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Musikerinitiative „United Noise“ verärgert über Umgang der Stadt mit dem Verein

„Wir distanzieren uns ganz klar“ Musikerinitiative „United Noise“ verärgert über Umgang der Stadt mit dem Verein

Die Musikerinitiative „United Noise“ ist sauer auf die Verwaltung der Ex-Residenz – stinksauer. „Wir distanzieren uns ganz klar von der Stadt und wollen nichts mehr von ihr“, sagte der Vorsitzende des Vereins, Oliver Werner, im Gespräch mit dieser Zeitung.

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Die „Osterrocknacht“ (wie hier 2014) ist die Hauptveranstaltung von „United Noise“ und lockt bis zu 4500 Besucher auf das Gelände der Kronenwerke hinter dem Bückeburger Bahnhof.

Quelle: Archiv

Bückeburg (rc). Grund für das Zerwürfnis ist der Umgang seitens der Stadt mit einem Zuschussantrag, den der gemeinnützige Verein für die Sanierung und Renovierung seiner Toilettenanlage in den Kronenwerken hinter dem Bückeburger Bahnhof gestellt hatte. 5000 Euro hatte der Verein beantragt, „damit wäre uns super geholfen“, so Werner. Dieser Antrag war jüngst mit den Stimmen der Mehrheitsgruppe im Verwaltungsausschuss abgelehnt worden (siehe Bericht unten). „Grundsätzlich akzeptieren wir jede demokratisch getroffene Entscheidung“, meinte der Vorsitzende in einem Statement auf der Facebook-Seite des Vereins. „Wir müssen uns aber sehr über die Art und Weise wundern, wie unserem gemeinnützigen, eingetragenen Verein von den Stadtvätern – beziehungsweise den öffentlichen Stellen – begegnet wird.“

 Mehr als zweieinhalb Monaten nach der Antragsstellung habe „United Noise“ weder ein Antwortschreiben noch Auskünfte darüber erhalten, wann und wie über den Antrag abgestimmt wird. Auch der Sitzungskalender der Stadt habe keinerlei Informationen enthalten. Gerne hätte der Verein vor den politischen Gremien Stellung bezogen und über die Wichtigkeit seiner Arbeit informiert. Mehrfach sei darauf verwiesen worden, dass man sich über eine Einladung freuen würde. Auch darauf sei nicht reagiert worden: „Dieses Verhalten empfinden wir als sehr bedauerlich, da wir in der Schule und in der Ausbildung einen anderen Umgang miteinander gelernt haben und dies auch stets an unsere Vereinsmitglieder weitergeben.“ Erst mit einem knappen Zweizeiler habe der Verein erfahren, dass der Antrag abgelehnt worden sei. Werner: „Alles sehr, sehr enttäuschend. Wir kommen uns wie ein Spielball vor.“

 Der Verein sei politisch neutral, nichtsdestotrotz seien die Mitglieder politisch gut informiert und interessiert. Und sie lesen von anderen Vereinen, die Zuschüsse für Flutlichtanlagen und Vereinsheime bekommen. Außerdem würden sie „zweifelhafte“ Personalentscheidungen im Jugendbereich zur Kenntnis nehmen und sich wundern, wie schnell „enorme Ressourcen“ für die „wirklich wichtigen Themen“ wie die NDR-Stadtwette freigegeben würden.

 Die Mitglieder wüssten auch von der jährlichen Fördersumme zur Bezahlung der Lehrkräfte in der Musikschule und wunderten sich über Sätze auf der Internetseite der Stadt zur Familienfreundlichkeit und zu vielfältigen Freizeitmöglichkeiten. „Wenn so Bückeburger Jugendpolitik betrieben wird, braucht sich niemand wundern, wenn unter Jugendlichen Frustration und Hilflosigkeit herrschen, Konflikte auftreten und Schulen besetzt werden, um endlich Gehör zu finden.“ Das alles habe man in der Vergangenheit erlebt. Vielleicht seien genau diese Entscheidungen die Antwort auf die Frage nach dem: „Wieso gerade hier in Bückeburg?“

 Zur Farce werde es, wenn man bei öffentlichen Veranstaltungen Politiker feiernd auf dem Gelände sehe, „die gegen uns sind, wenn wir Hilfe benötigen“. Im Zusammenhang mit den sanitären Anlagen könne er sich noch gut an einen Lokalpolitiker erinnern, der ermahnt werden musste, nicht vor der Außenbühne zu urinieren, sondern doch bitte die WCs zu nutzen.

 Alles in allem führe das zu „einem sehr traurigen Gesamtbild“, so Werner. Das Verhältnis zur Stadt werde „stark überdacht“. Denn: „Alles, was mir die Bückeburger Politik bisher persönlich gebracht hat, waren verschwendete Zeit und Nerven, die ich in Zukunft lieber in ‚United Noise‘ investieren werde.“ Er als Vorsitzender verspreche, dass er einen Weg finden werde, die WCs so bald wie möglich sanieren zu können, ohne dabei vor irgendjemandem zu Kreuze kriechen zu müssen. „Uns hat man schon zur Vereinsgründung tot gesprochen, aber hier sind wir im 14. Jahr – und auf das bisher Geleistete stolz.“

Derzeit nutzen 19 Bands die Proberäume

Der Verein „United Noise“ hat derzeit etwas mehr als 50 Mitglieder. Als er sich vor 14 Jahren gründete, ging es darum, für Nachwuchsbands Proberäume und Auftrittsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, an deren Fehlen ambitionierte Jungmusiker schnell verzweifeln. Schaumburg brauche ein alternatives Zentrum, in dem selbstbestimmte Musik und Projekte von, für und mit Jugendlichen verwirklicht werden können, heißt es.
Mittlerweile sind auf dem Raiffeisen-Gelände nach eigenen Angaben elf Proberäume ausgebaut worden, in denen aktuell 19 Bands proben, mehrere Tonstudios sowie einen Clubraum für bis zu 250 Gäste. Hinzu kommen jährlich zirka 40 Veranstaltungen im Vereinssitz, in kooperierenden Clubs und in öffentlichen Jugendzentren. Die Räumlichkeiten sollen außerdem als Veranstaltungsort für Workshops und Seminare rund um die Musik sowie einfach als Treffpunkt zum Gespräch und Austausch in entspannter Atmosphäre dienen.
Außer um Proberäume und Auftrittsmöglichkeiten geht es nach eigenen Angaben auch um die Vernetzung mit regionalen und überregionalen Organisationen und Bands, um die Beratung und Betreuung junger Musiker und die Organisation von Musikkonzerten und Festivals. Die Hauptveranstaltung ist alljährlich die „Osterrocknacht“ in Bückeburg mit bis zu 4500 Besuchern, großem Osterfeuer und vielen Vereinsbands, die sich dem großen Publikum präsentieren können.

Weil Gewinnabsicht dahinter steht

Der Antrag von „United Noise“ für einen Zuschuss von 5000 Euro für die Sanierung der Toilettenanlage ist seitens der Mehrheitsgruppe abgelehnt worden, da sich das Gebäude im Besitz einer GbR befindet, also einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die die Räumlichkeiten in den ehemaligen Kronenwerken an den Verein „United Noise“ weitervermietet.
So begründete der Chef der Mehrheitsgruppe von SPD, FDP und Grünen, Bernd Insinger (SPD), in der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Finanzausschusses das Nein. Das Gebäude sei im Privatbesitz, eine GbR habe Gewinnabsichten, die die Stadt nicht unterstütze. „Das ist der Beweggrund für die Ablehnung, es geht nicht um und gegen den Verein.“
Die Mehrheitsentscheidung ist nicht unumstritten. Wie der CDU-Fraktionschef Axel Wohlgemuth in der gleichen Sitzung sagte, halte er es für „schizophren“, wenn sich ein Verein selbstständig um Gebäude und Jugendliche kümmere und ein Zuschuss abgelehnt werde, obwohl andere Vereine „besser bedient“ worden seien, die ein Gebäude nutzen, das der Stadt gehört. Er spielte damit auf eine einstimmige Empfehlung des Ausschusses an, dem Schützenverein Bückeburg einen Zuschuss von 5000 Euro für den Kauf einer computergesteuerten Schießanlage für den Schießstand Harrl in einer Gesamthöhe von 28 000 Euro zu gewähren.
Ratsherr Hermann Kempf (CDU) ergänzte, dass die Stadt keine Finanzsorgen hätte, würde jeder Verein – wie „United Noise“ – seine Kosten zu 99,9 Prozent selbst tragen. Wenn die Stadt alle Vereine „so hinbekommen würde, hätten wir gewonnen“. Der Wunsch des Vereins nach einem Büro im Jahr 2012 sei bereits „untergegangen“: „Wir müssten die Arbeit von ‚United Noise‘ honorieren.“

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