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Bückeburg Stadt Naiv ist, nur ans Gute zu glauben
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00:18 13.08.2017
Marwan Abou-Taam fordert einen reformatorischen „Hausputz der islamischen Theologie“. Quelle: wk
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Bückeburg

Referent war der Politologe Marwan Abou-Taam. Dieser ist Mitarbeiter des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz und assoziierter Wissenschaftler an der Humboldt-Universität Berlin, wo er unter anderem zu den Themen „Migration“, „Islamischer Fundamentalismus“ und „Radikalisierungsmechanismen“ forscht.

Zum Einstieg in seinen Vortrag erklärte der Experte vor rund 150 Zuhörern, dass die Ursachen für den islamistischen Terrorismus in der Regel nicht hierzulande zu suchen sind. Vielmehr handele es sich um eine weltweite „Erscheinung“, die sich ideologisch über eine Religion begründet und auf Konflikten in Regionen, in denen diese Religion beheimatet ist, basiert, wobei jene Konflikte dann „überschwappen“.

Festzustellen ist laut Abou-Taam zudem, dass geografische und politische Grenzen heutzutage keinen Schutz mehr darstellen. So habe der Krieg in Syrien zu Massen von Flüchtlingen geführt, die nach Deutschland gekommen sind, was wiederum Auswirkungen auf die hiesige innere Sicherheit und die diesbezügliche politische Diskussion habe. In diesem Kontext monierte er, dass es „lange Zeit verpönt“ gewesen sei, Migration und innere Sicherheit in Verbindung zu bringen. Zwar seien selbstverständlich nicht alle Flüchtlinge eine Gefahr, aber Migranten seien eben Menschen wie andere Menschen auch – und rund „ein Prozent aller Menschen“ sei nun mal „ein bisschen bekloppt“. Ergo gebe es eben auch unter den Flüchtlingen zweifelhafte Personen.

Zum Islam informierte Abou-Taam, dass diese im siebten Jahrhundert entstandene Religion geeignet sei, Gesellschaften zu zivilisieren, aber auch zu barbarisieren – je nachdem, welche „Handlungsoptionen“ man aus dem Koran ableite. Islamismus sei übrigens die Politisierung dieser Religion („Es geht um politische Herrschaft, nicht um Seelsorge“), indem die Islamisten zum Erreichen ihrer Ziele die Deutungshoheit über religiöse Begriffe übernehmen.

Bezogen auf Deutschland bezifferte der Referent die Anzahl der hier lebenden Muslime auf rund 4,7 Millionen. Nach Angaben des Verfassungsschutzes sollen sich darunter rund 40.000 Islamisten befinden, von denen etwa 10.000 Salafisten seien, wobei wiederum rund 1000 als „Gefährder“ eingestuft würden.

Als zusätzliches Sicherheitsrisiko nannte er die wachsende Zahl an Rückkehrern aus dem Islamischen Staat (IS): So seien allein aus Deutschland rund 960 Personen als Dschihadisten (Gotteskrieger) nach Syrien und in den Irak gegangen, um dort für den IS zu kämpfen; ein Drittel sei inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Diese an Waffen und im Bombenbau ausgebildeten Rückkehrer seien nicht zuletzt deshalb „ein Riesenproblem, weil man nicht in deren Köpfe blicken kann“, so Abou-Taam.

 „Sind wir nicht alle naiv gewesen, als man 2015 gedacht hat, man kann mal eben mehrere hunderttausend junge Leute in unser Wirtschaftssystem einbauen?“, fragte Zuhörer Jürgen Hockemeier. Und sei nicht auch die Annahme utopisch, dass sich diese Flüchtlinge auch sonst in die deutsche Gesellschaft integrieren würden?

Man dürfe das Ganze nicht zu schwarzmalen, entgegnete Abou-Taam: „Es ist irgendetwas dazwischen.“ Er selbst sei als Kind mit seinen Eltern als Flüchtling aus dem Libanon nach Deutschland gekommen und arbeite heute als Regierungsdirektor bei einer Sicherheitsbehörde. Blauäugig sei es allerdings, „wenn man glaubt, dass alles nur gut ist“. Zudem empfahl er, dass sich die deutsche Gesellschaft konsequenter zu ihren Werten bekennen müsse, womit nicht nur die im Grundgesetz verankerten Freiheitsrechte gemeint seien.

Ferner kritisierte der Experte, dass die Politik in erster Linie mit konservativen Institutionen wie etwa dem für ein „sehr Muslimbruderschaft-orientiertes Islamverständnis“ stehenden Zentralrat der Muslime in Deutschland oder der DITIB (Abou-Taam: „Wurmfortsatz des türkischen Staates“) kooperiere. Dies vor dem Hintergrund, dass es hierzulande „keine einzige muslimische Institution“ gebe, die es sich zur Aufgabe gemacht habe, Menschen in den deutschen Staat zu integrieren.

Dazu meinte der CDU-Bundestagsabgeordnete Maik Beermann, er begrüße es, dass das Land Niedersachsen – anders als ursprünglich geplant – keinen Islamvertrag mit der DITIB geschlossen hat.

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