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Nächste Runde im Familienzwist der Zinns

Bückeburg / Neschen Nächste Runde im Familienzwist der Zinns

Der Familienzwist im Hause Zinn – und damit auch der Neschen AG – ist vor dem Landgericht Bückeburg in eine weitere Runde gegangen. In einem Beweisaufnahmetermin waren sowohl Vater Rolf W.

Bückeburg. Bückeburg (rc). Zinn als auch seine beiden Söhne Stefan und Oliver Zinn geladen, dazu der gesamte Vorstand und Aufsichtsrat der Neschen AG, der seinerzeit im Juni 2009 über den Verkauf des Betriebsteils Archivcenter zu entscheiden hatte. Kläger in dem äußerst umfangreichen Zivilverfahren ist auf der einen Seite Rolf W. Zinn, ehemaliger Neschen-Vorstand und 2009 Aufsichtsrat, der rund 20000 Euro an nicht gezahlten Tantiemen, Provisionen und Pauschalen gegenüber der Neschen AG geltend macht. Die ihrerseits mit einer Widerklage geantwortet hat und insgesamt rund 200000 Euro aus zu viel gezahlten Tantiemen und Provisionen sowie einer Schadensersatzforderung geltend macht (wir berichteten).

 Vorstand und Aufsichtsrat hatten seinerzeit abgesegnet, dass Rolf W. Zinn – als Treuhänder der Muttergesellschaft die GSK mbH – erwerben konnte, an dem sein Sohn Oliver acht Prozent der Anteile hält und Geschäftsführers werden sollte. Und Rolf W. Zinn im Beirat sitzt. Rund 25000 Euro Provision flossen seinerzeit an Rolf W. Zinn für den erfolgten Verkauf – mit Kenntnis und Billigung der Aufsichtsorgane der Neschen AG. Budget überreizt

 Was der Neschen AG im Nachhinein sauer aufstößt. Denn von der Treuhänderschaft will die Neschen AG erst im Nachhinein erfahren haben. Deswegen will sie jetzt die 25000 Euro Provision wieder haben, die im August von der GSK aus dem „Cashflow“ in zwei Tranchen an Rolf W. Zinn gezahlt wurden. Denn statt des ursprünglich verhandelten Kaufpreises von 700000 Euro flossen nur 675000 Euro an Neschen. Weil eben vereinbart worden war, dass die GSK die Provision übernimmt und zu einem späteren Zeitpunkt zahlt.

 „Unser Budget war damals überreizt, mehr als die 675000 Euro konnten und wollten wir nicht zahlen“, erklärte GSK-Geschäftsführer Oliver Zinn auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Jens Rass. Zumal kurz vor Vertragsunterzeichnung, die für den 16. Juni 2009 geplant war, Neschen mit bisher nicht verhandelten Nachforderungen zu Umlaufvermögen und Bewertung von Maschinen gekommen war und knapp 200000 Euro mehr erzielen wollte. Was dann in hektischen und strittigen Diskussionen „fifty-fity“ ausverhandelt wurde, so Oliver Zinn. Darstellungen, denen Neschen-Vorstand Stefan Zinn teilweise widersprach oder sich nicht mehr richtig erinnern konnte. Gleiches galt auch teilweise für seinen Bruder.

 Ansonsten sagten sowohl Stefan Zinn und Norbert Dietrich als Neschen-Vorstände als auch der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Heinzwerner Feusser und der weitere Aufsichtsrat Wolfgang Greife übereinstimmend aus, erst im Nachhinein davon erfahren zu haben, dass Rolf W. Zinn das Archivcenter als Treuhänder gekauft hat. Es habe bestimmte Verdachtsmomente gegeben, erinnerten sich Feusser und Greife. Daher habe er, Feusser, eine Negativerklärung angefordert, dass direkt oder indirekt niemand aus der Neschen AG an dem Verkauf beteiligt war.

 Eine Erklärung, die Rolf W. Zinn zunächst nicht unterschrieb, dann aber in einer E-Mail gegenüber einem Bankenvertreter abgab – der diese wiederum an Feusser weiterleitete und damit bestätigte. Der Bankenvertreter war Joachim Koolmann, der im August 2009 Aufsichtsrat bei Neschen wurde, als Feusser und Greife das Handtuch schmissen; als Koolmann als Vertreter der Kredit gebenden Bank Feusser nahe gelegt hatte, dass er „gehen“ solle, wie sich der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende vor dem Landgericht erinnerte: „Ich war denen wohl zu kritisch.“ Und: „Alles war sehr merkwürdig.“ Konkurs drohte

 Die beiden Vorstände, als auch die beiden Aufsichtsräte beteuerten, dass der Verkauf des Archivcenters nicht auf diese Weise zustande gekommen und keine Provision gezahlt worden wäre, hätten sie von der Treuhänderschaft von Zinn senior gewusst. Dietrich: „Dann wäre zwingend ein Wertgutachten erforderlich gewesen, um kritische Fragen der Aktionäre beantworten zu können, das Archivcenter nicht unter Wert an ein Familienmitglied verkauft zu haben. Auch bei einer möglichen Insolvenz Neschens hätte er den Verkauf verweigert, so Feusser.

 Denn auch das schilderten die Neschen-Organe übereinstimmend vor dem Landgericht: Im Juni 2009 stand es um Neschen ganz kritisch, es fehlte an Liquidität. Norbert Dietrich: „Die Lage war angespannt, wenn wir das Archivcenter nicht verkauft hätten, hätte es zum Konkurs führen können.“

 Drastischer formuliert es Rolf W. Zinn: „Neschen war so pleite, wie ein Unternehmen nur pleite sein kann.“ Der Verkauf sei der „letzte Rettungsanker für das Unternehmen mit seinem 400 Mitarbeitern gewesen, sagte Rolf W. Zinn, der lange Jahre Vorstandsvorsitzender war und von 3,8 Millionen überfälligen Verbindlichkeiten sprach. Er habe Neschen mehrfach mit eigenem Geld vor dem Konkurs bewahrt, so später.

 Der Verkündungstermin ist für Mittwoch, 28. März, angesetzt.

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