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Nachprüfungen für ein Drittel der Schüler

Schwere Vorwürfe am Adolfinum Nachprüfungen für ein Drittel der Schüler

Rund ein Drittel des Bückeburger Abiturienten muss – oder geht freiwillig – in die Nachprüfungen. Einige Schüler erheben schwere Vorwürfe. Adolfinum-Schulleiter Michael Pavel wehrt sich: Es gebe „keinerlei Auffälligkeiten“ beim diesjährigen Abitur. Im Landkreis ist Bückeburg allerdings eine Ausnahme.

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Quelle: dpa

Bückeburg/Landkreis. Nach Informationen der SN stehen bei knapp 30 Schülern mehr als 40 Nachprüfungen an. Rund 100 Schüler hat der Abi-Jahrgang. Zum Teil müssen die Abiturienten in Nachprüfungen, weil sie die erforderliche Punktzahl nicht erreicht haben. Etliche haben sich aber wohl freiwillig gemeldet, weil sie mit ihrer in den Abi-Prüfungen erhaltenen Punktezahl so weit unter der bisher durchschnittlich erreichten liegen, dass sie Zulassungsauflagen für ihr Studium nicht mehr erfüllen.

 Abiturienten kritisierten gegenüber der Redaktion die starken Abweichungen von den Durchschnittsnoten, insbesondere in den Fächern Mathe, Deutsch und Politik, aber auch in Erdkunde und Englisch. In mehreren Schreiben hätten sie sich an das Kultusministerium und die Landesschulbehörde gewandt – bis heute ohne Antwort.

Schüler auf die falsche Fährte geführt

Das nach ihren Beobachtungen fast durchgängig schlechtere Abschneiden im Vergleich zu den Vor-Noten führen die Schüler auf Aufgabenstellungen in den Klausuren zurück, auf die sie nicht vorbereitet waren. So seien in Mathe-Grundkurs-Prüfungen Aufgaben gestellt worden, die auf dem Niveau von Leistungskursen gelegen hätten. Zudem seien Aufgabenbereiche gewählt worden, auf die sie im Unterricht nicht vorbereitet worden waren. Ähnliches sei in Deutsch und in Politik zu verzeichnen, wo es ebenfalls erhebliche Abweichungen nach unten gebe.

 Auch einige Lehrer führen die starken Abweichungen insbesondere in Deutsch, Mathe und Englisch darauf zurück, dass in Niedersachsen Aufgaben aus dem bundesweiten Zentralabitur gestellt worden sind, an dem sich sechs Bundesländer beteiligen. Dabei seien etwa in Deutsch Aufgaben über das Schwerpunktthema DDR-Literatur gestellt worden – ein Themengebiet, mit dem sich niedersächsische Abiturienten gar nicht beschäftigt haben.

 Ein Pädagoge, der namentlich nicht genannt werden wollte, beschrieb die Abitur-Vorschläge teilweise als „gemein“. Fehlende Angaben zu Autoren hätten Schüler auf falsche Fährten geführt. Er bestätigte Angaben der Schüler, dass die Ergebnisse zum Teil unter dem Landesdurchschnitt der vergangenen Jahre gelegen oder ihn nur knapp erreicht hätten. Diese waren seitens des Ministeriums 2016 im Fach Mathe bereits um 12,5 Prozent nach oben korrigiert worden.

 Für die betroffenen Schüler des G-8-Jahrgangs, die ohnehin eine verkürzte Oberstufenphase hatten, bedeuten die Nachprüfungen auch durch die frühen Sommerferien in Niedersachsen einen erheblichen Zeit- und Prüfungsdruck. Erst in der vergangenen Woche hätten sie die Prüfungsnoten erfahren, für die nächste Woche seien bereits die Nachprüfungen angesetzt, monieren sie. Wegen des Stresses klagten einige über Schlafprobleme, Überforderung und die hohe psychische Belastung.

Ausnahme in Schaumburg

Hinzu komme, dass durch die schlechten Noten Zukunftspläne über den Haufen geworfen würden, man sich auf Wartesemester einstellen müsse und einige nicht wüssten, wie man die Zeit finanziell überbrücken solle. Eine Schülerin, bisher mit einem Notendurchschnitt, der für das Medizinstudium gereicht hätte, sagt: „Mit diesen Abi-Prüfungen wird uns das Leben verbaut.“

 Adolfinum-Schulleiter Pavel räumt ein, nicht alle Unterrichtsinhalte und Prüfungsaufgaben bis ins Detail zu kennen. An unfaire Aufgabenstellungen glaube er aber nicht. Die Zahl der von der Schule verlangten Nachprüfungen sei auf demselben Niveau wie in den Vorjahren, höher als sonst sei nur die der freiwilligen Zweit-Versuche. „Wir empfehlen den Schülern die Nachprüfung aber auch ausdrücklich, wenn wir Chancen auf Verbesserung sehen“, sagt Pavel für die Lehrerschaft.

 Tatsächlich handelt es sich in Bückeburg offenbar um eine Ausnahme im Landkreis. Für das Gymnasium Ernestinum in Rinteln erklärt Schulleiter Reinhold Lüthen: „Wir haben bei 95 Abiturienten nur 15 mündliche Prüfungen.“ Davon seien zwei freiwillig wieder angetreten, acht habe die Schule aufgrund eklatanter Unterschiede zu den Semesternoten angesetzt.

 Am Gymnasium Bad Nenndorf fällt die Zahl der Nachprüfungen nach Angaben von Direktorin Irmtraut Gratza-Lüthen sogar niedriger aus als üblich. An den beiden Stadthäger Gymnasien und an der IGS-Oberstufe in der Kreisstadt liegt die Zahl der Nachprüfungen ebenfalls im normalen Rahmen, wie die Schulleiter mitteilten.  rc, jak, ssr

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