellte Wimmer fest. Warum finanziere die Stadt ihnen dann nicht ganz oder teilweise den Besuch im Sportstudio? Selbst vergleichsweise banale Vorstöße in dieser Richtung scheiterten – Sporthallenzeiten seien für die Wehren kaum zu bekommen: „Da haben die Sportvereine ihre Hand drauf.“ Denkbar sei auch der freie oder ermäßigte Eintritt in Hallen- und Freibäder für Aktive sowie die Kinder- und Jugendfeuerwehren. Auch kleine Vergünstigungen wie die kostenlose Ablieferung von Grünabfall oder freies Parken würden die Zufriedenheit fördern.

 Praktischen Feuerwehrbelangen dienten dagegen Fahrsicherheitstrainings oder die allgemeine Führungskräfteweiterbildung an der Landesfeuerwehrschule: Dafür müssten die Kameraden derzeit in die eigene Tasche greifen.

 Möglicherweise würden auch Sponsoren helfen. Aber: „Ich gehe nicht betteln.“ Die Mitglieder der Kommandos seien schon mit ihren derzeitigen Aufgaben mehr als ausgelastet. Hier könnten aber sicher Politik und Verwaltung helfen.

 „Wir wollen niemanden melken. Aber man kann auf vieles verzichten, nur auf die Feuerwehren nicht“, appellierte der stellvertretende Stadtbrandmeister an etwas mehr Engagement und Initiative des Ausschusses und an die Bereitschaft, auch entsprechende Mittel bereitzustellen.

 „Feuerwehr muss Ehrenamt bleiben“, reagierte Bürgermeister Reiner Brombach eher zugeknöpft auf diese Wünsche. Und: „Freies Parken – das kann man doch nicht ernst nehmen.“ Immerhin signalisierte er Gesprächsbereitschaft. Aber die Forderungen müssten moderat bleiben – auch im Interesse der ehrenamtlichen Arbeit in anderen Gruppen. „Andere Ehrenamtliche löschen aber keine Brände und schneiden keine Toten und Verletzten aus Autos“, konterte Wimmer. Brombach glättete die Wogen, indem er vom „Ehrenamt der besonderen Art“ sprach. Eine allgemeine Ehrenamtsdiskussion wollte er aber vermeiden – das sahen auch meisten Ausschussmitglieder so.

 Ekkehard Dürig fasste das Thema etwas weiter. Er verwies darauf, dass Feuerwehren, die auch Wettkampferfolge hätten, kaum Nachwuchsprobleme hätten. Wimmer hatte gleich die passenden Beispiele parat: In Möllenbeck und Rodenberg sei es auch tagsüber kein Problem, alle Einsatzfahrzeuge zu besetzen.

 Eine nach wie vor – auch der Feuerwehr – weitverbreitete Einstellung brachte Friedrich Meyer auf den Punkt: „Feuerwehr muss man leben, da helfen keine Geschenke.“ kk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die SN suchen kreative Schaumburger. Ob Fotografie, Farbe, Skulpturen oder was die Kunst sonst alles hergibt: Unter dem Motto „Schaumburg kreativ“ suchen die Schaumburger Nachrichten auch in diesem Jahr nach Künstlern in der Region. mehr

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg