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Nach Raubserie: 32-jährige Betty S. muss 13 Jahre in Haft

Minden/Bielefeld / Vor Gericht Nach Raubserie: 32-jährige Betty S. muss 13 Jahre in Haft

Eine außergewöhnlich hohe Anzahl von Raubüberfällen und Brandstiftungen quittierte Richter Reinhard Knollmeyer am Landgericht Bielefeld mit einem außerordentlich hohen Strafmaß.

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Quelle: dpa

Minden/Bielefeld (mt). Danach muss die Angeklagte Betty S. 13 Jahre ins Gefängnis. Auf den nach Jugendstrafrecht verurteilten Joel V. warten acht Jahre und acht Monate Haft. Damit wurde ein vorläufiger Schlussstrich unter eine Serie von Straftaten gezogen, die monatelang die Menschen in Porta Westfalica, Bad Oeynhausen und Umgebung verunsichert hatten. Gegen das Urteil ist Revision möglich.

 Die Liste der Vergehen ist lang und reicht von besonders schwerer räuberischer Erpressung, über schweren Raub bis hin zu vorsätzlicher Brandtstiftung mit fahrlässiger Gesundheitsgefährdung. Insgesamt 28 Raubzüge und 44 Brandlegungen waren in elf Tagen vor der III. Kammer des Landgerichts verhandelt worden. Dessen Vorsitzender Richter übertraf in seinem Urteil das von Staatsanwältin Dr. Christiane Holzmann am Dienstag geforderte Strafmaß von zwölf Jahren Haft für Betty S. und von acht Jahren Jugendstrafe für den 18-jährigen Bad Oeynhausener.

 „Dieses Urteil ist nicht gerecht, es kann gar nicht gerecht sein. Denn es wird den vielen Opfern nicht gerecht“, sagte Knollmeyer. Um dann das Urteil rechnerisch aufzuarbeiten. Zu Betty S: „Für jedes von ihnen verübte Verbrechen bleibt eine Haftstrafe von jeweils zweieinhalb Monaten.“ Beim zur Tatzeit jugendlichen Joel V. würde die Strafe pro Tat mit „nicht einmal drei Monaten“ noch geringer ausfallen.

 Nach einem ersten Raubüberfall im September 2009 waren die beiden ungleichen Bad Oeynhausener immer wieder unterwegs gewesen und hatten Tankstellen, Bäckereien, Supermärkte und Restaurants in Bad Oeynhausen, aber auch in Minden, Porta-Westfalica, Herford, Löhne und Bünde mit vorgehaltenen und täuschend echt aussehenden Spielzeugwaffen überfallen.

„Ich entschuldige mich bei der Bevölkerung“

 Im gleichen Zeitraum machte das Pärchen die Gegend durch Brandstiftungen unsicher, ehe im Juli 2011 ein Sondereinsatzkommando der Polizei die fast schon unheimliche Doppelserie stoppte. Durch die Summe der Taten seien laut Richter Knollmeyer „die Grenzen unseres Rechtssystems erreicht“. Der Richter fragte: „Wie kann ein Gericht möglichst wenig ungerecht sein?“ Um selbst die Antwort zu geben: „Dem einzelnen Fall kann man gar nicht gerecht werden.“

 Knollmeyer: „Das war kein einmaliger Ausrutscher, das war eine beispiellose Serie.“ Die Verurteilten zeigten sich schockiert, zumal ihre Anwälte für weit geringere Strafen plädiert hatten. Betty S. sollte nach deren Vorstellungen acht Jahre büßen, Joel V. nicht mehr als fünf Jahre. Die 32-Jährige nach der Urteilsverkündung: „Ich hatte mit zehn Jahren gerechnet. Jetzt sind es 13 geworden.“

 Im Gelsenkirchener Gefängnis werde sie nun zur Schule gehen. Englisch, Deutsch und Mathematik wolle sie lernen, sagte die während der Verhandlung stets so in sich gekehrte Beschuldigte. Um dann, kurz bevor wieder die Handschellen klickten, mit stiller Stimme dieses eine und allererste Mal gegenüber dieser Zeitung um Verzeihung zu bitten: „Ich entschuldige mich bei der Bevölkerung.“

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