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Neschen-Aktionäre stimmen gegen Kapitalschnitt

Keine Befreiung von der Schuldenlast Neschen-Aktionäre stimmen gegen Kapitalschnitt

Die finanzielle Krise beim Folienspezialisten Neschen bleibt ungelöst. Das Unternehmen mit seinen zuletzt gut 300 Mitarbeitern verpasste gestern bei seiner außerordentlichen Hauptversammlung in Hannover die nötige Dreiviertelmehrheit für einen rettenden Schuldenschnitt und die Schaffung eines genehmigten Kapitals in Höhe von 6,562 Millionen Aktien.

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Aufsichtsratchef Robert Gärtner (von rechts), Aufsichtsrat Bernd Capellen, Vorstandssprecher Henrik Felbier und Vorstand Michael Aupke werben für den Kapitalschnitt und die Schaffung eines genehmigten Kapitals.

Quelle: rc

Bückeburg/Hannover. Damit hätte der Hauptgläubiger Sandton seine Forderungen oder Teile davon als Eigenkapital in das Unternehmen hätte umwandeln können.

 Fast zu 100 Prozent stimmten die anwesenden Aktionäre gegen beide Tagesordnungspunkte, die von Aufsichtsrat und Vorstand vorgeschlagen worden waren. Pikant: Gerade einmal 39,5 Prozent der Aktionärsstimmen waren vertreten.

 Damit ist der Plan vorerst gescheitert, die Neschen AG von ihrer Schuldenlast aus der Vergangenheit – 24,3 Millionen Euro Kredit und 20 Millionen Euro für einen Besserungsschein – zu befreien und eine solide Finanzierung zu schaffen. Der Vorstand will nun versuchen, in Verhandlungen mit dem Kreditgläubiger eine alternative Entschuldung des Unternehmens zu erreichen, wie er nach der Hauptversammlung ankündigte. Der zentrale Kreditgeber Sandton, ein US-amerikanischer Fond, hat sich verpflichtet, vorerst keine Forderungen geltend zu machen, die Neschen in die Knie zwingen. Diese Stillhaltevereinbarung gilt noch bis Ende dieses Jahres.

 Ob Sandton bereit ist, alternativen Refinanzierungsmöglichkeiten zuzustimmen, bleibt den Äußerungen von Aufsichtsrat und Vorstand während der Hauptversammlung fraglich. Wie der Aufsichtsratsvorsitzende Robert Gärtner erklärte, seien die Erfahrungen mit Sandton „alles andere als erfreulich“. Es habe mehrfach Gespräche gegeben, alle dem Unternehmen vorliegenden Zahlen und Gutachten seien im gleichen Umfang Sandton zur Verfügung gestellt worden. Klare Antworten habe man von Sandton-Vertreter Tom Wood nicht erhalten. „Der Kreditgeber blockiert uns, das muss sich ändern.“

 Sandton direkt zu fragen, war nicht möglich. Kein Vertreter war in Hannover erschienen, obwohl laut der Anmeldungen einer eingetragen war. Gärtner: „Wir wissen aktuell nicht, wohin Sandton mit der Firma will.“

 Neschen-Vorstand Henrik Feblier bezifferte die Gesamtschulden samt 2014 aufgelaufener Zinsen auf rund 48 Millionen Euro. Gärtner: „Neschen trägt die Kosten eines Wolkenkratzers, hat aber nur ein dreigeschossiges Hotel, mit dem diese Kosten nicht zu tragen sind. Obwohl dieses Hotel gut läuft.“ Damit spielte er darauf an, dass das Unternehmen nach drei Jahren harten Sanierungskurses 2014 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte von zwei bis drei Millionen Euro erreicht hat. Exakte Zahlen nannte das Unternehmen mit Verweis auf das ausstehende Testat nicht. Nur soviel: Die Prognosen seien erreicht worden. Operativ werden nach langer Zeit wieder schwarze Zahlen geschrieben.

 Es sei vieles versucht worden, das Unternehmen zu entschulden und die Finanzstruktur zu verbessern. Es bestehe zum ersten Mal die Möglichkeit dazu, hatte Vorstandssprecher Henrik Felbier um Zustimmung bei den Aktionären zu Kapitalschnitt und Einstieg von Sandton geworben. Er wisse, dass die Altaktionäre danach nur noch 16,6 Prozent am Unternehmen halten würden. Dennoch seien diese Schritte eine Chance für Unternehmen, Aktionäre und Wood.

 Auch der Vertreter der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, Alexander von Vietinghoff-Scheel, bezeichnete Kapitalschnitt und Schaffung eines genehmigten Kapitals als „alternativlos“. Sein Antrag, den Bezugsrechtsausschluss für Aktionäre nicht zuzulassen, fand ebenfalls keine Mehrheit.

 Satzungsänderungen wie der Kapitalschnitt oder Schaffung eines genehmigten Kapitals werden künftig noch schwieriger. Der Hauptaktionär VVG, er hält 25,1 Prozent der Aktien, setzte sich mit seinem Antrag durch, dass Beschlüsse der Hauptversammlung künftig mit den gesetzlich bestimmten Mehrheiten gefasst werden müssen, also mit 75 Prozent. Dafür stimmten 68,7 Prozent der Aktionäre. rc

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